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Unter Sternen

Wir beobachten sie und – wer weiß – sie uns vielleicht auch: die Sterne. Manche von uns möchten zu ihnen fliegen, die anderen versprechen, sie vom Himmel zu holen. Aber Sterne sieht nicht nur, wer nach oben schaut …‎

Sterne sind nicht nur über uns, sie sind mitten unter uns: Aktien und Hotels werden mit Sternen bewertet – je mehr Sterne, desto besser. Es gibt Autos, die haben einen Stern, Fahnen, die haben mehrere, eine Illustrierte heißt "Stern" und selbst alkoholisiert schwankende Gestalten dürfen sich himmelsnah fühlen, man nennt sie nicht bloß "hagelvoll", sondern "sternhagelvoll"! Die Sehnsucht nach den Sternen ist groß. Die einen möchten zu ihnen emporfliegen, die anderen versprechen, sie für jemanden vom Himmel zu holen.

Unerreichbar fern

Unmöglich? Sicher! Auch im übertragenen Sinne. Aber wer im übermäßigen Glück der Liebe seine Kräfte wachsen fühlt, der glaubt, ihm sei alles möglich – auch das offensichtlich Unmögliche.

Später aber wird man – wider Willen – an das einstige Versprechen erinnert. Dann heißt es vorwurfsvoll: "Und dabei hattest du doch versprochen, mir die Sterne vom Himmel zu holen!" Goethe mahnte zu Recht in dem Gedicht 'Trost in Tränen': "Die Sterne, die begehrt man nicht, man freut sich ihrer Pracht."

Stars oder Sternchen

Zu den Sternen schaut man auf. Zum "Star", zum Idol, schaut man auch auf. Beide, Sterne und Stars, leuchten bloß aus der Perspektive des Betrachters. Wären sie nicht beleuchtet, sei es von der Sonne, sei es vom Scheinwerfer, sie fielen niemandem auf. Aber wer an seinen Stern glaubt oder an seinen Star, dem ist das egal.

Den Nichtgläubigen beeindruckt allein die Quantität. Nochmals Goethe: "Welch reicher Himmel! Stern bei Stern! Wer kennet ihre Namen?" Will man sie kennen …?

Sternstunden

Was sagen die Sterne? Seit Jahrtausenden gibt es Menschen, die an die Macht der Himmelskörper glauben: die Anhänger der Astrologie. Sie legen Karten und bemühen Tierkreiszeichen.

Sie prüfen die Auswirkung von Sternenkonstellationen auf das Schicksal einzelner Menschen und auch auf den Weltenlauf. Mit dem Stand der Sterne erklären sie sogar Höhepunkte der Geschichte, so genannte Sternstunden der Menschheit. Wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sie kalt.

Glaube und Unglaube

Vor einigen Jahren versuchten die Deutschen Planetarien in einer gemeinsamen Erklärung, den Astrologieboom einzudämmen. Sie stellten fest: "Die Sterne lügen nicht. Sie können gar nicht lügen. Über unser persönliches Schicksal sagen sie nämlich gar nichts aus."

Dennoch: Ob der römische Kaiser Hadrian, der französische Sozialist Mitterand oder der spanische König Juan Carlos – ohne vorher die Sterne zu befragen, wurde und wird nichts entschieden.

Sternenfatalismus

Schiller bedichtete einst den General Wallenstein, dem sein Sternenglaube zum Verhängnis wurde. Sein Ruhm verblasste bereits – oder um es astrologisch zu sagen – sein Stern erbleichte. Doch auch als sein Glück schon schwand, also "sein Stern sank", glaubte Wallenstein noch an seine Sternstunde … Pech.

Seinem Verständnis nach war er wohl unter einem bösen, beziehungsweise unglücklichen Stern zur Welt gekommen. Dieser Fatalismus zeichnet den Volksglauben aus, nach dem jeder Mensch einen Stern am Himmel besitzt, der bei seiner Geburt erscheint und beim Tode entweder fällt oder untergeht.

Wegweiser

Es gab immer Kämpfer gegen den Sternenglauben. Schon im 17. Jahrhundert erklärte der Philosoph Robert Burton in seiner "Anatomie der Melancholie": "'Was über unseren Köpfen ist, geht uns nichts an', sagt Sokrates, und ich behaupte dasselbe von den Horoskopen der Sterndeuter."

Sterne als konkrete Orientierungshilfe sind aber auch für Nicht-Astrologen nützlich. Lange waren sie gar unentbehrlich. Der verzweifelte Ausruf "Da ist kein Stern, der leuchtet!" stammt aus der Seefahrt. In der Nacht wurde der Kurs eines Schiffes nach dem Stand der Sterne festgelegt. Waren keine Sterne zu sehen, war der Seemann hilflos.

Kosmische Mengenlehre

Mit Andacht und Demut fragt das Kinderlied "Weißt du, wie viel Sternlein stehen?" Eine ungefähre Antwort ist immerhin möglich: Bei klarer Sicht kann das geübte Auge mehr als 2.000 Sterne erkennen, manchmal bis zu 6.000. Alle gehören sie zu unserer Galaxis. Es gibt geschätzte 100 Milliarden Galaxien mit insgesamt etwa 70 Trilliarden Sternen. Das sind 7 mal 10 hoch 22 Stück.

Bevor der Stern großer Unternehmen und Banken zu sinken begann, wäre uns allen eine solche Zahl unvorstellbar vorgekommen. Aber mittlerweile können wir ja mit Milliarden locker umgehen. Gott sei Bank, äh, Dank.

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