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Politik

Unruhen in Kairo

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo sind bei einem Polizeieinsatz gegen sudanesische Flüchtlinge bis zu 26 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden.

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Sudanesen wehren sich gegen die Räumung des Lagers

Unruhen in Kairo

Eine Sudanesin wird weggetragen

Die Polizei ging Augenzeugen zufolge mit Schlagstöcken und Knüppeln gegen tausende Sudanesen vor, die für ihre Umsiedlung in ein anderes Land demonstriert hatten. Die Demonstranten schleuderten ihrerseits Flaschen auf die Beamten und wehrten sich mit Stöcken gegen die Polizisten. In einer offiziellen Erklärung des ägyptischen Innenministeriums war von zwölf Toten die Rede, Mitarbeiter des Ministeriums sprachen aber von 20 Todesopfern, darunter drei Kinder. Ein Sprecher der Flüchtlingsgruppe, Boutrous Deng, gab die Zahl der Toten sogar mit 26 an, darunter zwei Frauen und sieben Kinder. Die Gruppe hatte zunächst von 15 Toten gesprochen. Außerdem wurden den Angaben zufolge 30 weitere Sudanesen und 23 ägyptische Polizisten verletzt.

Schlagstöcke, Tränengas und Panik

Die Unruhen brachen aus, als sich die Sudanesen weigerten, einen zentralen Platz zu verlassen, auf dem rund 3000 Flüchtlinge seit drei Monaten campierten. Vor Ausbruch der Unruhen hatten Vertreter der Kairoer Behörden und der Polizei drei Stunden lang ergebnislos mit den Bewohnern des Lagers über eine Räumung verhandelt. Die Sudanesen lehnten dies auch ab, nachdem die Polizei mit Wasserwerfern gegen sie vorgegangen war. Schließlich prügelten die Beamten auf die Sudanesen ein. Mehrere Hunderschaften der Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Die Demonstranten bewarfen die Polizisten mit Flaschen und schlugen mit Stöcken auf sie ein. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein, drängte die Sudanesen in Busse und transportierten die Flüchtlinge ab. Dem ägyptischen Innenministerium brach bei dem Einsatz eine Massenpanik unter den Flüchtlingen aus.

Monatelanges Warten auf Anerkennung

Die Sudanesen wollen von den Vereinten Nationen als Flüchtlinge anerkannt werden, um in westliche Länder - etwa nach Europa oder Nordamerika reisen zu können. Die meisten waren schon vor Jahren wegen des inzwischen beendeten Bürgerkrieges im Südsudan nach Ägypten geflohen. Um ihre Forderung nach Umsiedlung durchzusetzen, hatten sie in der Nähe einer UN-Vertretung in einem wohlhabenden Vorort Kairos kampiert.

Nach Angaben des UNHCR starben in den vergangenen drei Monaten angesichts der schlechten Zustände in dem Lager drei Menschen, nach Angaben der Flüchtlinge zehn. (sams)

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