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Wirtschaft

Unter dem Hammer: BMG Music Publishing

Der Verkauf des Musikverlags BMG Music Publishing könnte dem Bertelsmann-Konzern mehr als eine Milliarde Euro einbringen. Trotz des hohen Preises stehen die Interessenten Schlange.

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Lässt bei Bertelsmann die Kasse klingeln: Christina Aguilera

Bertelsmann

Vor dem Hauptsitz des Bertelsmann-Konzerns in Gütersloh

Europas größter Medienkonzern Bertelsmann stößt mit seiner zum Verkauf stehenden Sparte BMG Music Publishing auf großes Interesse. Der Musikverlag soll in einem Auktionsverfahren an den Meistbietenden verkauft werden. "Wir fangen in diesen Tagen mit der Auktion an", teilte Pressesprecher Andreas Grafemeyer im Gespräch mit DW-WORLD.DE mit. Er gab sich optimistisch, dass ein hohes Gebot am Ende den Zuschlag erhalten wird: "Das ist ein attraktives Geschäft sowohl für strategische Investoren, als auch für Finanzinvestoren. Wir erwarten deshalb eine sehr wettbewerbsintensive Auktion."

Über den angestrebten Verkaufspreis wollte Grafemeyer keine Angaben machen. Schätzungen reichen von 800 Millionen bis zu mehr als 1,5 Milliarden Euro. Der Wert eines Musikverlags wird in der Branche üblicherweise anhand des Net Publisher Shares (NPS) ermittelt. Er errechnet sich aus den Lizenzeinnahmen abzüglich der an Autoren und andere Geschäftspartner gezahlten Gelder. Unternehmenskennern zufolge lag er bei BMG Music Publishing zuletzt bei etwa 170 Millionen Euro. Musikverlage werden in der Regel mit dem 10- bis 14-fachen des NPS bewertet. Selbst ein Kaufpreis von 1,5 Milliarden Euro sollte demnach für die Bieter als attraktiv erscheinen.

Rechte an einer Million Titeln

BMG Music Publishing ist eine 100-prozentige Tochter des Gütersloher Bertelsmann-Konzerns. Zu ihm gehören auch das RTL-Fernsehen, eine Mehrheitsbeteiligung am Zeitschriften-Verlag Gruner+Jahr ("Zeit", "Stern", "Brigitte") der Bertelsmann Buch-Club, die Verlagsgruppe Random House und weitere Geschäftsbereiche. Im Jahr 2005 machte BMG Music Publishing mit 550 Mitarbeitern einen Umsatz von 372 Millionen Euro.

Auftaktkonzert des britischen Musikers Robbie Williams im Münchener Olympiastadion

Auch Robbie Williams steht bei BMG Music Publishing unter Vertrag

Das Unternehmen verdient sein Geld mit Musikrechten. Es hilft Musikern und Autoren, ihre Kompositionen optimal zu vermarkten – an Plattenfirmen, Filmstudios, Fernseh- und Multimediaproduzenten, Radiostationen und Werbeagenturen. BMG Music Publishing hält die Rechte an mehr als einer Million Songs und ist nach eigenen Angaben der drittgrößte Musikverlag der Welt sowie der zweitgrößte Verleger klassischer Musik. Er hat Verträge mit Linkin Park, Christina Aguilera, R. Kelly, Justin Timberlake, Robbie Williams, Coldplay und vielen anderen. Wenn ein Hit von Robbie Wiliams im Radio läuft oder als Klingelton auf einem Handy dudelt, dann klingelt bei Bertelsmann die Kasse.

Stetiger Mittelzufluss

In der Musikbranche ist es üblich, dass die Verwertungsrechte bei einem Unternehmen und CD-Rechte bei einem anderen liegen. Weil die Einnahmen aus dem Geschäft mit den Verwertungsrechten wesentlich stetiger fließen als bei den CD-Verkäufen der Musikfirmen, ist das Interesse an dem Musikverlag groß. Ein Kenner des Unternehmens, der ungenannt bleiben möchte, sagte, dass 15 Bieter Interesse an dem Musikverlag angemeldet hätten. Sie erhalten nun Geschäftsunterlagen zur Bewertung des Unternehmens. Zu den Bietern soll indirekt auch der Verwaltungsratsvorsitzende Nicholas Firth gehören. Er erhalte Unterstützung von Finanzsponsoren, berichtete das Magazin "Billboard". Auch Sony sei unter den Interessenten. Der japanische Konzern betreibt mit Bertelsmann bereits gemeinsam die Plattenfirma Sony BMG Music Entertainment, ist an dem Musikverlag jedoch nicht beteiligt. Interesse wird auch den großen Plattenkonzernen Universal Music, EMI und Warner Music nachgesagt. Wer genau unter den Bietern ist, will Bertelsmann jedoch nicht sagen.

Auch wann die Auktion abgeschlossen sein wird, ist noch ungewiss. Der Erlös aus dem Verkauf ist dafür schon verplant. Er soll ein Eckpfeiler für den Rückkauf des 25,1-Prozent-Anteils der belgischen Groupe Bruxelles Lambert (GBL) an Bertelsmann werden. Den vereinbarten Kaufpreis von 4,5 Milliarden Euro wird Bertelsmann nach eigenen Angaben am 3. Juli an GBL überweisen. Das Geld soll über einen Kredit zwischenfinanziert werden, den der Konzern innerhalb von 12 bis 18 Monaten abzahlen will.

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