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Fußball

Unter maximaler Beobachtung: WM-Schiri Brych

Erst Bundesliga, dann Europa-League-Finale, nun die WM: Der deutsche Schiedsrichter Felix Brych legt eine steile Karriere hin. In Brasilien bleibt ihm auf jeden Fall eines erspart: Ein Phantomtor.

Felix Brych und seine Assistenten Mark Borsch (L) und Stefan Lupp. (Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Felix Brych (2.v.l.) und seine Assistenten Mark Borsch (l.) und Stefan Lupp (r.)

Als Fußballer gibt es kaum Schöneres, als einmal zu einer Weltmeisterschaft zu fahren. Auch Schiedsrichter träumen von einer WM-Teilnahme. Felix Brych hat es geschafft. Er darf als einziger deutscher Spielleiter mit seinen Assistenten zur WM nach Brasilien. Allerdings stehen Schiedsrichter gerade bei Großereignissen oft unter einen großen Druck: Tausende Fans auf den Zuschauerrängen quittieren strittige Szenen wütend mit Pfiffen, Spieler schreien ihre Meinungen ungefiltert heraus und die vielen Kameras im Stadion zeichnen jede Sekunde des Spiels auf, so dass die TV-Anstalten anschließend hochauflösende Analyse-Bilder zur Verfügung haben. So bekommt man schnell das Gefühl: Jeder hat es gesehen, nur der Schiedsrichter nicht.

Eine solche Szene wird Felix Brych ein Leben lang begleiten: Am 18. Oktober 2013 erkannte er ein Tor des Leverkuseners Stefan Kießling gegen 1899 Hoffenheim an, obwohl der Ball die Torlinie niemals überquert hatte, sondern durch ein Loch im Außennetz ins Tor gelangte. Das "Phantomtor" von Hoffenheim sorgte wochenlang für Schlagzeilen, gelernt hat Brych daraus einiges. "Das war ein Stück Lebenserfahrung", sagt der zum besten Schiedsrichter Deutschlands auserkorene Brych wenige Tage vor der Abreise nach Rio de Janeiro, die er am 31. Mai, also noch vor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft antrat. "Das war natürlich ein Negativerlebnis. So eine Entscheidung steht ja am Ende einer ganzen Fehlerkette und nicht nur eines einzigen Wahrnehmungsfehlers. Da muss man danach schon ein paar Schrauben im Gespann anziehen, was die Spielvorbereitung und die Spieleinstellung betrifft. Das haben wir gemacht. Und deshalb war es für uns nicht schön, aber durchaus wertvoll."

"Das notwendige Rüstzeug ist da. Punkt."

Aus dem Fehler hat der neue deutsche WM-Schiedsrichter gelernt. Wertvolle Erfahrungen hat der 38-Jährige auch beim Europa-League-Finale zwischen dem FC Sevilla und Benfica Lissabon gesammelt, das er bis zum Abpfiff des Elfmeterschießens souverän leitete. Cool bleiben in engen, hektischen Spielen, das sei eine enorm wichtige Eigenschaft, erklärt Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel, der weiter große Stücke auf den Nachfolger von Wolfgang Stark hält: "Felix Brych kommt aus einem der professionellsten Fußballländer der Welt. Er pfeift die schwierigsten Spiele in unserem Land. Bei der UEFA vertraut man ihm die richtig dicken Dinger an", zählt der Vorsitzende der Schiedsrichter auf. "Die Vorbereitung müsste optimal sein. Das notwendige Selbstvertrauen ist auch da, also das notwendige Rüstzeug. Punkt." Brych stimmt zu: "Ich denke, dass ich ganz gut vorbereitet bin."

Szene des Phantomtores (Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)

Das Phantomtor von Sinsheim: Gleich ist der Ball im Tor - wegen eines Lochs im Netz

Gemeinsam mit seinen Assistenten Mark Borsch und Stefan Lupp wird der Jurist nach Brasilien reisen, seit zwei Jahren bereiten sich die auserwählten Schiedsrichter auf das große Ereignis vor. Von 52 Teams haben sich 25 qualifiziert, diverse Lehrgänge sowie Medizin- und Fitnesstets absolviert. Aktuell trainiert Brych sechs Mal pro Woche in Abstimmung mit einem Fitnesscoach. "Wir alle wissen, dass uns körperlich alles abverlangt wird während der WM in Brasilien. Das heißt, die Fitness muss stimmen, sonst klappt es nicht." Seinen Beruf als Jurist beim Bayerischen Fußballverband kann er nur noch in Teilzeit ausüben. "Ich freue mich auf die Fußball-WM. Ich bin Teil einer WM. Und ich freue mich auf die Schiedsrichter-Kollegen aus der ganzen Welt. Das ist eine richtig gute Truppe."

Torlinientechnologie auf dem Prüfstand

Erstmals kommt bei der Weltmeisterschaft die auch in der Bundesliga immer wieder diskutierte Torlinientechnologie zum Einsatz, die bereits beim Confederations Cup im vergangenen Jahr getestet worden war - unter anderem auch von Brych und seinen Assistenten im legendären Maracana-Stadion. "Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht. Das ist also für mich nichts Neues. Ich habe schon öfter gesagt, dass ich das ziemlich gut finde, weil uns ein weiteres Hilfsmittel zur Verfügung steht, mit dem wir arbeiten können", sagt Brych. Ein weiterer Alptraum wie der vom Oktober in Sinsheim wird ihm damit erspart bleiben. Mit dieser Technologie wäre das Phantomtor als solches nämlich sofort enttarnt worden.

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