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Politik & Gesellschaft

Uni-Ärzte wollen streiken

Die Ärzte an deutschen Unikliniken rüsten sich zum Streik. Sie fordern mehr Geld, auch für die Arbeit in der Nacht. Der Ausstand soll Anfang November beginnen.

Leere Betten in der Uniklinik (Foto: dpa)

Leere Betten in der Uniklinik - im November droht ein neuer Streik der Mediziner

Fünf Jahre nach den ersten großen Ärztestreiks an deutschen Unikliniken planen die Mediziner erneut den Ausstand. Bei einer Urabstimmung der Klinikärzte-Gewerkschaft Marburger Bund (MB) votierten rund 97 Prozent für einen neuen Arbeitskampf. Das gab der stellvertretende Vorsitzende, der Ärztegewerkschaft, Andreas Botzlar, am Freitag (21.10.2011) bekannt. Nach seinen Worten kann der Streik flächendeckend am 7. November beginnen; betroffen sollen 23 Uniklinken in Deutschland sein, lediglich zwei Bundesländer werden nicht von dem Ausstand der Mediziner erfasst. Es handelt sich um Hessen und Berlin; beide Länder gehören nicht der Tarifgemeinchaft deutscher Länder (Tdl) an.

Andreas Botzlar, Zweiter Bundesvorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (Foto: picture alliance)

Andreas Botzlar, Zweiter Bundesvorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund

Mit dieser Tarifgemeinschaft hatte der Marburger Bund ingesamt fünf Verhandlungsrunden geführt. Als diese Gespräche Ende September ohne Ergebnis blieben und eine Annäherung mit den Arbeitgebern nicht erkennbar war, entschloss sich die Ärztegewerkschaft, die rund 20.000 Mediziner an Unikliniken vertritt, zur Urabstimmung.

Mehr Geld für Nachtschichten gefordert

Die Ärzte fordern tarifliche Verbesserungen im Volumen von 6,3 Prozent. Es geht zum einen um eine fünfprozentige Erhöhung des Grundgehalts, außerdem sollen die Zuschläge für Nachtarbeit erhöht werden. Gefordert wird ein 25-Prozent-Aufschlag für den Nachtdienst der Uni-Ärzte in Kliniken.

Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder als Vertretung der Arbeitgeberseite reagierte mit Unverständnis auf die Streikankündigung. Diese sei vollkommen unangemessen, sagte der TdL-Vorsitzende und niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring. Er forderte die Gewerkschaft auf, ihre unrealistischen Forderungen zu überdenken und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ein Streik auf dem Rücken der Patienten sei unnötig, ärgerlich und nicht verantwortbar, meinte Möllring.

Sorge vor Reallohnverlust

OP-Team im OP-Saal bei einer Operation (Archivfoto: fotolia)

Notfallmedizin wird nach Gewerkschaftsangaben von dem Streik ausgenommen

Von den Äußerungen der Arbeitgeberseite zeigte der Marburger Bund sich unbeeindruckt. Dessen Vize-Vorsitzener Botzlar sagte, die Arbeitgeber hätten einen finanziellen Spielraum von 3,75 Prozent für zwei Jahre angedeutet. Für die ohnehin schlecht bezahlten Klinikärzte bedeute das einen Reallohnverlust und deshalb sei der für Anfang November geplante Arbeitskampf richtig.

Einen nur punktuellen und nur auf einige wenige Kliniken bezogenen Streik schloss Botzlar dabei aus. "Wir werden von Anfang an aus vollen Rohren schießen", drohte er. Geplant seien tagelange Verzögerungen für Nicht-Notfall-Behandlungen und Verschiebungen von geplanten Eingriffen. Die Notfall- und Intensivmedizin werde aber nicht bestreikt, versicherte Botzlar. Die Patientenbetreuung sei hier auch im Streikfall sicher gewährleistet.

Autor: Hans Ziegler (dpa, dapd, afp)
Redaktion: Martin Schrader

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