1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschland

UNICEF: Vertrauenskrise führt zu Spendeneinbruch

Nach den Verschwendungsvorwürfen hat das UN-Kinderhilfswerk in den vergangenen sechs Monaten rund 20 Prozent weniger Spenden eingenommen. Mit mehr Transparenz will der neue Vorstand das Ruder herumreißen.

UNICEF-Logo an der Zentrale in Köln (Quelle: AP Photo/Hermann J. Knippertz)

Geht es bei UNICEF Deutschland bald wieder aufwärts?

Besonders in den ersten Monaten dieses Jahres schlug die Krise nach Angaben des neuen UNICEF-Vorsitzenden Jürgen Heraeus voll zu Buche. Von Dezember 2007 bis Mai 2008 sanken die Spendeneinnahmen um etwa ein Fünftel. Rund 38.000 von 203.000 Fördermitgliedern kehrten UNICEF den Rücken.

Jürgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland (Quelle: AP Photo/Michael Probst)

Steht für den Neuanfang: Jürgen Heraeus

Laut dem am Dienstag (24.06.2008) vorgelegten Geschäftsbericht erzielte das Kinderhilfswerk im Gesamtjahr 2007 dennoch das drittbeste Ergebnis seiner Geschichte. Die ersten Vorwürfe gegen den früheren Vorstand wurden erst Ende November laut und wirkten sich daher nur begrenzt auf das Jahresergebnis aus.

Die Gesamteinnahmen beliefen sich auf 94,7 Millionen Euro, ein leichtes Minus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. 74,1 Millionen Euro davon waren Spenden. 21 Millionen Euro brachte der Verkauf von Grußkarten ein.

Heraeus: "Vertrauen hat sehr gelitten"

UNICEF-Spendenbüchse mit Geldschein (Quelle: dpa/Bernd Thissen)

Die Spenden sollen bald wieder sprudeln

Als Reaktion auf die Krise gibt UNICEF Deutschland diesmal besonders ausführlich Auskunft über die Verwendung von Spendengeldern. Fast 60 Seiten stark ist der jüngste Jahresbericht. "Wir brauchen wieder das Vertrauen, das hat sehr gelitten in den vergangenen Monaten", betonte Heraeus bei der Vorstellung des Berichts in Köln.

Insgesamt 80,6 Prozent der Einnahmen flossen 2007 in internationale UNICEF-Projekte. Die Verwaltungs- und Werbekosten von 19,4 Prozent begründete Heraeus mit dem Aufwand, Privat- und Firmenspenden einzuwerben. Die umstrittenen Provisionszahlungen für externe professionelle Spendenwerber werde es in diesem Jahr bei UNICEF nicht mehr geben. 2007 seinen aber noch einmal 37.000 Euro gezahlt worden.

Spendenwerbung wird stärker kontrolliert

Aus Sicht des Vorstands gibt es eine Diskrepanz zwischen hoch bezahlten Fachleuten und ehrenamtlich tätigen Spendenwerbern. Vor einer endgültigen Entscheidung über erfolgsabhängige Honorare an externe Fundraiser werde es eine ausführliche Diskussion geben, kündigte die stellvertretende UNICEF-Vorsitzende, Maria von Welser, an.

Heraeus und Welser zogen eine positive Bilanz der eingeleiteten Reformen bei UNICEF, mahnten jedoch zur Geduld. "Es geht weiter, es geht aufwärts", sagte Welser. Mit einer Satzungsänderung sollen nun zunächst die Kontrollinstanzen gestärkt werden. Geplant ist zudem, dass der Geschäftsführer künftig nicht mehr dem ehrenamtlichen Vorstand angehört. Laut Heraeus liegen 264 Bewerbungen für die Position des Geschäftsführers vor.

Dem früheren UNICEF-Geschäftsführer Dietrich Garlichs waren laxes Finanzgebaren und die Verschleuderung von Spenden durch überhöhte Beraterhonorare vorgeworfen worden. Die damalige UNICEF-Vorsitzende Heide Simonis trat im Februar im Streit mit Garlichs zurück, der kurz darauf selbst ausschied.

Transparent statt unantastbar

Heide Simonis bei UNICEF-Pressekonferenz (Quelle: (AP Photo/ Jan Bauer)

"Krisenopfer" Heide Simonis

UNICEF verlor schließlich das Spendensiegel, das Gütezeichen für einen sorgsamen Umgang mit Spenden. Für die Aberkennung des Spendensiegels macht Heraeus vor allem falsche Angaben über Provisionszahlungen im Jahr 2006 verantwortlich. "Wie man so etwas Dummes machen kann, ist mir unbegreiflich", sagte er. Wie in einem Unternehmen müssten auch bei UNICEF das Vier-Augen-Prinzip und andere Grundsätze ordentlicher Geschäftsführung akzeptiert und gelebt werden. Mancher, der Gutes tue, glaube offenbar, solche Regeln nicht zu brauchen. Über UNICEF habe in der Vergangenheit zuweilen "ein Hauch von Unantastbarkeit" gelegen.

Geht es nach Heraeus, sind diese Zeiten nun endgültig vorbei. Viele Spender hätten sich schon bereit erklärt, nach dem kompletten Neubeginn an der Spitze ihre Unterstützung für UNICEF fortzusetzen. (gri)

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema