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Unser Gast vom 18.05.2008

Edeltraut Hertel, als Hebamme zum Filmstar

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Schon als Kind träumte Edeltraut Hertel von Afrika. Doch von Meerane in Sachsen bis nach Afrika war es ein weiter Weg – vor allem als Bürger der DDR. Sie hat es dennoch geschafft. Als Hebamme bildete sie Hebammen in Tansania aus. Als sie zurück kam, gab es die DDR nicht mehr. Regisseur Douglas Wolfsperger hat einen Dokumentarfilm über das bunte und bewegte Leben von Edeltraut Hertel gedreht.

"Edeltraut Hertel ist eine Frau, die unter vielen Schwierigkeiten ihren Lebensweg gefunden hat. Ich mache gerne Filme mit Menschen, deren Biographie nicht geradlinig verläuft". Regisseur Douglas Wolfsperger über die Hauptdarstellerin seines Dokumentarfilmes "Der lange Weg ans Licht".

Edeltraut Hertel wurde 1952 in der Nähe von Halle geboren. Von 1966 bis 1970 machte sie in der DDR eine Ausbildung zur Krankenschwester und studierte später Medizinpädagogik in Berlin. Eigentlich wollte sie überhaupt nicht Hebamme werden, sondern Ärztin. Gleichzeitig träumte sie bereits als Kind von Afrika, hatte sogar eine Puppe nach dem Kontinent benannt.

Für einen Auslandsaufenthalt hätte sie jedoch Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, kurz SED, sein müssen. Diesen Preis wollte sie aber nicht bezahlen.

Ihre einzige Chance: eine Fortbildung als Hebamme im Jahr 1987/88. Denn Hebammen wurden damals noch für den Entwicklungsdienst gesucht. 1989, kurz vor dem Mauerfall, machte sie sich endlich auf den Weg – aus der DDR nach Tansania. Dort bildete sie bis 1997 Hebammen aus.

Der Kulturschock war bei ihrer Ankunft in Afrika weniger groß als bei ihrer Rückkehr in das wiedervereinigte Deutschland – und das, obwohl sie in Tansania genug Zeit hatte, sich innerlich darauf vorzubereiten. Bei ihrer Rückkehr nach Sachsen fand sie ein verändertes Land vor. Vor allem die Menschen hatten sich aus ihrer Sicht verändert. Egoismus war an die Stelle eines mitmenschlichen Zusammenlebens getreten.

Den starken Individualismus westlicher Gesellschaften sieht sie als Fehlentwicklung. Ihr Gegenmittel: Nächstenliebe. Geprägt von einem christlichen Weltbild will Edeltraut Hertel nicht nur reden, sondern konkrete Hilfe leisten. Immer wieder meldet sie sich deshalb freiwillig zu Hilfseinsätzen in Krisenregionen von Mazedonien bis zum Sudan.

Heute lebt Edeltraut Hertel im sächsischen Glauchau, wo sie mit zwei Kolleginnen eine Praxis als Hebamme betreibt.

Mit Edeltraut Hertel redet Moderator Hajo Schumacher über ihre Erfahrungen als Hebamme in Tansania und Deutschland, über die Vor- und Nachteile von Entwicklungshilfe, über den Geburtenrückgang in Deutschland und weitere ost- und westdeutsche Befindlichkeiten.

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