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Bildung

Uni Tübingen: Spitzenforschung statt Idylle

Jahrelang ruhte sich die Universität Tübingen auf den großen Namen der Vergangenheit aus. Damit ist seit einiger Zeit Schluss. Die Uni hat hart gearbeitet und gehört nun zu den deutschen Spitzenhochschulen.

Windschiefe, mittelalterliche Fachwerkhäuschen in bunten Farben. Dazwischen der dicke, runde Turm, in dem Hölderlin vermutlich seine letzten Lebensjahre verbrachte. Der Neckar von uralten Platanen gesäumt. Und Studenten in Stocherkähnen oder Tretbooten. Jahrzehntelang kokettierte die Universitätsstadt Tübingen mit diesem putzig-verschlafenen Postkarten-Image.

Die Hochschule schien richtig stolz darauf zu sein, dass es nirgends in der Innenstadt ein zusammenhängendes modernes Campus-Gelände gibt und dass die altehrwürdigen Geisteswissenschaften noch in denselben historischen Gebäuden untergebracht sind wie zu Mörikes oder Hegels Zeiten. Vor lauter Beschaulichkeit hätte die Universität beinahe den Anschluss an die internationale Spitzenforschung verpasst.

Aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Die Neckarfront in Tübingen (Foto: Universität Tübingen)

Tübingen genießt heute wieder einen guten Ruf als Studienort

Heute genießt die Universität dank verschiedener Förder-Initiativen wieder deutschlandweit bei Studierenden und Studienbewerbern einen guten Ruf. Die Medienwissenschaft zum Beispiel wird seit einiger Zeit mit Geldern aus dem universitären Innovationsfonds gefördert. Vier neue Professuren wurden eingerichtet, und die Studierenden sind mit Betreuung und Lehre zufrieden.

"Ich war unheimlich stolz darauf, dass ich nach meiner Bewerbung zum Master-Studium eine Zusage aus Tübingen bekommen habe", erinnert sich ein Student. "Tübingen ist für mich einfach eine der besten Universitäten Deutschlands. Und darum finde ich es richtig, dass sie sich als Elite-Uni beworben hat."

Auch offiziell ist die Uni Tübingen nun eine der besten Hochschulen Deutschlands. Bis 2017 darf sie sich "Elite-Universität" nennen. Rektor Bernd Engler sieht in der Auszeichnung eine riesige Chance für seine Universität. "Wir werden sie ergreifen, wir werden sie beherzt umsetzen und von daher freue ich mich auf die nächsten Jahre mit dieser Universität, die jetzt durchstartet."

Im ersten Anlauf gescheitert

Forschungsgebäude des Werner Reichardt-Centrums für Integrative Neurowissenschaften (CIN) - Foto: CIN.

Am CIN wird international relevante Forschung betrieben

In der ersten Runde wurde aus den ehrgeizigen Elite-Plänen der Uni-Leitung allerdings nichts. Immerhin hat Tübingen aber seither das Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) als Exzellenz-Cluster in der Förderung. Max-Planck-, Hertie- und Helmholtz-Institute widmen sich hier gemeinsam mit der Universität der Erforschung des menschlichen Gehirns. "In diesem Zentrum werden vor allem das Funktionieren des Gehirns, die Steuerungsfähigkeit des Gehirns und die Speicherfähigkeit des Gehirns erforscht", erklärt Engler stolz.

Das CIN wird auch weiterhin als Exzellenzcluster gefördert. Tübingen ist eben nicht nur romantisch, ein bisschen niedlich-konservativ, sondern auch ein ernst zu nehmender Ort international relevanter Wissenschaft und Forschung.

Das Zauberwort heißt Integration

Der Rektor der Universität Tübingen, Prof. Dr. Bernd Engler (Foto: Universität Tübringen)

Uni-Rektor Bernd Engler ist stolz auf das bisher Erreichte

Insgesamt war die Universität Tübingen bis zum Schluss mit vier Anträgen im Rennen um Fördergelder aus der Exzellenz-Initiative. Am Ende konnte sie sich mit drei Anträgen - Zukunftskonzept, Exzellenzcluster und eine Graduiertenschule - durchsetzen. Die Uni Tübingen setzt auf die Idee von Interdisziplinarität und Integration - ganz so wie es das Zentrum für Integrative Neurowissenschaften bereits vormacht: Kooperation mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, aber auch mit Wirtschaft und Industrie sollen künftig im Mittelpunkt stehen. Genauso wie interdisziplinäre Forschungsprojekte im Bereich der Sprach- oder Lernforschung etwa.

Von der engmaschingen Betreuung und Förderung amerikanischer Elite-Unis wie Havard oder Yale etwa ist Tübingen trotz "Elite-Status" noch immer weit entfernt. Die Förderung richtet sich an die Forschung, betont Rektor Engler. Dennoch verspreche man sich durch gezielte Förderung der Forscher natürlich auch positive "Nebenwirkungen" für die Lehre.

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