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Unser Gast vom 22.03.2009 Martin Sonneborn, Satiriker

Moderator Hajo Schumacher spricht mit Martin Sonneborn über Pointen, Pressefreiheit und Prellungen.

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Er tritt vielen auf den Schlips und das meist medienwirksam. Fünf Jahre lang war Martin Sonneborn Chefredakteur der wichtigsten deutschen Satirezeitschrift „Titanic“. Heute fungiert er als Mitherausgeber des Blattes, ist Autor bei "Titanic" und betreut eine satirische Kolumne im Internet. Der umtriebige Medienprofi hat einen Film gedreht, schreibt Bücher, und macht Politik. Denn Martin Sonneborn ist Bundesvorsitzender der 2004 von ihm mitbegründeten Partei „Die PARTEI“. Die hat vor, in diesem Jahr bei der Bundestagswahl und der Europawahl anzutreten. Eines ihrer Hauptziele, für das sich Martin Sonneborn schon in früheren Wahlkämpfen eingesetzt hat, ist der Wiederaufbau der Mauer. Diesmal entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Ein Projekt, das er selbst als Satire bezeichnet und das folglich dort provoziert, wo es den Deutschen besonders weh tut.

Martin Sonneborn wurde am 15. Mai 1965 in Göttingen geboren. Aufgewachsen ist er in Osnabrück, wo er eine katholische Privatschule besuchte. Schon damals war er der "Klassenclown". Nach Schule und Grundwehrdienst machte Martin Sonneborn zunächst eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann, bevor er in Münster sein Studium der Germanistik, Publizistik und Politikwissenschaft begann.

1994 beendete er das Studium in Berlin mit einer Magisterarbeit über das Magazin "Titanic und die Wirkungsmöglichkeiten von Satire". Damals kam er zu dem Ergebnis, dass die Auswirkungen von Satire im realen Leben gleich Null seien. Die These widerlegte er allerdings schon bald selbst mit seinen medienwirksamen Aktionen. 1995 wurde er festes Redaktionsmitglied bei der in Frankfurt/Main erscheinenden "Titanic".

Ab 2000 bis 2005 übernahm Martin Sonneborn bei Deutschlands bissigster Satirezeitschrift den Posten des Chefredakteurs. Eine Tätigkeit, die er als die freieste publizistische Arbeit beschreibt, die sich überhaupt denken lasse. Unter seiner Leitung wurde das Blatt wieder politischer. Martin Sonneborn entwickelte die Aktionssatire zur wirkungsvollsten Waffe der "Titanic". Er lockte Politiker der Christlich Demokratischen Union (CDU) wegen angeblicher Schwarzgeldkonten in die Schweiz, brachte ein thüringisches Mitglied der Freien Demokratischen Partie (FDP) dazu, sich vor fremdenfeindlichen Wahlplakaten ablichten zu lassen und entlockte Prominenten und Politikern durch Telefonstreiche peinliche Sätze.

Den größten Wirbel verursachte Martin Sonneborn im Jahr 2000 kurz vor der Entscheidung über die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006. In einem Fax, das der "Titanic"-Chef am Vorabend der Abstimmung an wahlberechtigte Funktionäre des Weltfußballverbandes FIFA schickte, verspricht er diesen im Namen einer dubiosen "WM 2006 Initiative" einen Präsentkorb mit Schwarzwälder Spezialitäten und einer Kuckucksuhr, sollten sie bei der Wahl für Deutschland stimmen. Als vermeintlicher Bestechungsversuch Deutschlands empörte die Nachricht zuerst die Weltpresse, bis Sonneborn den Scherz wenig später aufklärte. In dem Buch "Ich tat es für mein Land", schildert der Satiriker die damaligen Ereignisse.

Seit 2006 lebt Martin Sonneborn wieder in Berlin. Er ist mit einer Armenierin verheiratet, das Paar hat zwei Töchter.

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