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Asien

Unsicherheit über Nordkoreas Zukunft hält an

Nach dem plötzlichen Tod des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong Il schauen Südkorea und Japan mit Sorge auf den Nachbarn. Die USA fordern einen stabilen und friedlichen Übergang.

Weinende Nordkoreanerinnen (Foto: Kyodo)

Die Nordkoreaner trauern um ihren verstorbenen Machthaber

Südkoreas Regierung hat nach dem Tod Kim Jong Ils den Nordkoreanern ihr Mitgefühl ausgesprochen. Gleichzeitig hat Südkorea seine Alarmbereitschaft wegen möglicher Cyber-Attacken aus Nordkorea erhöht. Das Land hob das Alarmniveau von der in Friedenszeiten geltenden Stufe fünf auf Stufe vier an, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul am Dienstag (20.12.2011) der Nachrichtenagentur AFP sagte. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete, verdoppelte die südkoreanische Armee die Zahl der Soldaten, die mögliche Cyber-Angriffe aus Nordkorea aufspüren sollen. Nordkorea verfügt über eine spezielle Einheit für Informationsdiebstahl, der Süden baute daher eine entsprechende Verteidigungseinheit auf.

Wie aus den südkoreanischen Streitkräften verlautete, unterbrachen nordkoreanische Armeeeinheiten nach der Nachricht vom Tod des Staatschefs am Montag Übungen und kehrten in ihre Kasernen zurück. Japans Kabinettssekretär Osamu Fujimura sagte indes, der japanische Geheimdienst habe in Nordkorea "keine beunruhigenden Veränderungen festgestellt". Am Montag hatte Nordkorea zwei Kurzstreckenraketen getestet. Der Abschuss habe aber offenbar nichts mit Kims Tod zu tun, meldete die Nachrichtenagentur Yonhap.

USA sorgen sich um Wohlergehen des nordkoreanischen Volkes

Hillary Clinton (r.) mit Japans Außenminister Koichiro Gemba (Foto: dpa)

Hillary Clinton (r.) mit Japans Außenminister Koichiro Gemba

US-Außenministerin Hillary Clinton forderte von Nordkorea einen "stabilen und friedlichen Übergang". Washington wünsche "verbesserte Beziehungen" zum nordkoreanischen Volk, fügte sie nach einer Unterredung mit dem japanischen Außenminister Koichiro Gemba hinzu.

Clinton äußerte ihre Sorgen um das Wohl der Menschen in dem Land. "Wir sind zutiefst beunruhigt angesichts des Wohlergehens des nordkoreanischen Volkes und unsere Gedanken und Gebete sind in diesen schwierigen Zeiten bei ihm", erklärte sie am späten Montagabend (Ortszeit). Washington sei bereit, dem Volk zu helfen und fordere von der neuen Führung in Nordkorea, mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, um in eine "neue Ära von Frieden, Wohlstand und anhaltender Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel" einzutreten.

Wiederaufnahme der Gespräche um nordkoreanisches Atomprogramm?

Südkoreanische Zeitungstitel (Foto: AP)

Thema Nummer Eins in den südkoreanischen Zeitungen: Der Tod Kim Jong Ils

US-Präsident Barack Obama versicherte Japans Regierungschef Yoshihiko Noda in einem Telefonat die Unterstützung seines Landes. Obama habe die Entschlossenheit der USA betont, "unsere engen Verbündeten, einschließlich Japans, zu verteidigen", erklärte das Weiße Haus. Die USA haben in Japan 50.000 Soldaten stationiert, weitere 28.000 US-Soldaten befinden sich in Südkorea.

Nodas Kabinettssekretär Fujimura sagte, Obama und Noda hätten auch über eine mögliche Wiederaufnahme der ausgesetzten Sechs-Nationen-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm beraten. Japan wolle aber vorerst nur mit den USA und Südkorea beraten, also ohne Nordkorea, Russland und China. China war 2009 aus den Verhandlungen ausgestiegen, einen Monat später folgte der erste Atomwaffentest Nordkoreas. In den Monaten vor Kims Tod hatte es Versuche gegeben, die Gespräche wieder aufleben zu lassen. Gesandte aus Washington und Pjöngjang trafen sich im Juli in New York und im Oktober in Genf, allerdings ohne einen Durchbruch zu erzielen.

Trauer um Kim Jong Il in China und Kuba

Mitarbeiter der nordkoreanischen Botschaft in Peking setzen ihre Flagge auf Halbmast (Foto: AP)

Die nordkoreanische Botschaft in Peking setzt ihre Flagge auf Halbmast

Chinas Staatschef Hu Jintao hat der nordkoreanischen Botschaft in Peking einen Kondolenzbesuch abgestattet. Hu sei am Dienstagmorgen persönlich in der Botschaft im Zentrum der chinesischen Hauptstadt erschienen, um "sein Beileid" angesichts des Ablebens von Kim auszudrücken, meldete die Nachrichtenagentur Xinhua. Der hochrangige Kondolenzbesuch ist eine wichtige Geste politischer Unterstützung für Nordkorea, dessen Abhängigkeit von China in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist.

Chinas kommunistische Führung habe ein vitales Eigeninteresse an einem friedlichen Machtwechsel in Pjöngjang und reagiere schnell auf die neue Situation, um seine Kommunikationskanäle mit dem Nachbarland offen zu halten, sagen politische Beobachter in Peking. Die Zeitung "China Daily" titelte zum Tod Kim Jong Ils: "Ein Freund verlässt uns". Das kommunistische Kuba ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Staatsfernsehen überträgt Bilder des aufgebahrten Leichnams

Kim Jong Un (Foto: AP)

Kim Jong Un: "großartige Persönlichkeit vom Himmel geboren"?

Das nordkoreanische Staatsfernsehen zeigte am Dienstag in Standbildern den Leichnam des Verstorbenen, der in einem auf roten und weißen Blumen gebetteten Glassarg lag. Kim Jong Il trug demnach seine charakteristische khakifarbene Uniform. Sein Sohn Kim Jong Un, der als Nachfolger seines Vaters gilt, sowie mehrere Staatsfunktionäre standen um den Sarg herum. Dem Staatsfernsehen zufolge wurde der Sarg im Kumsusan-Palast in der Hauptstadt Pjöngjang ausgestellt. Dort ist an anderer Stelle bereits der einbalsamierte Leichnam von Kim Il Sung, dem Staatsgründer und Vater des Machthabers, in einem gläsernen Sarg zu sehen.

Der 69-jährige Machthaber war nach offiziellen Angaben am Samstag gestorben. Er hatte zuvor seinen jüngsten Sohn, der noch keine 30 Jahre alt ist, zum Nachfolger auserkoren. Auch Kim Jong Il war durch den Tod seines Vaters 1994 an die Macht gekommen.

Die staatlichen Medien in Nordkorea haben erneut Kim Jong Ils Sohn und designierten Nachfolger Kim Jong Un den Rücken gestärkt. Er sei "als großartige Persönlichkeit vom Himmel geboren", sagte die amtliche Nachrichtenagentur am Dienstag über Kim Jong Un. Bislang war diese Beschreibung nur Staatsgründer Kim Sung Il und seinem Vater Kim Jong Il vorbehalten, den Tausende weiter betrauerten. Nach Ausrufung einer elftägigen Staatstrauer wehten die Flaggen in Pjöngjang auf Halbmast, Geschäfte blieben geschlossen.

Autorin: Julia Elvers-Guyot (afp, dpa, dapd)

Redaktion: Dirk Eckert

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