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Bildung

Uni Bremen: Von der Kuhwiese zum Campus

Die Universität Bremen ist nun eine der deutschen "Elite-Universitäten". Punkten konnte sie durch ihre Forschungskooperationen. Und mit der Frauenförderung. Die Studierenden sind skeptisch.

Wo heute die Universität Bremen steht, grasten vor vierzig Jahren noch Kühe. Dass seine Uni am Stadtrand von Bremen zwischen Wald und Autobahn auf einer ehemaligen Kuhwiese errichtet wurde, betont Rektor Wilfried Müller gerne. Von der Dung- und Viehwirtschaft zu einer Top Universität – so ein Image lässt sich gut vermarkten im Wettbewerb um den Exzellenztitel.

Wilfried Müller, Rektor der Uni Bremen (Foto: Universität Bremen)

Uni-Rektor Wilfried Müller

Den Titel "Elite-Universität" darf die Uni Bremen nun führen. Dabei hatte man sich vor der Entscheidung gar nicht so große Chancen ausgerechnet. Sechzehn Universitäten hatten sich beworben, sieben Neuberwerber und neun Hochschulen, die bereits "exzellent" waren. "Diese neun, die schon jetzt den Titel tragen, haben deutlich größere Chancen als die anderen sieben", befürchtete Uni-Rektor Wilfried Müller vor der Entscheidung. Umso größer ist nun die Freude. „Ich empfinde diesen Erfolg als Sensation und als Höhepunkt unserer mehr als 40-jährigen Universitätsgeschichte“, sagte Müller in einer ersten Reaktion auf den Sieg der Uni Bremen.

Mittelgroß und drittmittelstark

40 Jahre nach ihrer Gründung zählt die Uni Bremen heute fast 20.000 Studierende und rund 250 Professorinnen und Professoren. Damit gehört sie zwar nur zu den mittelgroßen Universitäten, dafür ist sie eine der drittmittelstärksten Hochschulen in Deutschland. Mehr als 90 Millionen Euro im Jahr wirbt die Uni inzwischen vom Bund, von der Europäischen Union, der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie der Privatwirtschaft für Forschungsaufträge ein. Das macht ein Drittel des Gesamtetats der Uni aus.

Forschungsstarke Kooperationen

Weltkugel vor dem Ecotec-Gebäude im Technologiepark Bremen (Foto: Universität Bremen

Mehrere hundert Einrichtungen forschen im Technologiepark rund um den Uni-Campus

Seit gut 20 Jahren wächst rund um den Uni-Campus ein Technologiepark. Mehr als 400 Unternehmen und Forschungseinrichtungen haben sich hier direkt neben der Uni angesiedelt. Eine ähnlich starke Dichte an technologie- und forschungsstarken Einrichtungen könnten - neben Bremen - nur noch Berlin und Dortmund aufweisen, erklärt Müller. "Wir kooperieren mit dem Max-Planck-Institut, mit dem Fraunhofer-Institut, mit der Universität Oldenburg und der Jacobs Universität in Bremen", sagt der Rektor. "Es ist, wenn man so will, ein Grundprinzip bei uns, und das wollen wir veredeln." Mit dem Geld aus dem Topf der Exzellenzinitiative will die Uni ihre Forschungskooperationen weiter ausbauen, beispielsweise, indem sie so genannte Brücken-Professuren und Nachwuchsgruppen finanziert, die mit außeruniversitären Einrichtungen an neuen Forschungsthemen arbeiten.

Vorbildlich ist die Frauenförderung der Hochschule. Die Universität hat schon jetzt, im Vergleich zu den meisten anderen Hochschulen in Deutschland, mit fast 27 Prozent relativ viele Frauen in der Professorenschaft. Das Bremer Gleichstellungsgesetz hat hier nachgeholfen, aber auch das Rektorat der Universität. Mit dem Geld aus der Exzellenzinitiative sollen einige Professorenstellen wieder neu besetzt werden. Hierfür will die Uni vor allem Frauen finden: "Es gibt vor der Freigabe einer Professur einen Rechercheauftrag. Und der lautet, sich insbesondere um sehr gute Wissenschaftlerinnen zu bemühen", so der Uni-Chef.

Zuviel Forschung, zu wenig Lehre?

Uni Bremen: AStA-Vorsitzende Sonja Kovacevic (Foto: Max Forster)

AStA-Vorsitzende Sonja Kovacevic

Gerade unter den Studierenden an der Uni Bremen findet die Teilnahme am Exzellenz-Wettbewerb aber nicht nur Zuspruch. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA), die Vertretung aller Studentinnen und Studentinnen der Hochschule, befürchtet eine zunehmende Abhängigkeit von den Geldgebern. Die Bundesregierung fördere mit ihrer Exzellenzinitiative vor allem die Forschung an den Universitäten, kritisiert AStA-Vertreterin Sonja Kovacevic. Das berge Gefahren für die Uni.

"Der Bund kann noch so mit großen Summen winken, Bundesländer wie Bremen stehen permanent am Rande der Pleite", gibt Sonja Kovacevic zu bedenken. "So verführt der Bund die Unis mit seiner Exzellenzinitiative, sich noch mehr auf Forschung zu konzentrieren." Das werde langfristige Folgen haben, warnt die AStA-Vertreterin. Sie fordert ein Mitspracherecht der Studierenden bei der Verteilung der 50 Millionen, die die Uni bis 2017 bekommt.