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Wirtschaft

Unter Druck seit 14 Generationen

Mit Bibeln hat alles angefangen bei der Lüneburger Druckerei von Stern. Seit 400 Jahren ist sie im Familienbesitz. Und das soll auch so bleiben - trotz Internet und Großdruckereien.

Anfang der 80er-Jahre zog das Unternehmen aus der Lüneburger Altstadt hinaus ins Gewerbegebiet. "In den historischen Gemäuern war an eine moderne Druckproduktion nicht mehr zu denken", sagt Christian von Stern (im Bild oben), der das Familienunternehmen in der 14. Generation führt. Laut geht es zu in einer Druckerei. Das hat sich in all den Jahren wenig verändert. Nur im Foyer des Firmenhauses herrscht Ruhe. Und von der Wand grüßt die Ahnengalerie. "Das sind meine Vorfahren!" Der 50-Jährige lacht. "Wenn sie damit aufwachsen, wissen sie natürlich, was Ihnen da bevorsteht."

Hoher Erwartungsdruck

Produktionsgebäude Von Stern’sche Druckerei

Stern'sche Druckerei im Gewerbegebiet

Häufig nahm der Vater ihn mit ins Büro, erzählt Christian von Stern, und mächtig stolz war er, dass die Mitarbeiter ihn, den Sechsjährigen, als Junior-Chef anredeten. Christian von Stern ist kein Drucker geworden. Er studierte Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaften, arbeitete ein paar Jahre in Berlin, kehrte dann aber in den Schoß des Familienunternehmens zurück. "Als ich damals begann, Verantwortung zu übernehmen, da war die Druckerei auch schon 380 Jahre alt. Das spüren Sie schon."

Auf keinen Fall wollte er derjenige sein, der die 400 Jahre alte Familientradition beendet. "Mir war klar, dass ich aus dieser Nummer nicht werde herauskommen können." Der Neubau im Gewerbegebiet ist nun auch schon wieder 30 Jahre alt.

Mit der Bibel fing es 1614 an, es folgten Gesangbücher und Katechismen, später Schulbücher und ab 1810 die erste Zeitung. Heute deckt die Lüneburger Druckerei das komplette Spektrum ab - Broschüre und Bücher, von Beilagen bis hin zur Lüneburger Landeszeitung, der örtlichen Tageszeitung, diverse Wochen- und Anzeigenblätter und das Lüneburger Adress- und Telefonbuch.

Qualität statt Masse

Bibel Von Stern’sche Druckerei

Damit fing alles an...

In den Produktionshallen hält Andreas Jörß die Fäden in der Hand. Der Geschäftsführer kam vor 23 Jahren in den Betrieb. Er steht vor der Falzmaschine in der Buchdruckerei. Hier werden die bedruckten Bögen auf das gewünschte Format gebracht, bevor sie geheftet, noch einmal geschnitten und verpackt werden. In diesem Fall die Werbebroschüre eines Gabelstaplerherstellers.

Unsere Aufgabe besteht darin, Kunden zu finden, die im gedruckten Produkte ihre Botschaft am besten dargestellt sehen." Sich von den elektronischen Medien absetzen, sich mit Qualität profilieren und jeden Kunden eingehend beraten - das seien die Kernthemen der Druckbranche. Der Umsatz halte sich in den vergangenen Jahren im niedrigen zweistelligen Millionenbereich recht konstant.

Konkreter wird der Geschäftsführer bei der Stärke der Belegschaft: 40 Festangestellte sind es und 40 Aushilfskräfte, die die Zeitungen mit Beilagen bestücken. Andruck heute ist 23 Uhr. In der Halle, wo unten der Papierrollen-Vorrat lagert und oben die Rotationsmaschine steht, herrscht noch Ruhe. Geschäftsführer Jörß steht vor der Bogendruckmaschine. "Diese Maschine kostet zwischen 2,5 und 3 Millionen Euro je nach Ausstattung."

Andreas Jörß, der Geschäftsführer Von Stern’sche Druckerei

Geschäftsführer Andreas Jörß

"Bis zu 18.000 Bögen rauschen pro Stunde bei dieser Maschine durch die fünf Farbwerke und die Lackierstation, wo das Papier beschichtet wird. Bilder und Texte kommen heute per Datentransfer in den Betrieb. Fehler in der Rechtschreibung und in der Grammatik gehen auf die Kappe der Kunden. Anders noch zu Zeiten des Bleisatzes, als der Text mühsam von Hand Buchstabe für Buchstabe in der Druckerei entstand und von einem vierköpfigen Korrektorat gegengelesen wurde. Anfang der 90er-Jahre, erinnert sich Firmeninhaber Christian von Stern, war damit Schluss.

Die 15. Generation reift heran

Das 400 Jahre alte Familienunternehmen, das Stern in der 14. Generation führt, hat auch diese Umstellung überlebt. Und mittlerweile reift die nächste Generation heran. Zwei fast volljährige Töchter hat Stern und einen zwölfjährigen Sohn. Eine Herzensangelegenheit, den Familienbetrieb zu führen, soll es sein, beteuert der derzeitige Chef, der dem Erwartungsdruck, in die Fußstapfen der vorhergegangenen Generationen zu treten, am eigenen Leib verspürt hat, und der diese Erwartung wohl ein Stück weit auch an die 15. Generation weiterreichen wird - obwohl er beteuert: "Keines meiner Kinder muss zwingend meine Nachfolge antreten."