1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fußball

"Uns Uwe" Seeler wird 75

Er gehört nicht nur zu den größten Fußballern der vergangenen Jahrzehnte, er ist auch einer der populärsten. Und so wird sich Uwe Seeler auch an seinem 75. Geburtstag vor Glückwünschen kaum retten können.

Uwe Seeler (Foto: dpa)

Ganz so rund wie früher am Ball läuft es für Uwe Seeler natürlich längst nicht mehr. Erst vor einigen Jahren musste er den Tennisschläger wegen Rückenbeschwerden in Rente schicken. Die eine oder andere Runde Golf geht aber immer noch. Mit seinem fortgeschrittenen Alter geht Uwe Seeler allerdings äußerst pragmatisch um: "Wenn man morgens aufwacht und es knackt hier und da ein bisschen, ist das auch erfreulich, weil dann weiß man, dass man noch da ist."

Es ist diese sympathische Bodenständigkeit, die Seeler auszeichnet und die ihm letztlich auch seinen Spitznamen eingebracht hat. "Er ist immer zum Anfassen da gewesen, und da ist halt eines Tages auch 'Uns Uwe' geboren, und so ist er heute noch", sagt seine Frau Ilka, mit der Uns Uwe seit 53 Jahren verheiratet ist. Auch im Privatleben legt Seeler eben Wert auf Kontinuität und Normalität.

Außergewöhnlich gewöhnlich

Uwe Seeler mit einem Seitfallrückzieher beim Länderspiel Deutschland gegen Irland am 9. Mai 1970 in Berlin. (Foto: AP)

Typisch Seeler

"Das Schönste auf der Welt ist es, normal zu sein und miteinander Spaß zu haben", formuliert der Jubilar seine Lebenseinstellung. Allüren, so wie sie heutzutage schon bei den meisten Jungprofis zum normalen Erscheinungsbild gehören, sind Seeler fremd. Deshalb erträgt er auch den Rummel um seine Person - vor allem an besonderen Geburtstagen wie diesem - stets gut gelaunt und steht immer wieder gerne Rede und Antwort, "auch wenn es manchmal gerne etwas weniger sein könnte", wie er offen zugibt.

Diese Bescheidenheit wurde Uwe Seeler quasi schon in die Wiege gelegt. Vater Erwin verdiente sein Geld zunächst als Hafenarbeiter in Hamburg, bevor er in den 1940er-Jahren ähnlich wie später Sohn Uwe zu einer HSV-Ikone wurde. Und auch Mutter Anni legte Wert darauf, dass die Kinder (Uwes Bruder Dieter starb bereits 1979 im Alter von 47 Jahren) nichts als selbstverständlich ansahen. "Von nichts kommt nichts und alleine kann man meistens weniger erreichen als gemeinsam" - eine Einstellung, die Uwe Seeler auch während seiner aktiven Fußballerzeit prägte und die ihn zu dem machte, was er heute noch ist: ein Vorbild.

Die personifizierte Raute

HSV-Mittelstürmer Uwe Seeler (l.) im Zweikampf mit dem Bergedorfer GSommerfeld in der Begegnung Bergedorf 85 gegen den Nordmeister Hamburger SV am 18.11.1962. Bergedorf unterliegt auf eigenem Platz mit 0:3.

"Uns Uwe" zu Oberligazeiten

Mit 17 Jahren feierte Uwe Seeler 1954 sein Punktspieldebüt für die damalige Oberligamannschaft des Hamburger SV. Als er seine Karriere am 1. Mai 1972 beendete, hatte er nie für einen anderen Verein gespielt. Selbst ein Angebot von Inter Mailand, das ihm 1961 ein Handgeld von 900.000 D-Mark eingebracht hätte, lehnte er ab. Und so feierte er bei seinem HSV seine größten Erfolge: 1960 wurde er Deutscher Meister, drei Jahre später gewann er den DFB-Pokal. Neben seiner individuellen Klasse zeichnete den Mittelstürmer dabei aber auch sein Sportsgeist aus: "Ich habe ja immer nur das Ziel gehabt, dass die Mannschaft gewinnt. Das ist bei einem Mannschaftssport so. Mich hat es nie interessiert, ob ich ein oder zwei Tore gemacht habe. Die haben mir auch nichts genutzt, wenn wir verloren haben."

Zwischendurch drohte Seeler jedoch ein vorzeitiges Karriereende. 1965 zog er sich einen Achillessehnenriss zu, der ihn zu einer langen Pause zwang. Mit eisernem Willen kämpfte er sich nach einer Sehnen-Transplantation jedoch zurück. Titel gewann er nach seinem Comeback aber nicht mehr.

Auch nach seiner aktiven Zeit blieb er dem HSV verbunden. 1995 ließ er sich trotz einiger Vorbehalte erweichen und übernahm das Präsidentenamt. Als er 1998 von diesem wieder zurücktrat, lag eine größtenteils unerfreuliche Zeit hinter ihm. Affären und sportliche Misserfolge trübten seine Amtszeit. Die Liebe zu seinem HSV erlosch trotzdem nicht und so macht ihm auch die aktuelle Situation beim Bundesliga-Gründungsmitglied große Sorgen. Sportlich und finanziell angeschlagen taumelt der Verein im Tabellenkeller und Uns Uwe wird dauernd um Rat gefragt: "Jeder meint, ich wüsste nun das Nonplusultra oder wie man Spiele gewinnt. Aber das kann die Mannschaft nur beantworten. Ich hoffe jedenfalls, dass sie zur Ruhe kommt und jetzt punktet. Das wäre für mich persönlich auch schön, weil ich dann etwas mehr Ruhe bekomme."

Der ganz große Titel fehlt

Fussball-Legende Uwe Seeler posiert mit seiner Auszeichnung, nachdem er mit dem Goldenen Fussball des Berliner Fussballvereins e.V. am 24. Januar 2004 geehrt wurde. Seeler erhielt den Preis für sein Lebenswerk. (Foto: AP)

Der Preis für sein Lebenswerk

Drei Mal war Uwe Seeler Fußballer des Jahres, stand mehrmals in einer Welt- und Europaauswahl, schoss über 1000 Tore und bekam 1972 als erster Fußballer überhaupt das Große Bundesverdienstkreuz verliehen. Nur eines blieb ihm verwehrt: ein internationaler Titel. 1968 scheiterte er mit dem HSV im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger mit 0:2 am AC Mailand. Und auch in 72 Länderspielen gelang ihm mit der Nationalmannschaft nicht der ganz große Wurf. Vielmehr war Seeler Kapitän jener DFB-Auswahl, die 1966 im legendären WM-Finale im Londoner Wembleystadion aufgrund des wohl umstrittensten Tores der Fußball-Geschichte gegen Gastgeber England verlor. "Darüber möchte ich nicht mehr reden, denn es war kein Tor", sagt Seeler noch heute und man merkt, wie sehr diese Niederlage noch immer an ihm nagt.

Dieses Kapitel aus seinem Leben ist aber eines der ganz wenigen, bei denen der Jubilar kurzzeitig seine gute Laune verliert. Ansonsten bringt ihn kaum etwas aus der Fassung. Es sei denn, verrät eines seiner Enkelkinder, "man macht den Fernseher einfach aus, während ein Fußballspiel läuft." Dann ist Uns Uwe zumindest für einen kleinen Moment der böse Herr Seeler.

Autor: Torsten Ahles
Redaktion: Arnulf Boettcher

WWW-Links