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Reportage

"Uns interessiert nur Leipzig"

Ein Besuch in einer Leipziger Kneipe vor dem Bundesliga-Topspiel zwischen RB und 1899 Hoffenheim: DW-Reporter Matt Ford erfährt, womit sich die Fans von RB Leipzig identifizieren und womit nicht.

Im Hinterzimmer einer verrauchten Kneipe treffen sich an diesem kalten, aber sonnigen Nachmittag in Leipzig 20 junge Ultras, eine Runde Schnaps steht auf dem Tisch. Hinter ihnen an einer Wand hängt ein Wimpel mit den Wappen von 14 Mannschaften aus der ehemaligen ostdeutschen Oberliga, darunter Carl Zeiss Jena, 1. FC Magdeburg, Hansa Rostock, Dynamo Dresden. Keine Spur von RasenBallsport Leipzig, der Mannschaft, die derzeit auf Platz zwei in der Bundesliga steht und den deutschen Fußball im Sturm erobert.

Nachdem der österreichische Energy-Drink-Hersteller Red Bull 2009 die Spiellizenz eines lokalen Fünftligisten gekauft und den Verein aus der Taufe gehoben hatte, erklomm "RB" im Eiltempo die Fußball-Pyramide, dank einer Kombination aus kluger Talentförderung und Offensivfußball - und natürlich massiver Investitionen.

RB in Leipzig, Hopp in Hoffenheim

An diesem Samstag empfängt RB Leipzig den Drittplatzierten der Bundesliga, die TSG 1899 Hoffenheim. Einen Klub, dessen Aufstieg in die höheren Sphären der Bundesliga ebenfalls einem reichen Sponsor zu verdanken ist: dem Software-Milliardär Dietmar Hopp. Viele Fans traditioneller Vereine verspotten das Duell zwischen Leipzig und Hoffenheim als "El Plastico" oder "El Cashico". Ein Spiel, das gar nicht möglich sein sollte, weil es für alles steht, was falsch läuft im über-kommerzialisierten modernen Fußball.

"Wir verstehen, warum sie uns nicht mögen", räumt der 19-jährige Fabian ein. "Wenn wir nicht aus Leipzig kämen, würden wir RB auch hassen! Aber wir sind aus Leipzig und hatten vorher keine Gelegenheit, durchs Land zu reisen und unsere Stadt in der Bundesliga zu repräsentieren." 2009 stieg mit dem FC Energie Cottbus der letzte frühere DDR-Verein aus der Bundesliga ab. Der letzte Klub aus Leipzig im deutschen Fußball-Oberhaus vor RasenBallsport war der VfB Leipzig in der Saison 1993/94, der damals nur drei Spiele gewinnen konnte und als Tabellenletzter direkt wieder abstieg.

"Es hätte auch Schach sein können" 

"Uns stört es vor allem, dass wir Red Bull dafür gebraucht haben", fährt Fabian fort. "Aber es gab einfach keinen anderen Weg für uns, hier jemals Top-Fußball zu genießen. Wir sind nicht hier, um [Red Bull-Besitzer Dietrich] Mateschitz zu unterstützen oder die Dosen mit dem Energy-Drink. Wir sind hier, weil wir das Land bereisen, unsere Stadt repräsentieren und unsere Identität ausdrücken wollen."

Nicht jeder in Leipzig sieht das so. "Alles, was Red Bull macht, ist Energy-Drinks zu verkaufen", sagt Matthias, ein 34 Jahre alter Fan von Lokomotive Leipzig. "Die Tatsache, dass sie es im Fußball und in Leipzig tun, ist unerheblich. Wenn Schach die wichtigste Sportart der Welt wäre, würden sie das nehmen." Leipzig sei aus offensichtlichen Gründen ausgewählt worden: "Ein fertiges Weltklasse-Stadion, eine Großstadt mit internationalem Flughafen und kein Top-Fußball. Mit der Stadt Leipzig haben die Red-Bull-Leute doch eigentlich gar nichts am Hut."

"Es ist spannend, uns zuzuschauen"

Die Diskussion darüber, ob RB Leipzig wirklich die Fußballfans der Stadt repräsentiert, wird weitergehen. Nicht umstritten ist jedoch die Qualität des Fußballs, die Ralph Hasenhüttls junge Mannschaft Woche für Woche zeigt. Sie beeindruckt mit aufwändigem Pressing und Hochgeschwindigkeitsfußball. Und sie bleibt auch nach dem Spiel gegen Hoffenheim nicht nur zu Hause ungeschlagen, sondern brachte den Gästen sogar die erste Saisonniederlage bei.

"Ja, es ist ‚El Plastico‘, aber das gilt doch nicht für die Qualität des Fußballs", meint Hoffenheim-Fan Carsten, der die lange Reise nach Leipzig auf sich genommen hat. "Wir sind zwei sehr ähnliche Mannschaften - nicht nur in Sachen Vereinsgeschichte und Besitzer, sondern auch in unserem Spielstil. Es ist einfach spannend, uns zuzuschauen. Das haben wir gemeinsam!"

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