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Politik

Unsicherheit trotz Machtübergabe

Auch nach der Machtübergabe im Irak erschüttern weitere Anschläge das Land. Als der personifizierte Widerstand gilt Abu Mussab el Sarkawi. Wie ein gefährlicher Geist wandelt er durch die politische Zukunft des Landes.

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Abu Mussab el Sarkawi: El-Kaida-Frontmann im Irak?

Moslemextremisten haben am Montag (28.06.) nur wenige Stunden nach Übertragung der Souveränität an das irakische Volk einen seit April entführten US-Soldaten ermordete. Das berichtete der arabische Nachrichtensender El Dschasira. Zudem erschütterten vier Explosionen am frühen Dienstagmorgen die irakische Hauptstadt Bagdad, sagte ein Korrespondent des Senders. Die Ursache der Explosionen war nach Angaben des Senders zunächst unklar.

Hochburg Falludscha

Im Widerstandszenario des Landes spielt die Stadt Falludscha eine entscheidende Rolle. Hier vermuten die USA den Terrorchef Abu Mussab el Sarkawi. Bereits mehrmals hat ihre Luftwaffe Ziele angegriffen, in denen el Sarkawi und einige Gefolgsleute Unterschlupf gefunden haben sollen. Bislang ohne Erfolg. "Es gibt hier keine El-Kaida-Kämpfer und keine Anhänger von Abu Mussab el Sarkawi. Wir sind alle Einwohner von Falludscha", sagt ein irakischer Widerstandskämpfer in der Stadt. Niemand will hier Sarkawis arabische Mudschaheddin je gesehen haben - weder die Einwohner der Stadt noch irakische Sicherheitsleute.

Kampf gegen einen Mythos?

Um eine erfolgreiche Strategie gegen den Widerstand zu entwickeln, müssen die Koalitionstruppen ihren Gegner kennen. Ist es eine unzufriedene, wütende Bevölkerung? Oder sind es internationale Terrornetzwerke und "importierte", nicht-irakische Kämpfer - die hier einen Krieg austragen wollen, der eigentlich mit dem Irak überhaupt nichts zu tun hat?

Der ägyptische Nahost-Experte Hassan Abu Taleb vermutet ideologische Motive bei den Partisanen. "Diese Leute kämpfen aus einem bestimmten Grund gegen die Koalitionstruppen - es geht ihnen nicht allein um die Befreiung des Irak. Sie meinen, sie befänden sich in einer allgemeinen Auseinandersetzung mit den USA, wobei diese als Wurzel allen Übels der Welt betrachtet werden."

Dennoch halten viele Abu Mussab el Sarkawi und seine arabischen Kämpfer für einen Mythos. "Bis jetzt hat es noch keine eindeutigen Beweise dafür gegeben, dass im Irak ausländische Kämpfer unterwegs sind", meint Muthanna el Duri, Sprecher des irakischen Verbandes muslimischer Geistlicher, der wichtigsten religiösen Instanz irakischer Sunniten. Viele offiziöse Meinungsmacher und Verschwörungstheoretiker der arabischen Welt gehen gar soweit, Abu Mussab el Sarkawi und Gefolge als Hirngespinst der amerikanischen Propaganda-Maschinerie zu bezeichnen, trotz dessen angeblicher Bekennerschreiben.

Keine ausländischen Kämpfer ohne Unterstützung durch Iraker

Sunniten Kämpfer in Falludscha

Sunnitische Rebellen in Falluscha: Unterstützung aus dem Ausland?

Im einige Kilometer von Falludscha entfernten Bakuba, scheint der Geist Abu Mussab el Sarkawi ein wenig an Form zu gewinnen: Die arabische Zeitung "Al-Hayat" berichtet, Einheimische hätten anhand des Dialektes eindeutig ausländische, arabische Mujahideen identifizieren können. Die arabische Zeitung "Al-Shark Al-Awsat" schreibt zudem, eine entflohene saudi-arabische Geisel im Irak habe bestätigt, dass sich unter den Geiselnehmern auch Syrer und Saudis befunden hätten.

Hassan Abu Taleb glaubt nicht, dass sich ausländische Kämpfer frei im Irak bewegen könnten, "wenn nicht zumindest ein Teil der Bevölkerung sie unterstützt hätte". Das ist vor allem ein Warnsignal: Wenn es internationalen Terrorbewegungen noch nicht gelungen ist, im Irak eine starke Basis aufzubauen - dann wird dies immer wahrscheinlicher, je länger der Unmut in der Bevölkerung anhält.

Irakische Religionsführer wollen nicht, dass der ihrer Ansicht nach legitime Widerstand der Einwohner von Falludscha und der Schiiten in Nadschaf und Kerbala mit der Demagogie internationaler Terroristen gleich gesetzt wird. Die Entwicklungen im Irak scheinen indes genau darauf hinzusteuern: dass nämlich Terrorchefs wie el Sarkawi eine unzufriedene irakische Bevölkerung für ihre eigenen Zwecke missbrauchen.

Beobachter wie Shawki und Abu Taleb plädieren deshalb dafür, schnellstmöglich auf die Forderungen der irakischen Bevölkerung einzugehen - einen Abzug der Koalitionstruppen inklusive.

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