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Fokus Osteuropa

Universitätskurs zum Thema Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien

Kriegsverbrechen und Völkermord sind das Thema eines internationalen Universitätskurses im kroatischen Dubrovnik. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema fällt den Hochschulen in der Region schwer.

Bosnische muslimische Frauen trauern vor einem Grabstein, der an das Massaker in Srebrenica erinnert

Synonym für Kriegsverbrechen: Srebrenica

Im kroatischen Dubrovnik findet diese Woche (12.-18.5.) der einzige internationale Universitätskurs auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien zum Thema Völkermord statt. „Es ist einfach beschämend: So viele Universitäten gibt es im ehemaligen Jugoslawien, und keine einzige Uni hat diese Problematik auf dem Lehrplan“, sagt Kursdirektorin Janja Bec-Neumann. Unter dem Motto “Kriegsverbrechen, Völkermord und Erinnerung” leitet sie nun schon zum sechsten Mal ein Seminar, das sich mit dem Thema Kriegsverbrechen und Völkermord beschäftigt.

„Etwas stimmt nicht in der Region“

„Wenn wir in der Region 100 oder sogar 200 Universitäten haben, und keine davon Interesse hat, so einen Kurs anzubieten, dann denke ich, dass irgendetwas, insbesondere mit den Eliten in dieser Gesellschaft, nicht stimmt”, sagt die Soziologin und Buchautorin, die sich intensiv mit dem Thema Völkermord und Kriegsverbrechen beschäftigt.

Radovan Karadzic (rechts) und Ratko Mladic

Radovan Karadzic (r) und Ratko Mladic (Archivbild vom 5.8.1993). Mladic gilt als Hauptverantwortlicher für das Massaker an etwa 8000 bosnischen Muslimen in Srebrenica

Janja Bec-Neumann weist auch darauf hin, wie schwierig es ist, finanzielle Unterstützung für die Universitätskurse zu bekommen. Das Thema sei in der Region nicht beliebt. Deshalb gebe es keine Geldgeber in den Ländern Ex-Jugoslawiens, die das Projekt unterstützen. Bisher haben unter anderen die Europäische Kommission, die italienische Regierung, die Heinrich-Böll-Stiftung und die Internationale Kommission für Verschwundene Personen (ICMP) den Kurs finanziell unterstützt – aber niemand aus der Region selbst, weder Institutionen noch Einzelpersonen. „Das ist ein Zeichen für die Lage hier. Die einzige Hilfe, die wir erhielten, kam von einigen Freunden von uns, die ehrenamtlich oder halb-ehrenamtlich dabei waren”, erzählt Janja Bec-Neumann.

„Eine Art Prävention“

Der Bedarf an solchen Seminaren sei groß, vor allem im Hinblick auf die junge Generation: „Unsere Arbeit sehen wir als eine Art Prävention. Mit den Kriegskindern muss man arbeiten, damit sie Kriegs- und Nachkriegstraumata überwinden können“, so Kursleiterin Bec-Neumann. Es gehe darum, die Betroffenen über das zu informieren, was passiert sei, damit sie das Geschehene verstehen können. Zugleich werde Sensibilität für das Thema der Kriegsverbrechen geweckt.

Das einwöchige Seminar „Kriegsverbrechen, Völkermord und Erinnerung” ist Teil des gleichnamigen Aufbaustudienganges an der Universität in Sarajevo. An dem bisher einzigartigen Hochschulngebot dieser Art in der Region lehren weltweit anerkannte Professoren. Unter den Teilnehmern ist auch der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes (IStGH) in Den Haag, Luis Moreno-Ocampo. In diesem Jahr findet das Seminar zum sechsten Mal statt. Co-Organisator ist das Institut für die Erforschung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit aus Sarajevo.

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