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Sprachbar

Unser aller ‚aber’

Das Wörtchen ‚aber’ ist – zumindest auf den ersten Blick – nur eine Konjunktion, ein seelenloses Bindewort, ein so leicht dahingesagtes Füllsel in der Alltagssprache. Wenn man aber genauer hinschaut: Aber hallo!

Sollte es wirklich stimmen, dass das kleine unscheinbare Wörtchen ‚aber’ am häufigsten verwendet wird? Sollte es wahr sein, dass die Deutschen dieses Wort tatsächlich am meisten benutzen? Und wenn ja, wie kommt’s ? Jedenfalls ist das eine kleine Sprachbar wert, dem ‚aber’ ein bisschen nachzuspüren und rauszufinden, wie viele ‚Abers’ durch die Alltagssprache schwirren. Natürlich nicht zahlenmäßig; sondern nach Bedeutungsvarianten.

„Ja schon, aber…“

Es wäre allerdings auch nicht uninteressant einmal zu zählen, wie oft man selbst an einem einzigen Tag ‚aber’ sagt. Den Deutschen wird ja oft vorgeworfen, sie seien stets jammerten, nörgelten und hätten vor allem Angst. Ein Volk von Bedenkenträgern, das hinter allem Möglichen und Unmöglichen eben genau das wittert, was man das große ‚Aber’ nennen könnte. Ein Klassiker in der deutschen Umgangssprache ist das mit geradezu notorischer Häufigkeit zu hörende „Ja schon, aber…“.

Grammatisch betrachtet ist ‚aber’ eine Konjunktion. Das heißt etwas vereinfacht ausgedrückt, ‚aber’ verbindet Hauptsätze, Nebensätze gleichen Grades oder Satzglieder, wie andere Konjunktionen auch. Nicht jedes aber ist jedoch auf den ersten Blick als Konjunktion zu erkennen.

Doppeltes ‚Aber’ doppelte Bedeutung

Da gibt es zum Beispiel das in gesprochener Sprache ab und an zu hörende doppelte ‚Aber’. Nur zu verstehen in einer Situation wie beispielsweise dieser: Da zieht der kleine Enkel am Tischtuch, um an den Kuchen ranzukommen, aber die Großmutter merkt’s und verleiht ihrem leichten Unmut darüber mit erhobenem Zeigefinger sowie einem deutlichen „aber, aber!“ Ausdruck.

Weshalb ‚leichter Unmut’? Nun, dieses doppelte ‚Aber’ ist eine sanfte Warnung, die Oma ist nicht böse, sie kann’s halt nicht leiden, dass der Kleine am Tischtusch zieht, da könnten ja Teller und Tassen runterfallen und außerdem soll er warten, bis alle am Tisch sitzen, dann erst gibt’s Kuchen. So gehört sich das nämlich. Dennoch ist die Oma milde gestimmt, denn schließlich hat sie den Lieblingskuchen ihres Enkels gebacken und es schmeichelt ihr, dass der Kleine da dran will.

Aber: manchmal muss es sein

‚Aber’ - die Konjunktion - zählt zu der Sorte, welche die Sprachwissenschaftler ‚adversative Konjunktionen’ nennen. Adversativ heißt ‚gegensätzlich, entgegensetzend, entgegenstellend’ und stammt vom lateinischen ‚adversus’, was ‚gegenüberstehend’ bedeutet. Dementsprechend könnte man unser Enkel-Oma-Beispiel in einen Satz wie diesen kleiden: „Der Junge zog am Tischtuch, um an den Kuchen zu gelangen, aber die Großmutter drohte ihm mit erhobenem Zeigefinger, dies zu unterlassen.“

Es ist schon merkwürdig. Das ‚aber’ ließe sich hier durch ‚jedoch’ und auch ‚allein’ ersetzen. Beide Wörter sind ebenfalls adversative Konjunktionen. In der vorgestellten Situation, der Szene im Wohnzimmer der Großmutter, funktioniert aber nur das ‚aber’. Ein doppeltes ‚Jedoch’ oder doppeltes ‚Allein’ würde kein Mensch verstehen. „Allein, allein!“ rief die Großmutter mit erhobenem Zeigefinger; mit großen, fragenden Augen schaute der kleine Max sie an.“ Aber – was ist nun das für ein aber? – fahren wir fort: „Im Grunde genommen geht’s uns ja gut, aber es könnte besser sein.“ Da haben wir’s: „Im Grunde genommen“ diese Floskel provoziert geradezu ein ‚aber’, genauso wie ‚eigentlich schon’ oder ‚so gesehen ja’.

Aber bitte mit Sahne

Aber stellt eine Verbindung zwischen einem ‚Sowohl’ und einem ‚Als auch’ her und zeigt dabei, dass beide gar nicht so unverträglich sein müssen und es oft auch gar nicht sind. Beispiel: Erdbeerkuchen ja, „aber bitte mit Sahne“. Seit Udo Jürgens 1976 die Welt des Schlagers um diesen Titel bereichert hat ist der Refrain seines Werks eine Redensart und fest in der Umgangssprache verankert.

Und was ist mit „Aber Hallo!“, der noch relativ jungen Floskel in der Umgangssprache? „Hätte ich nicht gedacht, dass er das so gut hinkriegt. Aber Hallo!“ Auch in diesem Beispiel erst mal die Einschränkung, sagen wir die Minusseite, dann aber das Plus. Die Verbindung schafft das ‚Aber’. So gesehen ist es doch ganz schön, dass die Konjunktion ‚aber’ zu den am häufigsten verwendeten Wörtern des Deutschen gehört.


Fragen zum Text

Grammatisch betrachtet ist ‚aber’…

1. ein Verb

2. ein Adjektiv

3. eine Konjugation

Was bedeutet adversativ?

1. gegensätzlich

2. ebenbürtig

3. gleichwertig

Wer sang das Lied aber bitte mit Sahne?

1. Udo Jürgens

2. Madonna

3. Roy Black

Arbeitsauftrag

„Hätte ich nicht gedacht, dass ich das so gut hinkriege. Aber Hallo!“ - man ist über sich selbst erstaunt und freut sich, dass man etwa so gut hinbekommen hat. Kennen Sie das Gefühl? Was können Sie besonders gut und hätten dafür ein großes „Aber Hallo“ verdient? Machen Sie sich Notizen und halten Sie eine kurze Präsentation vor Ihrer Klasse.

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