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Unser Studiogast: Friedolin Strack, BDI / Koordinator Asien-Pazifik-Ausschuß

Friedolin Strack ist Geschäftsführer des Asien-Pazifik-Ausschusses beim Bundesverband der deutschen Industrie.

Video ansehen 02:32

DW-TV: Dass Japan Kräfte mobilisieren kann, hat das Land zuletzt 1995 nach dem Erdbeben in Kobe bewiesen. Ich begrüße Friedolin Strack hier im Studio, er ist Geschäftsführer des Asien-Pazifik-Ausschusses beim Bundesverband der deutschen Industrie. Herzlich Willkommen. Diesmal ist es allerdings eine Dreifach-Katastrophe. Erst das Erdbeben, dann der Tsunami und jetzt der atomare Gau. Wie kann Japan damit fertig werden?

Friedolin Strack: Der positive Aspekt ist, dass die erste Katastrophe relativ geringe Schäden verursacht hat. Und wir im Grunde genommen den Japanern sagen können, dass sie stolz auf sich sein können, dass sie solch eine Leistung geschafft haben. Ein vergleichbares Erdbeben im Frühjahr 2008 in China hat verheerende Schäden verursacht in einer geringen Stärke. Bei dem Tsunami in Südostasien haben wir erlebt, dass das verheerende Folgen nach sich zieht. Von denen ist auch Japan stark betroffen. Der große Faktor ist natürlich die Nuklearkatastrophe, wo wir im Moment wirklich noch nicht sagen können, wie lang in der Zeitdauer die Folgen sind, wie gravierend die Schäden sind. Es gibt so viele Unsicherheitsfaktoren.

DW-TV: Sie haben ja viele Kontakte nach Japan. Was bewegt die Menschen dort? Wie groß ist die Angst vor der radioaktiven Wolke?

Friedolin Strack: Natürlich ist Angst da. Wobei die Kontakte schon gut sein müssen, dass die Freunde und Gesprächspartner überhaupt signalisieren, dass sie verunsichert sind oder Angst haben. Mein Eindruck ist, die Japaner mit denen ich gesprochen habe, haben alle einen unheimlichen Drang möglichst schnell in ihre gewohnte Normalität und in ihren Alltag zurückzufinden. Und das wird ihnen sicher auch helfen, schnell und zügig aus der Krise zu kommen.

DW-TV: Welche Form der Unterstützung ist denn jetzt am dringendsten für Japan?

Friedolin Strack: Aus unserer Sicht liegen die größten Herausforderungen bei Japan selbst. Man muss den Menschen helfen die in Notunterkünften sind. Es müssen Wege gefunden werden mit den havarierten Kernkraftwerken zurechtzukommen. Das ist im Moment das Dringendste. Die längerfristigen Maßnahmen für Wiederaufbau und alle Möglichkeiten wie man Japan längerfristig unterstützen kann, haben im Moment noch nicht Priorität.

DW-TV: Worauf müssen sich denn deutsche Fabriken einstellen. Wird es tatsächlich mancherorts zum Stillstand kommen?

Friedolin Strack: Wir rechnen damit, dass Engpässe von japanischen Zulieferungen für die deutsche Produktion die ganz große Ausnahme sein werden. Es betrifft nur einige wenige Hochtechnologiekomponenten, etwa in der optischen Industrie oder etwa elektronische Schaltkomponenten. Insgesamt gibt es keine gravierenden Auswirkungen auf die Produktion in Deutschland.

DW-TV: Was ändert denn die radioaktive Gefahr, wenn Komponenten die aus Japan kommen eventuell verstrahlt sind. Was hat das für Konsequenzen hier in Deutschland.

Friedolin Strack: Die Wahrscheinlichkeit ist natürlich sehr gering, weil sie radioaktivem Regen ausgesetzt gewesen sein müssen, damit sie überhaupt so eine Strahlenintensität transportieren können. Aber weil unsere Hersteller alle Risiken ausschließen wollen, ist das im Moment ein großes Thema. Wir müssen uns darum kümmern, wie man sicherstellen kann, dass Zulieferungen aus Japan keine Strahlenbelastung haben.

DW-TV: Wie wird die Welt insgesamt das Problem verkraften?

Friedolin Strack: Die stärksten Auswirkungen rechnen wir natürlich, einmal von Japan abgesehen, bei China, das möglicherweise stärker betroffen sein wird als andere Länder, weil es im Handel viel stärker mit Japan verflochten ist als Deutschland. 8 Prozent der chinesischen Exporte gehen nach Japan, ein relativ substantieller Anteil. Und die USA sind ebenso stärker im Handel mit Japan verflochten. Dort rechnen wir mit stärkeren Auswirkungen. Was das wiederum für die Weltwirtschaft heißt, müssen wir abwarten.

DW-TV: Friedolin Strack, vielen Dank für das Gespräch.

(Interview: Sandra Berndt)