Universität Bielefeld: Lehrerfortbildung für Geflüchtete | Deutschlehrer-Info | DW | 11.01.2018
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Deutschlehrer-Info

Universität Bielefeld: Lehrerfortbildung für Geflüchtete

Lehrkräfte sind knapp in Nordrhein-Westfalen. Gleichzeitig gibt es viele Geflüchtete, die früher Lehrer waren. In Bielefeld können sie eine einjährige Zusatzausbildung machen, um wieder in ihren Beruf zurückzukehren.

Unterstützen, ermutigen, helfen: Seit ein paar Stunden sind Shogine Kamoyan und Marwa Sulaiman wieder in ihrem Element. Die beiden Lehrerinnen aus Armenien und Syrien hospitieren an der Gesamtschule Rosenhöhe in Bielefeld. Erst waren sie beim Englischunterricht in einer fünften Klasse, nun helfen sie Schülern im Matheunterricht. „Der Umgang mit den Kindern hat mir sehr gefehlt“, sagt Kamoyan danach. „Ich denke, ich bin als Lehrerin geboren –  ich muss wieder zurück zur Schule gehen.“ Im kommenden Jahr könnte es so weit sein.

25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im ersten Jahr

Kamoyan und Sulaiman sind zwei von 25 Teilnehmern eines Modellprojekts in Nordrhein-Westfalen. Das Programm „Lehrkräfte Plus“ der Universität Bielefeld, das zunächst für drei Jahre läuft, richtet sich an Geflüchtete, die gut Deutsch sprechen und in ihrer Heimat als Lehrer gearbeitet haben.

Nach dem einjährigen Vollzeitkurs können sie zum Beispiel als Vertretungslehrer an Schulen in NRW arbeiten. 270 Bewerbungen gab es. Seit Herbst 2017 nehmen acht Frauen und 17 Männer aus Afghanistan, Armenien, Guinea, Irak, Pakistan und Syrien am Programm teil. Um sich bewerben zu können, müssen die Teilnehmer Deutschkennntnisse auf dem Niveau B1 nachweisen. Das erste halbe Jahr machen sie dann einen Sprachkurs, der sie auf das Niveau C1 bringen soll.

„Ein sehr sicheres Deutsch ist notwendig, damit die Lehrer später von den Schülern ernst genommen werden“, erklärt Renate Schüssler von der Universität Bielefeld. Auf den Sprachkurs folgen Praktika in Schulen und eine Qualifizierung für das Schulsystem in NRW. Claudia Hoppe, die Direktorin der Gesamtschule in Bielefeld, an der Kamoyan und Sulaiman hospitieren, erhofft sich Vorteile für Kinder mit Migrationshintergrund – dazu gehört die Hälfte ihrer Schüler. Ihnen könnten diese Lehrerinnen und Lehrer nicht nur mit der Sprache helfen, sie könnten auch ein Vorbild sein.

Keine Jobgarantie

In welcher Form die Teilnehmer nach Abschluss des Kurses eine Beschäftigung an Schulen erhalten, ist bislang offen. Neben dem Einsatz als Vertretungslehrer könnten sie im herkunftssprachlichen Unterricht eingesetzt werden, etwa in Arabisch. „Eine Garantie für eine Übernahme in den Schuldienst gibt es für die Teilnehmer nicht“, sagt ein Sprecher des Schulministeriums in Düsseldorf. Nach der Universität Bielefeld startet nun auch an der Hochschule in Bochum ein Ausbildungsprojekt für Geflüchtete mit Lehrerberuf. Auch an der Universität Potsdam gibt es seit 2016 ein Programm für Lehrer, die aus ihren Heimatländern geflohen sind.  

Zurück in den Traumberuf

Kamoyan hat in Armenien mehr als 18 Jahre als Englisch- und Spanischlehrerin gearbeitet, Sulaiman war in Syrien Englischlehrerin. Beide sprechen mittlerweile fließend Deutsch. Für die Lehrerinnen ist der Weg zum Zertifikat noch lang, die Sprachprüfung ist schwer. Doch beide sind motiviert, bald wieder in ihrem Traumjob zu arbeiten. Von dem Unterricht an der Gesamtschule waren sie beeindruckt: „Sehr interaktiv, ziemlich gut“, sagen beide. In einem Punkt wäre aber Kamoyan strenger: „Im Englischunterricht sind bei mir andere Sprachen als Englisch verboten.“

dpa; mk/sts

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