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Aktuell Europa

Unicef zeichnet Flüchtlingsbild als Foto des Jahres aus

Für sein Bild verzweifelter Flüchtlingskinder an der griechisch-mazedonischen Grenze hat der Fotograf Licovski den Preis für das "Foto des Jahres" des UN-Kinderhilfswerks Unicef erhalten.

"Das Foto ist eine Momentaufnahme, die Europas Dilemma und Europas Verantwortung zugleich festhält", begründete Daniela Schadt, Schirmherrin von Unicef Deutschland, in Berlin die Entscheidung der Jury. "Es ist ein ergreifendes, intelligentes und unglaublich starkes Bild", sagte die Lebenspartnerin von Bundespräsident Joachim Gauck.

Der mazedonische Fotograf Georgi Licovski hatte am 21. August an der griechisch-mazedonischen Grenze im Bild festgehalten, wie zwei Flüchtlingskinder zwischen drängenden Menschen und Grenzsoldaten von ihren Angehörigen getrennt werden.

"Die schiere Verzweifelung"

"In ihren Gesichtern, in jeder Faser ihres Körpers ist die schiere Verzweiflung dieser beiden Kinder zu erkennen", sagte Schadt. Um das Herz der Grenztruppen zu erweichen, hätten verzweifelte Flüchtlinge ihre Kinder in die erste Reihe geschickt. Dabei seien sie von ihren Begleitern getrennt worden. Die Grenzsoldaten wirkten etwas ratlos.

Unicef-Schirmherrin Schadt und Fotograf Licovski (Foto: dpa)

Unicef-Schirmherrin Schadt und Fotograf Licovski

Licovski sagte in seiner Dankesrede: "Ich bedauere, dass ich nicht alle Kinder fotografieren konnte, all die Tränen von Kindern auf der Flucht." Licovski berichtete davon, wie schwierig dieses Jahr für ihn und seine Kollegen war und dass sie oft selbst die Tränen nicht zurückhalten konnten. "Die Verzweiflung der Flüchtlinge ist stärker als die Schilder der Polizei", sagte der Fotograf. Er hoffe, dass seine Bilder die Staatsoberhäupter der Welt berührten, damit diese gemeinsam Lösungen für die Flüchtlingskrise suchten: "Die Welt ist mächtig genug, sie braucht nur guten Willen". betonte Licovski.

In diesem Jahr haben Bilder der Flüchtlingskrise öffentliche Debatten nach sich gezogen. Das Foto des syrischen Jungen Aylan, der leblos an die Küste der Türkei gespült worden sei, habe eine Ethikdiskussion ausgelöst, sagte Unicef-Vorstandsmitglied Peter-Matthias Gaede. War die Veröffentlichung respektlos?, fragte der Journalist. Man könne niemanden seine Gefühle beim Betrachten vorschreiben. Es sei aber auch klar: "Wir brauchen Bilder, auch wenn diese Bilder mitunter sehr wehtun."

Zweiter Preis für schwedischen Fotogtrafen

Als zweiten Preisträger zeichnete Unicef den Schweden Magnus Wennman, der für die Zeitung "Aftonbladet" schlafende Kinder fotografiert hatte. Mädchen und Jungen im Nahen Osten und auf dem Weg nach Europa liegen erschöpft im Wald, an Bahnhöfen, auf alten Matratzen. Hinter seiner Reportage "Wo die Kinder schlafen" seien Horrorgeschichten verborgen, erklärte die Jury. Der dritte Preis ging an die US-Fotografin Heidi Levine für die Aufnahme eines verwundeten Mannes aus dem palästinensischen Gaza-Streifen mit seinem ebenfalls verwundeten Sohn.

Der Wettbewerb wird zum 16. Mal von Unicef Deutschland in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift GEO ausgerichtet. Neben den ersten drei Preisen gab die unabhängige Jury acht ehrenvolle Erwähnungen ab.

wl/cw (dpa, kna, epd)