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Afrika

Unsichere Zukunft für nigerianische Flüchtlinge

In Nigeria hat die Gewalt mehr als 2,5 Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Ab 2016 sollen sie nun in ihre Heimat zurückkehren können. Das jedenfalls verspricht Präsident Buhari. Unrealistisch, glauben viele.

Nigerianische Soldaten in Gwoza - Foto: Lekan Oyekanmi (AP)

Soldaten sichern die Stadt Gwoza

Muhammadu Buharis Regierung werde alles tun, um den Flüchtlingen die Rückkehr und das Wiedereinleben in der Heimat zu erleichtern, verkündet der Präsident optimistisch.

Auf den ersten Blick hat die Armee tatsächlich

Fortschritte im Kampf gegen die islamistische Terrorgruppe Boko Haram

gemacht. So meldete sie im März den Sieg über die Islamisten in der Stadt Gwoza im Nordosten des Landes. Tatsächlich bleibt die Region um Gwoza an der Grenze zu Kamerun aber extrem instabil. Noch immer verstecken sich in den Gwoza-Bergen Boko-Haram-Terroristen. Außerdem konnten die Islamisten junge Männer aus der Region für ihren Terror rekrutieren.

Wohnhaus in den Gwoza-Bergen 2005 - Foto: Gerhard Müller-Kosack

Idylle in den Gwoza-Bergen (2005): Viele der Häuser wurden mittlerweile zerstört

Früher war die Gegend dicht besiedelt: Vor den islamistischen Übergriffen lebten hier rund 80.000 Menschen, 60 Prozent der Bewohner waren Christen. In den vergangenen zwei Jahren sind fast alle von ihnen geflohen. Mit einer Rückkehr rechnen sie vorerst nicht. Für sie steht wieder ein Weihnachtsfest fern der Heimat an. Und der Sieg der Armee über Gwoza? "Das wird immer wieder hochgespielt", sagt der Ethnologe Gerhard Müller-Kosack. "In dieser ganzen Situation ist die nigerianische Armee mächtig unter Druck, jetzt endlich Ost-Gwoza zu sichern."

Mysteriöse Entführungen

Müller-Kosack beschäftigt sich schon lange mit der Bergregion zwischen Gwoza und der Grenze zu Kamerun. Er geht davon aus, dass bereits hunderte von Mädchen und Frauen aus der Region entführt wurden. Anders als die Chibok-Mädchen bekämen diese Frauen aber kaum öffentliche Aufmerksamkeit. "Das liegt am Michelle-Obama-Effekt", sagt der Ethnologe. Die US-amerikanische First Lady habe das Schicksal der Mädchen von Chibok bekannt gemacht. Die Frauen aus Ost-Gwoza aber nehme ohne prominente Unterstützung keiner wirklich wahr.

Karte: Grenzregion zwischen Nigeria und Kamerun (DW)

Instabile Grenzregion zwischen Nigeria und Kamerun

In die Öffentlichkeit gerückt sind dagegen andere Entführungsfälle: Mindestens drei christliche Flüchtlinge seien in Abuja entführt worden, heißt es. Sie gehören zur Christlichen Gemeinschaft Gwoza und fühlten sich in der Hauptstadt eigentlich sicher. Jetzt steigt die Sorge unter den anderen Flüchtlingen: Sie fürchten, es könne sich um eine Einschüchterungskampagne handeln, damit sie nicht in ihre Heimat zurückkehren.

Die Gerüchteküche brodelt - staatliche Sicherheitskräfte, Armeeangehörige könnten hinter den Entführungen stecken, glauben viele. Sani Usman, Pressesprecher der nigerianischen Armee, schließt das nicht aus. Im Interview mit der DW hat er aber eine andere Erklärung. Man wisse, dass einige Boko-Haram-Mitglieder vor Bombardierungen aus ihren Enklaven geflohen seien. "Diese Mitglieder haben behauptet, sie seien Binnenflüchtlinge und haben dann in Yola und Maiduguri in Flüchtlingslagern Sprengstoff gezündet. Deshalb würde es mich nicht überraschen, wenn ein oder zwei Leute in einem Flüchtlingscamp gefunden und verhaftet wurden."

An diese Erklärung glaubt Ethnologe Müller-Kosack allerdings nicht. Er sieht ein großes Problem beim Militär selbst: "Man hört immer wieder, dass nicht nur die Moral in der Armee schlecht ist, sondern dass es Vermischungen mit Bürgerwehr-Gruppen gibt und dass sich Boko-Haram-Leute unter die Bürgerwehren mischen. Auf jeden Fall scheint es bestimme Seilschaften zu geben."

"Was wissen die eigentlich?"

Auch Mousa Asake, Generalsekretär der Christlichen Gemeinschaft in Gwoza, ist nach Abuja geflohen. Er berichtet ebenfalls von den Entführungen der drei Männer. Asake hofft auf Hilfe von ganz oben: "Die Regierung soll sich diese Geschichte anhören und einschreiten", fordert er. Dann würden auch die Entführungen und die Unsicherheit über den Verbleib der Menschen aufhören, glaubt Asake. "Ich sage dass, weil die Regierung sehr hart daran arbeitet, die Aufstände zu beenden. Wenn diese Leute aber weitermachen können, dann werden sie die Mission und die Ziele der Regierung zunichte machen."

Müller-Kosack hält die Möglichkeiten der Regierung für sehr begrenzt. Er verfolgt die Entwicklungen in Ost-Gwoza mit großer Sorge: "Da ist auch sozial der Wurm drin", sagt er und spricht über die junge Gesellschaft, in der eine ganze Generation keine Schulbildung bekommen habe. Boko Haram habe hier nicht nur die Infrastruktur, sondern auch das soziale Gefüge zerstört. So sei es einfach für die Terrorgruppe, unter den jungen Männern immer wieder neue Mitglieder anzuwerben. Militärisch lasse sich die Situation nicht lösen, sagt er. Und auch von der Internationalen Gemeinschaft erhofft er sich keine große Hilfe. Der Blick aus dem Ausland sei da oft unrealistisch. "Wenn man Frau Merkel hört, die über Ursachenbekämpfung spricht, dann frage ich mich - was wissen die eigentlich?", so Müller-Kosack.

Mitarbeit: Uwaisu Idris

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