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Musik

Unter den Augen des Maestro

Die 9. Sinfonie von Beethoven ist ein riesiges Werk - wie man das als Dirigent bewältigt, darum ging es im Bonner Meisterkurs von Kurt Masur. Ein Lehrer, der bewundert und bisweilen auch gefürchtet wird.

Kurt Masur stellt in Bonn seine drei internationalen Nachwuchsdirigenten Joshua Kang Ming Tan (l-r), Mirga Grazinyte und Christoph Altstaedt vor. Masur erarbeitet mit ihnen in einem Meisterkurs vom 13. bis 16. Dezember 2010 Ludwig van Beethovens 9. Symphonie (Foto: Rolf Vennenbernd dpa/lnw)

Kurt Masur stellt seine drei Nachwuchsdirigenten vor

Die Partitur liegt neben Kurt Masur – geschlossen. Der 83-jährige Dirigent braucht sie nicht; denn er kennt Beethovens 9. Sinfonie auswendig. Sie ist das Schlüsselwerk, das ihn vor rund 60 Jahren einen Beruf finden ließ: dirigieren. Seine Erfahrungen gibt Masur seit fünf Jahren in Bonn an junge Dirigenten weiter – bei den Meisterkursen des Beethovenhauses. Für die Kandidaten ist es eine wertvolle, aber auch aufregende Erfahrung, unter den Augen des Stardirigenten das Bonner Beethovenorchester zu leiten.

Zwischen Lob und Tadel

Nachwuchsdirigent Christoph Altstaedt probt in der Beethovenhalle in Bonn mit dem Beethoven Orchester Bonn. Der Dirigent Kurt Masur erarbeitet mit drei internationalen Nachwuchsdirigenten in einem Meisterkurs vom 13. bis 16. Dezember 2010 Ludwig van Beethovens 9. Symphonie. Foto: Rolf Vennenbernd dpa/lnw

Christoph Altstaedt

Christoph Altstaedt steht am Pult und führt mit ruhigen klaren Gesten das Orchester durch den ersten Satz der Beethoven-Sinfonie. Sein Blick wandert zwischen den Musikern und der Partitur hin und her. Die Neunte ist für ihn wie auch für die anderen Teilnehmer das musikalische Nonplusultra. Etwas bange ist ihm schon: "Es ist eine Musik, die in ihrer ganzen Größe nicht realisierbar ist. Ich will gucken, wie funktioniert diese Partitur, wie ist das, wenn man das zum ersten Mal in der Hand hat. Ich freue mich sehr darauf, obwohl man gerade bei dieser Sinfonie weiß, dass man ihr nicht gerecht werden wird."

Christoph Altstaedt, die Litauerin Mirga Grazinyte und Joshua Kangming Tan aus Singapur haben Kurt Masur bereits im vorherigen Kurs kennen gelernt. "Er spricht viel, das hat schon so diesen Hauch der Weisheit", sagt die junge Dirigentin, "und was ich sehr inspirierend finde, er kann auch ausbrechen und ein bisschen böse werden."

Geben und Nehmen

Nachwuchsdirigent Joshua Kang Ming Tan, aufgenommen am Montag (13.12.2010) in Bonn. Der Dirigent Kurt Masur erarbeitet mit ihm in einem Meisterkurs vom 13. bis 16. Dezember 2010 Ludwig van Beethovens 9. Symphonie. Foto: Rolf Vennenbernd dpa/lnw

Joshua Kang Ming Tan

Masur kann während der öffentlichen Proben mitunter energisch dazwischenfahren, wenn ihm etwas nicht gefällt. Doch er liebt die Bonner Meisterkurse, in denen er auch daran erinnert wird, dass er als junger Dirigent mit den gleichen Schwierigkeiten konfrontiert war. Auf dem Programm stehen eine Beethoven-Sinfonie, Vorträge und viele Gespräche über das Werk. Gerade im Austausch mit den Kursteilnehmern könne er auch noch immer etwas dazu lernen, sagt Masur: "Es ist nicht so, dass man versucht, Recht zu haben. Das lehne ich immer ab. Ich sage, ich bin nicht euer Vater, sondern ich bin euer Kollege und wir sind gleichberechtigt. Und wenn wir die Wahrheit suchen, dann kriegt der die Krone, der die Wahrheit gefunden hat."

Der Komponist hat das Sagen

Nachwuchsdirigentin Mirga Grazinyte probt am Mittwoch (15.12.2010) in der Beethovenhalle in Bonn mit dem Beethoven Orchester Bonn. Der Dirigent Kurt Masur erarbeitet mit drei internationalen Nachwuchsdirigenten in einem Meisterkurs vom 13. bis 16. Dezember 2010 Ludwig van Beethovens 9. Symphonie. Foto: Rolf Vennenbernd dpa/lnw

Mirga Grazinyte

Diesmal konzentrieren sich die Meisterkursteilnehmer auf nur einen Satz von Beethovens Neunter; wann sie die komplette Sinfonie einmal aufführen werden, weiß keiner von ihnen. Das Wichtigste sind jedoch die wertvollen Tipps von Kurt Masur: "Er versucht uns immer wieder klar zu machen, dass wir beim Dirigieren nicht so sehr unsere eigenen Gedanken, sondern hauptsächlich die des Komponisten verfolgen sollen," erzählt Mirga Grazinyte, "er sagt, wenn ihr das nicht könnt, dann seit ihr keine richtigen Musiker. Denn die müssen dem Publikum vermitteln können, was der Komponist mit dem Werk ausdrücken wollte."

Autor: Klaus Gehrke

Redaktion: Gudrun Stegen