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Politik

Unruhen in Nigeria spitzen sich zu

Die religiös motivierten Unruhen in Nigeria breiten sich in weitere Teile des Landes aus. Muslime töten Christen, Christen töten Muslime. Was steckt hinter den Gewaltausbrüchen?

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Wer Religion sagt, meint oft Öl

Jüngsten Berichten zufolge sind neue Ausschreitungen zwischen Christen und Muslimen im christlich dominierten Süden ausgebrochen, wo diesmal Moscheen in Brand gesetzt und Muslime getötet wurden. Insgesamt starben in den vergangenen Tagen mehrere Dutzend Menschen - die meisten in Maiduguri im Nordosten des Landes. Führer beider Religionen sehen die Ursachen der Unruhen allerdings vor allem in der Politik.

Rebellion und Religion

Die religiösen Unruhen fallen mit Geiselnahmen und neuer Gewalt im Niger-Delta zusammen, wo rund 40 bewaffnete Kämpfer der "Bewegung für die Emanzipation des Niger-Deltas" (MEND) nigerianische Soldaten angegriffen und neun für ausländische Erdölfirmen arbeitende Ingenieure und Techniker gefangen genommen haben. Im Niger-Delta ist die Sache klar: Die Rebellen wollen die Erdölfirmen aus Nigeria vertreiben oder eine Entschädigung von 1,5 Milliarden Dollar vom Ölkonzern Shell für angerichtete Umweltverschmutzungen erhalten.

Oluseguni Obasanjo, President von Nigeria

Der Präsident der Bundesrepublik Nigeria, Olusegun Obasanjo

Im Norden dagegen gehen die Meinungen über die Ursachen der jüngsten blutigen Unruhen auseinander. Die Vertreter der moslemischen und christlichen Gruppierungen haben sich entsetzt gezeigt über die Auseinandersetzungen. Die Vertreter der "Christian Association of Nigeria" (CAN) und der "Assembly of Muslims in Nigeria" (JNI) sehen die Ursachen der Unruhen darin, dass die Bevölkerung befürchtet, Präsident Olusegun Obasanjo könnte - entgegen der Verfassung - eine dritte Amtszeit anstreben. Bis jetzt hat der Präsident selbst sich über die Gerüchte, dass er nach einer Verfassungsreform im Jahr 2007 erneut kandidieren wolle, nicht geäußert. Aber genau dieses Schweigen schürt die Ängste der Bevölkerung. Deshalb haben die religiösen Organisationen den Präsidenten aufgerufen, sich öffentlich zu seinen Absichten zu erklären.

"Religiöse Vorwände"

Der Generalsekretär der JNI, Justice Abdelkadir Orire, glaubt, dass die Unruhen in Maiduguri und Katsina ausgebrochen sind, weil beide Städte für den Auftakt öffentlicher Anhörungen über die Verfassungsreform gewählt wurden. Auch der Generalsekretär der CAN, Reverend Joseph Hayab, ist der Meinung, dass einige Politiker die angespannte Lage für ihre Zwecke ausnutzen: "Es gibt einige Politiker, besonders im Norden Nigerias, die immer religiöse Vorwände benutzen, um ihre politischen Gegner zu beseitigen. Wir rufen diese auf, mit solchen Praktiken aufzuhören."

Andere Anführer der CAN greifen zu schärferen Tönen, um ihr Entsetzen auszudrücken. Der anglikanische Erzbischof Peter Akinola schloss sogar Vergeltungsangriffe der Mitglieder der CAN nicht mehr aus. Er soll gesagt haben: "Wir möchten an dieser Stelle unsere moslemischen Brüder daran erinnern, dass sie über kein Gewaltmonopol in diesem Staat verfügen. Die CAN ist vielleicht nicht mehr in der Lage, unsere unruhige Jugend zu bändigen, falls sich diese hässliche Entwicklung fortsetzt."

Und tatsächlich: Am Dienstag (21.02) haben Berichten zufolge demonstrierende Christen in der Stadt Onitsha im Süden des Landes Moscheen in Brand gesetzt und mehrere Muslime getötet. Mindestens sechs Menschen sollen zu Tode geprügelt worden sein.

Der Papst greift ein

Die Lage in Nigeria beunruhigt nicht nur religiöse Führer im Lande selbst, sondern auch im Ausland. Papst Benedikt XVI. hat Muslime und Christen zum friedlichen Miteinander aufgerufen. Und er appellierte an die nigerianischen Behörden, für Frieden und Sicherheit im Lande zu sorgen.

Dies wird schwer werden: Das Land ist zerrissen zwischen religiösen und ethnischen Konflikten auf der einen und den zunehmenden Gewaltakten im Niger-Delta auf der anderen Seite. Für Reverend Hayab bietet nur das friedliche Miteinander einen Weg aus dieser Sackgasse: "Wenn wir diesen egoistischen Individuen erlauben, uns in weitere Massaker gegeneinander zu führen, werden wir morgen kein Land mehr haben, auf das wir stolz sein können und unser Kindern werden sich sicher eine miserable Zukunft vor sich haben. Wir müssen also mit diesen Tötungen aufhören!"

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