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Aktuell Deutschland

UNICEF: Keine Chancengleichheit für Flüchtlingskinder in Deutschland

Die Situation der Flüchtlingskinder hänge stark vom Zufall ab, stellt UNICEF fest. Wer es bis nach Deutschland schafft, hat einen furchtbaren Leidensweg hinter sich - oft ohne Eltern. Und auch hier lauern große Gefahren.

Nach Einschätzung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) werden Flüchtlingskinder in Deutschland oft sehr ungleich behandelt. "Ihre Situation hängt oft stark vom Zufall ab", stellte das UN-Kinderhilfswerk fest. Bei der medizinischen Versorgung oder bei der Bildung seien sie deutlich schlechter gestellt als deutsche Kinder im gleichen Alter. Auch von Flüchtlingskind zu Flüchtlingskind gebe es große Unterschiede - je nachdem, ob man wegen des Herkunftslandes eine "gute" oder eine "schlechte" Bleibeperspektive habe. UNICEF verwies auf die UN-Konvention über die Rechte des Kindes. "Alle Kinder haben die gleichen Rechte - ganz egal woher sie kommen, welcher Gemeinschaft sie angehören und welchen Aufenthaltsstatus sie haben", erklärte Christian Schneider von Unicef Deutschland.

Problematische Unterbringungen in Großstädten

Der Rückgang der Flüchtlingszahlen führt laut UNICEF nicht automatisch dazu, dass provisorische Lösungen bei der Unterbringung aufgegeben werden - etwa umfunktionierte Turnhallen. Vor allem in Großstädten wie Berlin und Köln befürchtet das Hilfswerk, dass Familien sogar über Jahre in Gemeinschaftsunterkünften leben müssten. Das verzögere die Integration in Schulen und Kindergärten.

In einem Klassenraum sitzen zwei Mädchen nebeneinander an einem Tisch. Beide melden sich. (Foto: picture-alliance/dpa/M. Skolimowska)

Die Chancen von Flüchtlingskindern hängen von ihrer Bleibeperspektive ab

Besonderen Anlass zur Sorge mit Blick auf Kinder gebe die neu geschaffenen "Sondereinrichtungen" für Menschen mit "schlechter Bleibeperspektive", also aus Ländern mit einer geringen Anerkennungsquote bei Asylverfahren, stellt der Bericht zudem fest. Dort seien die Chancen der Kinder noch geringer, zum Beispiel zur Schule gehen zu können - obwohl sie häufig sechs Monate oder länger in den Einrichtungen lebten. Es fehle an Privatsphäre - und ein ruhiges Plätzchen für die Hausaufgaben sei schwer zu finden. UNICEF fordert unter anderem eine bundesgesetzliche Regelung, um Flüchtlingskinder überall zu schützen und zu fördern.

Kinder werden ausgebeutet

Aus Sicht des Kinderhilfswerkes geben viele Entwicklungen aus den vergangenen Monaten Anlass zur Sorge. Immer mehr Kinder fliehen nach UN-Angaben ohne ihre Eltern über das Mittelmeer nach Europa. Mehr als neun von zehn Minderjährigen, die in diesem Jahr in Italien ankamen, waren unbegleitet, erklärte das UN-Kinderhilfswerk in Genf. Diesen Kindern drohe damit ein großes Risiko, ausgebeutet und missbraucht zu werden oder zu sterben. Etwa 7000 Mädchen und Jungen seien alleine von Nordafrika nach Italien geflohen. Das seien doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum 2015, hieß es in einem entsprechenden Bericht.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden laut UNICEF häufig von Schmugglern geschlagen, sexuell missbraucht, als Arbeitskräfte ausgebeutet und in die Prostitution gezwungen. Einige Mädchen seien bereits in Libyen als Prostituierte ausgebeutet worden und bei ihrer Ankunft in Italien schwanger gewesen.

Die meisten der Geflohenen mit und ohne Aufsichtsperson stammten aus Ägypten, Gambia, Guinea und der Elfenbeinküste. Viele der unbegleiteten Kinder seien von Beginn ihrer Flucht an auf sich alleine gestellt gewesen, andere hätten auf der gefährlichen Reise ihre Eltern oder ein Elternteil verloren, hieß es.

pab/ml (dpa, epd)