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Hintergrund

UNICEF will Regierungen die Augen öffnen

Inmitten eines Wirtschaftsbooms bleiben vielerorts die Kinderrechte auf der Strecke. Zwar gebe es mehr Ressourcen, aber viele Regierungen seien blind für die Kluft zwischen Arm und Reich, kritisiert UNICEF.

Für Top-Model Eva Padberg hat die Rolle als UNICEF-Botschafterin nachhaltige Einblicke in eine vorher unbekannte Welt gebracht. Haften geblieben ist beispielsweise die Begegnung mit einem kleinen gelähmten Jungen, der in einem Kinderheim in Sinaki im Osten Georgiens lebte. Die Eltern hatten ihn dorthin gebracht, weil sie mit seiner Pflege überfordert waren. "Statt die Familie zu unterstützen, macht es dort der Staat leicht, Kinder in Heime abzuschieben", sagt die UNICEF-Botschafterin vor Journalisten in Berlin. Das Kinderhilfswerk trete in ganz Osteuropa und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion dafür ein, dass diese schlimme Praxis überwunden wird.

Den 14-jährigen Jungen, der in einem Granitsteinbruch in Burkina Faso Gestein in glühender Hitze mit einem großen Eisenkolben zu Kies klopfte, hat Eva Padberg ebenso wenig vergessen. Die Thüringerin reist seit sieben Jahren durch die Welt, um mit Schönheit und Charme für die Rechte der Kinder zu werben.

Unicef-Botschafterin Eva Padberg - Foto: Michael Kappeler (dpa)

Auf Tour für UNICEF: Eva Padberg

Auch der Unternehmer Jürgen Heraeus hat sich in den Dienst der Kinder gestellt. Der Vorsitzende von UNICEF Deutschland berichtete vor Journalisten von seiner Betroffenheit darüber, dass im von Armut und Bürgerkrieg geplagten Afrika Kinder nach Brot anstehen und dabei beschossen werden.

1,7 Milliarden Euro steuerte das Deutsche Komitee für die Arbeit des weltweiten Kinderhilfswerkes bei. Die Mittel stammen ausschließlich aus Spenden und dem Verkauf von Grußkarten. Mit dem Geld sei es vor allem gelungen, die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren zu halbieren. In Afrika seien über 1000 Schulen entstanden, sagte Heraeus. Er zitierte aus einem Brief von Nelson Mandela an UNICEF: "Es ist gewiss, dass wir in unserer modernen Welt besser für unsere Kinder sorgen können, als wir es jetzt tun."

"Recht auf Zukunft"

In einem Report unter dem Titel "Das Recht auf Zukunft" dokumentiert UNICEF Deutschland anlässlich seines 60. Gründungstages Probleme und Chancen für die junge Generation. Weltweit wächst heute die größte Kinder- und Jugendgeneration aller Zeiten heran: 2,2 Milliarden Jungen und Mädchen, die meisten in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Doch sie profitieren kaum vom wirtschaftlichen Wachstum und technologischen Fortschritt.

Klimawandel und Folgen der Finanzkrise treffen gerade die ärmsten Familien am härtesten. "Es ist schon eine paradoxe Situation, dass 75 Prozent der sehr armen Kinder in Ländern leben, die schon ein mittleres Pro-Kopf-Einkommen haben", sagte Heraeus. Das betreffe China, Indien, Russland, Brasilien. Viele dieser Länder seien nicht arm, aber innerhalb der Gesellschaft gehe die Kluft zwischen Arm und Reich eher auseinander als zusammen.

Die etwa 8-jährige Sunita sitzt in der indischen Provinz Rajasthan, in einem Steinbruch und arbeitet mit Hammer und Meißel - Foto: Doreen Fiedler (dpa)

Kinderarbeit in Indien: Steineklopfen bei glühender Hitze

Laut Report werden die Lebensbedingungen der Kinder und Jugendlichen auf der Welt heute durch folgende Faktoren geprägt:

  • Trotz Wirtschaftswachstum in weiten Teilen der Welt ist Armut weiterhin die größte Bedrohung für die Rechte von Kindern und Jugendlichen, in Afrika muss die Hälfte der Menschen mit weniger als 2 US-Dollar am Tag auskommen
  • Weltweit gehen 132 Millionen Kinder im Schulalter weder in eine Grund- noch in eine weiterführende Schule
  • Junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren machen rund 40 Prozent der weltweit rund 200 Millionen Arbeitslosen aus
  • Naturkatastrophen infolge des Klimawandels bedrohen besonders die Schwächsten der Gesellschaft, die Kinder
  • Internet und Mobiltelefon bieten neue Chancen zu Information und Beteiligung bisher ausgeschlossener Menschen, besonders die junge Generation nutzt diese Medien

Das größte Problem sei die Ungleichheit, betonte Dan Toole, UNICEF-Regionaldirektor für Ostasien und Pazifik. Geld und Ressourcen seien in seiner Region vielfach schon vorhanden.

"Aber wir müssen sicherstellen, dass diese Angebote auch jedes Kind erreichen." Laut Toole ist es eine Aufgabe seiner Organisation, den Regierungen die Augen zu öffnen, wie sie in die Zukunft ihrer Kinder investieren können. So habe das Kinderhilfswerk vor Jahren mit acht Millionen US-Dollar ein Modell für die Vorschul-Bildung von Kindern in China finanziert. 2010 habe dann die chinesische Regierung 7,5 Milliarden Dollar für die Verbesserung der vorschulischen Bildung zur Verfügung gestellt. "Das ist UNICEF im 21. Jahrhundert", sagt Toole.