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Wirtschaft

Unter verschärfter Beobachtung

Der Berufsstand des Managers ist derzeit nicht sehr gut gelitten. Nach einer Umfrage in 14 europäischen Staaten sind siebzig Prozent der Bürger der Meinung, dass sich die Top-Manager zu hohe Einkommen gönnen.

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Die Chefs von Unternehmen sind nun endlich als "bad guys" identifiziert, schreibt das Wall Street Journal Europe und bezieht sich auf die Ergebnisse einer Umfrage der Marktforschungsgruppe GfK in 14 europäischen Staaten: Nur einer von fünf Befragten ist der Ansicht, dass sich die meisten Top-Manager aufrichtig verhalten. Über zwei Drittel meinen, dass die Vorstände deutlich überbezahlt seien. Richard Hudson vom Wall Street Journal Europe hält das für eine schwere Vertrauenskrise.

Selbstbedienung?

Die Menschen reagieren zunehmend sauer darauf, dass sich die Chefs riesige Einkommenszuwächse oder Abfindungen genehmigen, während die Beschäftigten vielleicht gerade noch einen Inflationsausgleich erhalten oder aus Rationalisierungsgründen auf die Strasse gesetzt werden.

Der britische Kommunikationskonzern Cable&Wirelsess etwa, der in seiner Bilanz einen Verlust von 4,7 Milliarden Pfund auswies, zahlte über zwei Millionen Pfund an zwei Manager, die das Unternehmen verließen. So sind innerhalb Europas besonders viele Briten der Ansicht, die Manager britischer Unternehmen würden definitiv überbezahlt.

Die Dänen sind anders

Anders sieht es dagegen in Dänemark aus: Jeder zweite Däne ist überzeugt, dass Top-Manager richtig entlohnt werden. Richard Hudson erklärt dies mit der enormen Besteuerung in Dänemark: Es gibt dort keinen so großen Unterschied zwischen dem Einkommen eines Vorstands und dem eines Arbeitnehmers.

Zum anderen ist Dänemark ein kleines, ziemlich homogenes Land: Die Menschen in den Verkaufsetagen kennen die Menschen in den Führungsetagen.

Gläserne Taschen

Die Befragten in ganz Europa sprachen sich ganz überwiegend dafür aus, dass Spitzenmanager sämtliche Einkommensanteile offen legen müssen. In mittelosteuropäischen Staaten hält eine deutliche Mehrheit gar eine staatliche Begrenzung von Spitzengehältern für wünschenswert.

Richard Hudson sieht wachsenden Unmut unter Beschäftigten wie Aktionären. Fallende Aktienkurse seien die Quittung. Der Protest finde auch in Streiks Ausdruck: Dies alles reflektiere das generelle Gefühl in Deutschland und den meisten anderen europäischen Staaten, dass die Einkommensstruktur ungerecht sei.

Führungsqualität gefragt

Zudem seien die Spitzenverdiener das Geld nicht wert, das man ihnen hinterherwirft. Die Chefs zeigten keine Führungsqualitäten. Die Manager sollten sich allerdings darauf einstellen, dass Beschäftigte und Aktionäre ihnen das künftig nicht mehr durchgehen lassen. So brachten die Anteilseigner des französischen Konzerens Vivendi Pläne des Vorstands zu Fall, sich selbst neue Aktienoptionen zu genehmigen.

Verschärfte Regeln

Infolge des Bilanzierungs-Skandals des amerikanischen Energieversorgers Enron wurden die Regeln für an der Wall Street notierte Unternehmen verschärft: Diese Vorschriften werden dann auch für deutsche Unternehmen gelten, deren Aktien in New York gehandelt werden. So müssen auch die Vorstände von Daimler-Chrysler und anderen deutschen Konzernen damit rechnen, dass ihnen die Aktionäre genauer auf die Finger schauen als bisher.