1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Bildung

Uni Bochum mit 70er-Jahre-Charme

Die Ruhr-Universität Bochum zählt zu den zehn größten Unis Deutschlands. An der Volluniversität kann man alle wichtigen wissenschaftlichen Fächer studieren - in über 150 Studiengängen.

Eine Schönheit ist sie nicht, die Ruhr-Universität Bochum (RUB). Als Betonlandschaft strahlt sie den Charme der 70er Jahre aus, an vielen Gebäuden bröckelt die Fassade. Mitten auf dem Campus ragt das Hörsaalgebäude Auditorium Maximum in den Himmel. Rechts und links davon sind symmetrisch die anderen Hochschulbauten angeordnet, klotzige Hochhäuser, auch sie aus Beton. Stefan studiert in einem von ihnen Sport und Spanisch und hat sich mittlerweile an die Optik gewöhnt.

Hässlich, aber funktional

Zwischen den Unigebäuden der Ruhr-Universität Bochum lagern Studenten auf den Wiesen (Foto: DW/Sola Hülsewig)

Rund um die Gebäude sitzen die Studierenden auf den Wiesen

Zwar seien die Gebäude nicht nur hässlich, findet er. Und es sei auch schwierig, sich als Neuling an der Uni und innerhalb der Bauten zu orientieren. Doch der wunderschöne Blick hinab ins grüne Ruhrtal mache die Betonklötze wieder wett. Stefan studiert gerne an der RUB. Sämtliche Gebäude der Campus-Uni seien nah beieinander, so dass man regelmäßig auch Studenten aus anderen Fachbereichen sehe und leicht mit ihnen in Kontakt komme.

Bei schönem Wetter, wie jetzt, habe das Unigelände geradezu Festivalcharakter, sagt eine andere Studentin. Rund um die Gebäude sitzen Studentinnen und Studenten unter Bäumen, auf Treppenstufen und Wiesen, unterhalten sich oder gehen das Skript für das nächste Seminar durch.

Erste Uni-Neugründung der Bundesrepublik

Über 36.500 Menschen studieren hier. Die RUB ist eine Volluniversität, das heißt, man kann hier alle wichtigen wissenschaftlichen Fachbereiche studieren. Sie zählt zu den zehn größten Unis Deutschlands, aktuell werden über 150 Studiengänge in Bochum angeboten.1965, als die Ruhr-Uni ihren Lehrbetrieb aufnahm, war sie die erste neu gegründete Universität der Bundesrepublik, sagt Ulf Eysel, Prorektor für Forschung. Die Aufgabe der Ruhr-Universität sei primär gewesen, ein breites Bildungsangebot für die große Industrieregion im Westen Deutschlands zu schaffen. "Die Ruhr-Uni hat sich dann aber ganz schnell als Forschungsuniversität etabliert und war bereits in den 80er Jahren unter den besten zehn, fünfzehn Universitäten, was die Forschungsstärke in Deutschland anging", so Eysel.

Studierende der Ruhr-Universität Bochum (Foto: DW/Sola Hülsewig)

Die RUB gehört zu den zehn größten Universitäten in Deutschland

Den guten Ruf als Forschungsuniversität hat die RUB behalten, beziehungsweise ausgebaut. Schon 2007 hatte sie sich in der Exzellenzinitiative um den Status einer Elite-Universität und damit besondere Fördergelder beworben. Damals hatte die Uni es unter die letzten acht Bewerber geschafft, bevor sie ausschied. In diesem Jahr ist sie wieder vorne mit dabei. Exzellente Forschung zu gewährleisten und zu fördern ist bei dem großen regionalen Bildungsauftrag der RUB mit ihren ganz unterschiedlichen Angeboten eine besondere Herausforderung, sagt Ulf Eysel. Die Universität setzt deshalb auf die Vernetzung unterschiedlicher Disziplinen.

Bereits 20 Millionen Euro Fördergelder erhalten

Seit der letzten Bewerbungsrunde wurden so genannte Research Departments entwickelt, die fakultätsübergreifend an bestimmten Themen forschen. Mittlerweile gebe es sechs solcher Departments mit Sonderforschungsbereichen, Forschergruppen und Graduiertenkollegs, sagt Prorektor Eysel. "Die Zusammenarbeit der Fakultäten wurde dadurch extrem positiv gefördert, viele neue Forschungsverbünde und Forschungsthemen sind daraus hervorgegangen." Dieses Zukunftskonzept hat das Land Nordrhein-Westfalen bereits mit 20 Millionen Euro unterstützt, durch eine Stiftung und eigene Mittel kamen noch einmal 20 Millionen an Fördergeldern hinzu.

Im Innern der Ruhr-Universität Bochum (Foto: DW/Sola Hülsewig)

Die Orientierung im Innern der Uni fällt manchmal schwer

Ein weiteres Element, mit dem die Ruhr-Uni in der Exzellenzinitiative punkten will, ist die besondere Förderung einzelner Forscher. Sie seien die ersten Kristallisationspunkte für zukünftige Forschungsverbünde, so Eysel. Die internationalen Kontakte, die jeder einzelne Forscher mitbringe, sollen dabei gebündelt und ausgebaut werden, da sie auch der gesamten Universität nützlich seien. Ob die RUB in diesem Jahr zur Elite-Uni aufsteigt, dazu will Eysel jedoch keinen Tipp abgeben. Schließlich hätten sich auch die Mitbewerber stark verbessert.

Wem nützt der Elite-Status?

Dem Sport- und Spanischstudenten Stefan ist es egal, ob seine Uni die Förderung bekommt, sagt er. Wenn man eine Ingenieurswissenschaft oder Medizin studiere, könne man vielleicht später damit punkten, an einer Elite-Universität studiert zu haben. "Ich studiere aber auf Lehramt und ich bezweifle, dass eine Schule, die später einen Lehrer braucht, besonders im Bereich Sport und Spanisch, darauf achtet, dass der Lehrer von einer Elite-Universität kommt."

Stefan studiert im zweiten Mastersemester Sport und Spanisch auf Lehramt an der Ruhr-Uni Bochum. Hier steht er vor dem Hochhaus GB (Foto: DW/Sola Hülsewig)

Auch Student Stefan soll von einer möglichen Förderung profitieren

Prorektor Ulf Eysel sieht das anders. Wenn Stefan ehrgeizig sei und besonders gute Leistungen erbringe, könne er sehr wohl von einer möglichen Exzellenzförderung profitieren, sagt Eysel. So sollen Doktoranden und Masterstudenten besondere Förderprogramme wahrnehmen können, die sie beispielsweise bei einem Auslandsaufenthalt unterstützen.

Aber auch, wenn die Ruhr-Universität in der Bewerbung scheitern sollte, wird das Studieren in Bochum in den kommenden Jahren angenehmer, ist sich Ulf Eysel sicher. So hat sich beispielsweise das Land NRW entschlossen, alle Uni-Gebäude kernsanieren und modernisieren zu lassen. "Das Antlitz der Universität wird sich verändern, es wird mit viel Glas gebaut und sehr hell werden, dazu entsteht noch mehr Platz für die vielen Studenten", sagt Prorektor Eysel.

Die Redaktion empfiehlt