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Fokus Osteuropa

Unter der Armutsgrenze: Lehrer und Mediziner in Russland

Staatsbeschäftigte erhalten in Russland meist die niedrigsten Löhne. Die Forderungen an die Regierung nach Lohnerhöhungen werden immer lauter. Mit Protestaktionen gegen den Kreml droht nun die Gewerkschaft der Lehrer.

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Staatsdiener wollen mehr Geld

Warum leben in Russland Menschen unter der Armutsgrenze, die für den Staat arbeiten? In aller Welt gehören zu den Armen in erster Linie Arbeitslose. In Russland gelten von den insgesamt 145 Millionen Einwohnern des Landes 30 Millionen offiziell als arm. Aber die meisten von ihnen werden aus dem Staatshaushalt entlohnt. Das sind Lehrer, Mediziner und Menschen, die in den Bereichen Kultur und Wissenschaft beschäftigt sind.

Die Vorsitzende der russischen Gewerkschaft für Bildung, Galina Mirkulowa, sagte der Deutschen Welle: "Heute sprechen alle von den niedrigen Löhnen der Staatsbeschäftigten, darunter auch der Beschäftigten im Bildungswesen. Leider hat sich heute die demografische Lage so ergeben, dass bei weitem nicht alle Lehrer die Möglichkeit haben, wie früher anderthalb oder zwei Gehälter zu beziehen."

Steigende Lebenshaltungskosten

Das Leben in Russland wird immer teurer. Zu diesem Ergebnis kam vor kurzem das Föderale Statistikamt. Der Warenkorb verteuerte sich seit Anfang des Jahres im Durchschnitt um 15 Prozent und die Tarife für kommunale Dienstleistungen stiegen um 30 Prozent. Die russische Regierung hat inzwischen versprochen, die Gehälter der Staatsdiener im Durchschnitt um 20 Prozent anzuheben, aber erst im kommenden Jahr.

Angebot der Regierung abgelehnt

Vor wenigen Tagen beschloss die Regierung, Mitarbeitern des Zolls und der Steuerpolizei einen Ausgleich zu den Wohngeldern zu zahlen. Doch die Lehrer und Mediziner wurden in Russland wie immer vergessen. Mirkulowa beurteilt die Lebensumstände der russischen Lehrer und Mediziner folgendermaßen: "Jetzt schlägt die Regierung vor, ab dem 1. September die Gehälter um elf Prozent anzuheben. Die Gewerkschaft kann dem natürlich nicht zustimmen. Wir haben unsere Forderungen festgelegt und bestehen auf ihnen. So gehen wir in die Verhandlungen mit der Regierung, damit ab dem 1. September die Gehälter nicht um die geplanten elf Prozent, sondern um 25 Prozent angehoben werden. Darüber hinaus soll eine weitere Erhöhung im Jahr 2006 um mindestens 50 Prozent vorgesehen werden."

Gewerkschaft setzt Regierung unter Druck

Vor etwa zwei Monaten fand eine landesweite Aktion russischer Lehrer statt, die an jenem Tag an den Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, einen offenen Brief geschrieben hatten, mit der Forderung, die Gehälter zu erhöhen. Den Brief unterzeichneten mehr als 2,5 Millionen Menschen. Die Gewerkschaft teilte mit, dass es außer Telefonanrufen erstaunter Beamter, die nicht wussten, was sie mit dem Brief machen sollten, keine weiteren Reaktionen gab. Deswegen meint Mirkulowa: "Wir bereiten uns derzeit auf eine landesweite Aktion vor, die am 12. Oktober stattfinden könnte. Wenn die Regierung keine Schritte unternimmt und die notwendige Unterstützung nicht mit den Subjekten der Russischen Föderation abstimmt, dann werden wir diese Aktion sicher durchführen."

Olga Kitowa
DW-RADIO/Russisch, 10.8.2005, Fokus Ost-Südost