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Politik

Unruhen um Togos neuen Präsidenten

Das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen in Togo ist keine Überraschung: Der Sieger heißt Faure Gnassingbé. Das behauptet wenigstens die Wahlkommission. Die Opposition spricht dagegen von "massivem Wahlbetrug".

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Faure Gnassingbé

Tausende Anhänger der Opposition reagierten in Togos Hauptstadt Lomé mit gewaltsamen Ausschreitungen auf die Verkündung des Wahlsieges von Faure Gnassingbé. Die Demonstranten bauten Straßenbarrikaden und setzten sie in Brand. Bei den Unruhen seien am Dienstag (26.4.2005) 11 Menschen gestorben und fast 100 verletzt worden, hieß es aus den Krankenhäusern.

Laut dem am Dienstag vorgelegten vorläufigen Endergebnis kam Gnassingbé auf 60,2 Prozent der Stimmen, der Oppositionskandidat Emmanuel Bob Akitani erhielt 38,2 Prozent. Die Opposition weigerte sich, das Ergebnis anzuerkennen. Oppositionsführer Gilchrist Olympio, der wegen seines ausländischen Wohnsitzes bei der Wahl nicht kandidieren durfte, erkannte Gnassingbés Sieg nicht an. "Wir hatten es erwartet: Es gab massiven Wahlbetrug", sagte er von Ghana aus in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur AFP.

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Gnassingbé Eyadema: Kein Präsident in Afrika regierte so lange wie er.

Faure Gnassingbé ist der Sohn des verstorbenen Staatschefs Gnassingbé Eyadema, der Togo 38 Jahre lang regiert hatte. Der 39-jährige Faure Gnassingbé hatte sich nach dem Tod seines Vaters Anfang Februar 2005 mit Unterstützung der Streitkräfte und gegen die Verfassung an die Macht geputscht. Wegen des internationalen Drucks erklärte er drei Wochen später seinen Rücktritt und stellte sich am vergangenen Sonntag zur Wahl.

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Olusegun Obasanjo

Olympio distanzierte sich wie andere Oppositionspolitiker auch von einer Aussage des als Vermittler tätigen nigerianischen Präsidenten Olusegun Obasanjo. Obasanjo hatte gesagt, Regierung und Opposition in Togo wollten eine Regierung der nationalen Einheit bilden. "Ich kann Ihnen mit 90-prozentiger Sicherheit sagen, dass wir nicht in diese Regierung eintreten werden", sagte Olympio. Bei Obasanjos Äußerungen vom Vorabend handele es sich nur um einen "Vorschlag". Auch der Generalsekretär der Union der Kräfte für den Wandel (UFC), Jean-Pierre Fabre, bestritt die Existenz einer Vereinbarung. Olympio und Gnassingbé hatten sich am Montagabend in Nigeria im Beisein von Obasanjo getroffen.

Waffen und Tränengas

Aufgebrachte Anhänger von Oppositionskandidat Emmanuel Bob Akitani versammelten sich in Lomés Stadtteil Bé, einer Oppositionshochburg, und riefen: "Sie haben uns unseren Sieg gestohlen." Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Auch mehrere hundert bewaffnete Regierungsanhänger zogen in Lomé auf. Einer der Demonstranten sagte, die meisten von ihnen seien aus Kara, der Heimatstadt und Hochburg des verstorbenen Präsidenten Eyadema, nach Lomé gekommen.

Aufstand auf den Straßen Togos

Oppositionelle Demonstranten

Schon die Wahl am Sonntag, zu der 3,5 Millionen Togoer aufgerufen waren, wurde von Überfällen auf Wahllokale in Oppositionshochburgen und von Gewalt begleitet. Mindestens drei Menschen starben bei Zusammenstößen.

Das Wahlergebnis muss noch vom obersten togoischen Gericht bestätigt werden. Dies gilt wegen des deutlichen Abstands zwischen den Kandidaten aber als Formalität. (ch)

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