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Musik

Unheilig: Aus der Gruft in den Olymp

Die Anfänge der Band Unheilig liegen im Gothic-Düsterpop, und bis vor kurzem fristete sie ein Nischendasein: Doch seitdem der Graf, Frontsänger und Kunstfigur, sich dem Mainstream Pop öffnete, ist er in aller Munde.

Nach außen hin gibt sich der nur als "der Graf" bekannte Sänger und Songschreiber der Aachener Band Unheilig stets geheimnisvoll und ein bisschen unnahbar. Doch das ist nur Kulisse, denn er ist ein sensibler Künstler, den der große Erfolg seines letzten Albums gar nicht kalt lassen konnte.

Er musste einfach darüber schreiben, und so dreht sich sein neues Album "Lichter der Stadt" nicht wirklich um eine Ortschaft. Stattdessen ist es ein Sinnbild für die  letzten beiden Jahre, die sein Leben total verändert haben. Der Graf bringt das auf folgenden Nenner: "Ich kam mir damals vor wie der kleine Junge vom Land, der plötzlich in einer Großstadt war. Und die Großstadt ist dieser ganze Rummel um mich herum gewesen."

Über Nacht ein Star

Cd-Cover 'Grosse Freiheit' der Band Unheilig

Mit dem Album "Grosse Freiheit" wurde Unheilig berühmt

Trotz zehnjähriger Arbeit an seiner Karriere kam der Erfolg dann letztendlich doch überraschend. Und weil sich damit der langgehegte Traum des Grafen erfüllte, nahm er möglichst alle angebotenen Termine wahr: große Konzerte, kleine Konzerte, Fernsehen, Radio, Autogrammstunden - und nicht zuletzt auch weniger werbewirksame Besuche in Hospizen und Krankenhäusern.

Das konnte nicht ohne Wirkung bleiben. Gerade die beiden letztgenannten Verpflichtungen haben den Grafen extrem mitgenommen, gesteht er. Als er merkte, dass alles ein bisschen viel für ihn wurde, fing er an, seine Erfahrungen und Gefühle in Liedern zu verarbeiten. Wie eigentlich immer in seinem bisherigen Leben.

Profilschärfung zwischen Rammstein und Schlager

'Lichter der Stadt', CD Cover (Foto: Unheilig)

Auf "Lichter der Stadt" verarbeitet der Graf seine Erfahrungen

So ist das mittlerweile achte Unheilig-Album "Lichter der Stadt" eigentlich ein Konzeptalbum, auf dem der Songschreiber sich seinen Zuhörern weiter öffnet als je zuvor. Und das, obwohl sich der Künstler nur ungern nahe kommen lässt und sein Privatleben konsequent auch wirklich privat hält.

Musikalisch habe er die 16 neuen Songs zur Schärfung seines Profils benutzt, sagt er, denn er habe vom letzten Album gelernt, dass ein Song immer für sich allein stehen sollte. "Eine Ballade ist eine Ballade, und eine harte Nummer ist eine harte Nummer", bringt er seine Erkenntnisse auf den Punkt. Aus diesem Grund seien beispielsweise auch die Gitarren in den härteren Stücken viel deutlicher wahrzunehmen als bisher. Wohl auch deswegen, weil der Graf gleichzeitig auf musikalische Weichmacher wie Streicher verzichtet, die bisher die Härten abfederten.

Dabei entwickelt "Lichter der Stadt" eine sehr große musikalische Bandbreite: Mindestens drei der neuen Songs können durchaus mit Rammstein konkurrieren, während andere an U2, A-ha und Coldplay erinnern. Gekrönt wird das Ganze von absolut weichgespülten Nummern, die auch Schlagershow tauglich sind. Aber wie eine echte Metropole hält auch dieses Album dem wilden Musik-Mix ausgezeichnet stand, denn es trägt unverkennbar die Handschrift des Grafen.

Künstlerische Kollaborationen oder kompromittierte Kunst?

Der Graf von der Band Unheilig (Foto: Revierfoto pixel)

Der Graf weckt bei Frauen Beschützerinstinkte

Tatsächlich gibt es sogar noch deutlichere Neuerungen auf Unheiligs aktuellem Album "Lichter der Stadt": zwei Duette, die der Graf mit derzeit ausgesprochen angesagten Kollegen geschrieben und gesungen hat, nämlich Andreas Bourani und Xavier Naidoo. Der Musiker aus Aachen sieht das als normale Weiterentwicklung, die durch die Umstände bedingt wurde. Bourani hat er bei der Echoverleihung getroffen, während er Naidoo bei einem gemeinsamen TV-Termin kennenlernte. Beide hätten auf seine Anfrage hin einer Zusammenarbeit begeistert zugesagt und ihren eigenen kreativen Input zu den jeweiligen Stücken geleistet", freut sich der Kopf von Unheilig.

Wobei Kritiker dem Graf nicht zuletzt auch anhand dieser Kollaborationen sowie dem Verzicht auf seine Mönchskutte und die weißen Kontaktlinsen vorwerfen, er selbst sei schon seit Jahren immer kommerzieller geworden, um noch mehr Erfolg zu haben. Doch der so Gescholtene rückt mit wenigen Worten alles ins rechte Licht und erklärt: "Die Verkleidung 'Der Graf 'ist ja nichts anderes als eine Art Schutz. Ich bin wegen meines Stotterns sehr unsicher und schüchtern gewesen und habe mich hinter diesem erfundenen Charakter versteckt."

Doch der Graf konnte sich längst emanzipieren und will dabei Vorbild für andere sein: "Ich bin in den letzten Jahren wesentlich mutiger geworden. Die Offenlegung meiner größten Ängste hat mir geholfen, über sie hinauszuwachsen."

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