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Kultur

Unstillbarer Hunger nach Holz

Die Vernichtung der Urwälder schreitet rasant fort: Wie zum Hohn für all die gut gemeinten Programme wurde etwa in Brasilien 2002 soviel Wald wie zuletzt 1995 zerstört – und Besserung ist nicht in Sicht.

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Unwiederbringlich verloren: brennender Regenwald in Brasilien

Auf vielen Kontinenten wird täglich Wald gerodet oder einfach nur abgefackelt, um Weideland zu gewinnen oder Plantagen aufzubauen. Eine fatale Entwicklung, für die Umwelt vor Ort, aber auch das Klima weltweit. In Brasilien ist die neue Regierung unter Präsident Luiz Inacio Lula de Silva immerhin soweit, den Fakten ins Auge zu sehen. Sie hat bekannt gegeben, dass die Regenwaldvernichtung unvermindert weiter geht. Das ist ein erster Schritt - denn die Vorgängerregierung unter Fernando Henrique Cardoso hatte noch behauptet, der Umfang der Brandrodungen wäre zurück gegangen.

Trotz des vielgelobten Pilotprojekts der Europäischen Union zum Schutz der brasilianischen Regenwälder wurde 2002 soviel Amazonasurwald vernichtet wie seit 1995 nicht mehr - über 25.000 Quadratkilometer. Das ist eine Steigerung um 40 Prozent gegenüber 2001, wie das zuständige staatliche Institut INPE mitteilte. Der Tropenwald wird illegal vernichtet, größtenteils durch Brandrodungen - eine stupide, archaische Methode von Großfarmern und Kleinbauern, um Acker- und Weideland zu gewinnen. In den bis zu 50 Kilometer langen Flammenwänden verbrennen ungezählte Tiere - Brasiliens Liste vom Aussterben bedrohter Arten wird deshalb auffällig rasch immer länger.

"Wertvoller, wenn er steht"

"Die neuen Zahlen machen uns traurig", sagt Greenpeace-Tropenwaldexperte Gustavo Vieira. Er sieht den Hauptgrund der Entwicklung darin, dass Landwirtschaft und Viehzucht geradezu invasionsartig nach Amazonien vordringen. Sehr viel Urwald wird vernichtet, um wegen der großen internationalen Nachfrage mehr Soja anzubauen, das als Viehfutter zunehmend auch nach Deutschland exportiert wird. Tatsächlich werden in Brasilien jedes Jahr neue Soja-Ernterekorde aufgestellt - auf Kosten des Amazonas-Urwalds. "Dabei ist der doch viel wertvoller, solange er noch steht", so der Greenpeace-Experte weiter. "Der Boden dieser Region ist ja nur wenig fruchtbar und kann von der Landwirtschaft gar nicht hochproduktiv genutzt werden - eine sinnvolle, nachhaltige Waldbewirtschaftung wäre viel produktiver."

Kopfgeld auf Umweltschützer

Doch die nachhaltige tropische Forstwirtschaft wird bisher nur punktuell betrieben - Holz wird nach wie vor illegal ausgeführt, vor allem jenes, das von den neuen Sojaflächen stammt. Geschlagen zu niedrigsten Kosten, von extrem schlecht bezahlten Arbeitskräften, in Schwarzarbeit, ohne Sozialabgaben.

Der europäische Hunger nach brasilianischem Edelholz zu Niedrigstpreisen ist nach wie vor nicht zu stoppen. Die erzielten Gewinne sind exorbitant. "Doch wenigstens dort, wo Greenpeace präsent ist, wird kein Edelholz geschlagen oder abtransportiert", glaubt Vieira. "Denn wir filmen, fotografieren, dokumentieren den illegalen Einschlag, erstatten Anzeige." Greenpeace macht vor, dass auch im riesigen Amazonasgebiet die strengen Umweltgesetze durchaus angewendet werden könnten, effiziente Kontrollen möglich sind - trotz unterentwickelter Strukturen, fehlenden Personals. Man könnte durchaus härter, energischer vorgehen, fordert die Umweltorganisation, und beispielsweise die Streitkräfte einsetzen.

Kopfgelder ausgesetzt

Denn nicht nur der Regenwald ist unmittelbar bedroht, sondern auch die, die ihn schützen wollen. Auf die Umweltaktivisten sind Kopfgelder ausgesetzt. Paulo Adario, der die Amazonaskampagne von Greenpeace leitet, hat wegen der vielen Morddrohungen ständig Bodyguards um sich und trägt eine schusssichere Weste.

Hoffnungen ruhen nun auf der neuen Umweltministerin Marina Silva. Aber das erste halbe Jahr der neuen Lula-Regierung brachte auch schon Enttäuschungen. Zwar wurde versprochen, umgerechnet mehr als sechs Millionen Euro für zusätzliche Überwachungsmaßnahmen in Amazonien bereitzustellen - doch andererseits räumte Ministerin Marina Silva bereits ein, dass auch 2003 soviel Urwald zerstört werde wie im Vorjahr – und dass der Vernichtungsprozess vorerst so rasant weitergehe.

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