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Aktuell Welt

UNICEF prangert Gewalt gegen Kinder an

UNICEF ruft dazu auf, Kinder und Jugendliche besser vor häuslicher Gewalt zu schützen. Körperliche Züchtigung, sexuelle Gewalt und selbst tödliche Übergriffe stünden in vielen Ländern auf der Tagesordnung.

Körperliche, sexuelle und seelische Misshandlungen durch Familienangehörige, Lehrer oder Freunde seien weltweit in erschreckendem Ausmaß verbreitet, warnt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF. Vielfach gelte Gewalt als sozial akzeptiertes Erziehungsmittel, in vielen Ländern fehlten zudem Gesetze für einen wirksamen Kinderschutz. Dies sei das Ergebnis "der bis heute umfassendsten Datensammlung zu Gewalt gegen Kinder" in 190 Ländern. Die Studie "Hidden in Plain Sight" mache das vielfach verdrängte und übersehene Leid unzähliger Kinder sichtbar. Danach erleben weltweit sechs von zehn Jungen und Mädchen zwischen zwei und 14 Jahren regelmäßig körperliche Strafen. In einigen Ländern seien auch schwere Prügelstrafen und Schläge auf den Kopf an der Tagesordnung.

Prügelstrafe in vielen Ländern normal

Noch immer sei die Haltung verbreitet, dass Gewalt gegen Kinder normal und zulässig sei, beklagte UNICEF-Exekutivdirektor Anthony Lake. Drei von zehn Erwachsenen weltweit sind laut Studie der Meinung, dass körperliche Züchtigungen zur Erziehung dazugehören. In den meisten Ländern herrsche diese Einstellung vor allem bei Eltern mit geringer Bildung und in sehr armen Familien vor. In Ländern wie Ägypten, dem Jemen und im Tschad würden sogar 40 Prozent der Kinder mit Prügel bestraft.

Der Report dokumentiert auch tödliche Gewalt: Danach wurden 2012 weltweit rund 95.000 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren ermordet, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die meisten tödlichen Übergriffe gab es in Nigeria und Brasilien.

Lebenslange Folgen der Prügel

Körperliche Übergriffe haben laut UNICEF vielfach lebenslange Folgen. Kinder, die regelmäßig Gewalt ausgesetzt seien, hätten oft Lernprobleme, entwickelten nur ein geringes Selbstvertrauen und litten öfter unter Depressionen. Außerdem setzten sie die "gelernten" Strategien später zum Teil selbst gegen Partner oder Kinder ein. "Gewalt zieht Gewalt nach sich", betonte Lake. "Wenn wir das Trauma von Kindern durch gesellschaftlich akzeptierte Gewalt nicht angehen, lassen wir die Türen für lebenslange Probleme geöffnet und legen die Saat für negative Einstellungen, die in die nächste Generation ausstrahlen."

UNICEF rief dazu auf, gerade Eltern mit geringem Bildungsstand besser aufzuklären und das Selbstbewusstsein von Kindern gezielt zu stärken. Auch die Gesetzgeber stünden in der Pflicht, durch Rechtsreformen wirksamen Kinderschutz zu gewährleisten.

ab/mak (AFP, edp)