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Kultur

Unkörperliche Unruhe

Der deutsche "Playboy" hat seit kurzem neue Herren in der Chef-Etage. Die Auflage der Lizenzausgabe des amerikanischen Vorbildes war zuletzt auf 160.000 Exemplare geschrumpft. Das soll jetzt anders werden.

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Neues Gesicht mit neuen Gesichtern

Raus aus der "Luderecke" wollen die neuen "Playboy"-Macher im Burda-Verlag in München. Ihr Rezept ist so neu nicht: Das im Kiosk bis dato noch immer neben schlüpfrigen Magazinen eingeordnete Heft soll seinen Weg ins (gehobene) Lifestyle-Magazin-Regal finden. Dort wo "Men's Health" und "GQ" beheimatet sind. Das Potenzial für Männermagazine ist nach Ansicht von Chefredakteur Stefan Schmortte enorm.

Der "Playboy" erscheint mittlerweile in 20 Sprachen. Die deutsche Ausgabe soll den (qualitativen) Sprung ins obere Drittel schaffen, erklärt Corinna Rey im Gespräch mit DW-WORLD. Allerdings könne man die internationalen Ausgaben nicht wirklich miteinander vergleichen, da die Italiener oder Franzosen nun mal eine ganz andere Vorstellung von Erotik hätten. Aha, demnach gehören die Deutschen ab sofort also zu den eher anspruchsvollen Bettgenossen?

Machen wir den Busen-Test!

Auf dem Cover sind, entgegen möglicher Erwartungen, schon mal keine weiblichen Brüste abgebildet. Stattdessen strahlt dem Leser das Gesicht der Nina-Hagen-Tochter Cosma Shiva entgegen. Schmolllippen und der kluge Blick sorgen für gelungene Erotik.

Das erste "Fleisch-Foto" gibt es erst auf Seite sechs. Gleich neben einem Foto von Armin Mueller-Stahl, zusammen mit einer Illustration zum Thema Agentenschutz BND und dem Grinsen von George Clooney. Hier wird dem Leser also viel ernster Inhalt versprochen. Und das bleibt auf den Folgeseiten des Content-Previews auch so. Die nicht mehr gewollte Zielgruppe (diejenigen, die den "Playboy" hauptsächlich als Unterhaltungsvorlage im stillen Kämmerlein genutzt haben) sind damit wahrscheinlich abgeschreckt.

Die nächsten Seiten erinnern in ihrer Aufteilung (farbige Infoboxen, kurze Texte, viele Bilder) und den verschiedenen Schriftgrößen an das Newsmagazin "Focus", das zufälligerweise aus dem selben Haus kommt.

Auf Seite 32 dann endlich nackter Busen, der von Frau Hagen "junior". Überraschend sind die Farben der Fotostrecke. Gedeckte Töne in grau-braun-schwarz-beige. Herkömmlich (billig-) bunt ist out, das bleibt auf fast allen 208 Seiten der Februar-Ausgabe so. Nur das berühmte so genannte Centerfold mit der Dame zum Ausklappen fällt da raus. Knackige braune Haut, blonde Haare, goldschimmerndes Make-up, nasse Badesachen und eine Melone, an der geknabbert wird – hier soll's zur Sache gehen.

Was ist ein First-class-Magazin?

Die neue Zielgruppe nicht ganz aus den Augen verlierend, wird das Playmate aber mit "Höhere Mathe(matik)" überschrieben. "Sie heißt wie ein Albtraumfach und ist doch eine Traumfrau: Kinga Mathe," wird dem Kurven suchenden Leser erklärt. So kalauernde Wortspiele findet man einige im Heft. Ein Artikel über das Cover-Girl der ersten "Playboy"-Ausgabe vom August 1972 trägt beispielsweise den Titel "First Lady". Im Espresso-Artikel (dem angeblich "anregendsten Männergetränk" überhaupt) findet sich die Filmzitat behaftete Bildunterschrift "Mischen possible".

Die neue Zielgruppe soll sich für Autos und Uhren interessieren, sportlich sein (Fußball und Snowboarding), wird mit Tipps für die erste Opern-Premiere und guten Locations während der Berlinale versorgt oder erfährt was gerade stylisch ist (Spülbürsten aus Reiswurzeln). Studieren in Erfurt sei toll, wird behauptet, weil's da viele (freundlich angezogen abgelichtete) Kommilitoninnen gibt.

Viele dieser Storys haben ein eigenes, dem Inhalt angepasstes Layout. Das erzeugt ziemlich viel (unkörperliche) Unruhe beim Lesen und man vergisst fast (Ziel erreicht?), welches Image einen zum Kauf des Magazins verleitet hat.

Anleitung zum Playboy-Sein

Der Begriff "Playboy" wird vom Duden "als (jüngerer) Mann" erklärt, "der aufgrund seiner wirtschaftlichen Unabhängigkeit vor allem zu seinem Vergnügen lebt und sich in Kleidung und Benehmen entsprechend darstellt". Der neue "Playboy" ist in diesem Sinne zu seinen Wurzeln zurückkehrt.

Die letzten Seiten sollen Appetit auf die Online-Ausgabe des Magazins machen. Hier wird viel Körperliches versprochen. Die Message ist klar: Der gedruckte "Playboy" soll kaffeehaustauglich werden, während Sex vor den Computerbildschirm verbannt wird - ans stille Örtchen von heute.

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