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Politik

Unruhen in Tibet weiten sich aus

Die Spannungen in Tibet nehmen zu, nachdem China den Demonstranten ein Ultimatum gestellt hat. Die tibetische Exilregierung befürchtet nun ein "Massaker". Auch im Ausland gehen die Demonstrationen weiter.

Protest in Nepal, Quelle: AP

Die Proteste nehmen auch im Ausland zu - wie hier in Nepal

Die Unruhen in Tibet haben sich am Montag (17.3.2008) trotz des massiven Aufgebots chinesischer Sicherheitskräfte ausgeweitet. Die tibetische Exilregierung mit Sitz in Indien bezeichnete die Lage als "extrem ernst". Die chinesischen Behörden haben den Demonstranten in Tibet bis Montag um Mitternacht (Ortszeit) ein Ultimatum gestellt. Nach dessen Ablauf könnte es zu einem Massaker kommen, warnte die Exilregierung im nordindischen Dharamsala.

Nach Angaben von Exiltibetern sollen am Montagmorgen etwa 1000 Mönche aus dem von der Polizei umstellten Kirti-Kloster im Osten Tibets ausgebrochen sein, um weiter gegen die chinesische Herrschaft zu demonstrieren. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt, es sollen auch Schüsse gefallen sein. Die "International Campaign for Tibet" sprach von acht Toten. Auch in der chinesischen Gansu-Provinz gab es Proteste. In der tibetischen Hauptstadt Lhasa sollen groß angelegte Razzien begonnen haben.

Die chinesische Führung bestritt am Montag, Schusswaffen gegen Demonstranten eingesetzt zu haben. Man sei vielmehr sehr behutsam gegen den gewaltsamen Aufstand der Tibeter vorgegangen. Die Proteste hatten am Wochenende auf die angrenzenden Provinzen Gansu, Sichuan und Qinghai übergegriffen.

Demonstrationen in Indien, Nepal und Deutschland

Polizeistreife in der Provinz Qinghai, Quelle: AP

Polizeistreife in der Provinz Qinghai: Die Tibet-Krise erfasst auch die Nachbarregionen

Im Nachbarland Nepal gab es am Montag wieder neue pro-tibetische Demonstrationen. In der indischen Hauptstadt Neu Delhi demonstrierten mehr als 1000 Exil-Tibeter friedlich gegen die Politik der chinesischen Regierung. Auch in München demonstrierten Tibeter gegen China. Dabei wurden 25 Demonstranten vorläufig festgenommen worden, weil Parolen an die Wand des chinesischen Generalkonsulats malten und versuchten, in das Gebäude zu gelangen.

US-Außenministerin Condoleezza Rice forderte China auf, Gespräche mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter, dem Dalai Lama, aufzunehmen. Er sei eine "Autoritätsperson", dessen moralisches Gewicht zu einer Lösung des Tibet-Problems beitragen könne, sagte Rice auf dem Flug nach Moskau. Russland hat dagegen Unterstützung für das Vorgehen in Tibet bekundet und einen möglichen Boykott der Olympischen Sommerspiele als unannehmbar zurückgewiesen. Moskau sehe Tibet als eindeutigen Teil Chinas, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums. Die chinesischen Behörden wurden darin aufgefordert, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um "illegale Aktionen" in Tibet zu verhindern.

Bundesregierung gegen Olympia-Boykott

Die Bundesregierung sprach sich gegen einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking aus. Er würde sich allein gegen die Aktiven und Sportler richten, die sich seit langem auf Olympia vorbereiteten. An der Lage der Tibeter würde ein Boykott aber nichts ändern, begründete Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin diese Haltung.

Am Freitag eskalierten die Ausschreitungen, Quelle: AP

Am Freitag eskalierten die Ausschreitungen in Tibets Hauptstadt Lhasa

Die Bundesregierung unterstütze den Anspruch der Tibeter auf kulturelle und religiöse Autonomie, sehe aber in der territorialen Integrität Chinas im Sinne der "Ein-China-Politik" den Maßstab des Handelns. Eine bessere Respektierung der Menschenrechte könne nur im Dialog zwischen beiden Seiten gelingen. Eine Isolierung Chinas könne dazu aber nichts beitragen.

Die Proteste gegen die chinesische Herrschaft hatten vor einer Woche begonnen. Am Freitag war die Situation in Lhasa eskaliert. Demonstranten steckten chinesische Geschäfte in Brand, Panzer fuhren durch die Straßen. Nach Angaben der tibetischen Exilregierung starben etwa 80 Menschen. Die chinesischen Behörden sprechen von 13 Toten. (tos)

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