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Fokus Südosteuropa

Ungewisse Zukunft für kroatische Werften

Die Privatisierung der Werften in Kroatien geht in die zweite Runde. Doch das Interesse der Investoren ist gering, so dass die Privatisierung zu scheitern droht. Sanierungsvorschläge kommen auch von den Werftarbeitern.

Werftarbeiter arbeiten im Trockendock der Werft (Foto: dpa)

Werften in Kroatien suchen liquide Investoren

Die Werften sind in Kroatien ein wichtiger Industriezweig, in dem viele Menschen Beschäftigung finden. Sie sind jedoch nicht profitabel und werden es noch weniger sein, wenn die staatlichen Zuschüsse, wie von der EU verlangt, entfallen. Deshalb sollen sie bereits seit Jahren privatisiert werden, was allerdings eher schleppend vorangeht.

Eine Ausschreibungsfrist, bis zu der die Werften verkauft sein sollten, ist bereits verstrichen. Das Interesse ist bei in- wie ausländischen privaten Investoren verhalten. Doch auf genau diese haben die kroatischen Schiffbauer gesetzt. Ein Grund für das mangelnde Interesse ist nach Angabe von Fachleuten, dass die Werften veraltet und in einem maroden Zustand sind. Ein potentieller Käufer müsste auch viel Geld für die Instandsetzung aufbringen.

Eigeninitiative gefordert

Ein Auktionshammer schwebt an einem Pult (Foto: dpa)

Fünf Werften drohen unter den Hammer zu kommen

Unterdessen rückt das Ende der jetzigen Ausschreibungsfrist näher. Sollten sich keine Bewerber finden, droht fünf Werften die Versteigerung. Deswegen hat Ozren Matijasevic, der als Vorsitzender des Kroatischen Gewerkschaftsverbandes im Aufsichtsrat des Kroatischen Privatisierungsfonds sitzt, die Regierung aufgerufen, die Frist für die Abgabe von Kaufangeboten zu verlängern, falls sich doch noch ernsthafte Interessenten meldeten.

Zudem forderte Matijasevic die Werftleitung auf, umgehend aussagekräftige Geschäftspläne auszuarbeiten. Dafür soll die große Werft „3. Mai“ in Rijeka als Vorbild dienen. Die den Geschäftsplänen zugrundeliegenden Kalkulationen dürften allerdings keine Subventionen vorsehen, da die EU-Auflagen solche nicht erlauben, so der Gewerkschafter.

Rund 50.000 Arbeitsplätze gefährdet

Ein 300-Tonnen-Kran in der Werft des Schiffbauunternehmens 3. Mai in Rijeka, an der nördlichen Adria, in Kroatien (Foto: DW)

Traditionswerft geht in die Offensive

Die Werft „3. Mai“ hatte aus Furcht vor der Versteigerung und vor dem Hintergrund, dass 3000 Arbeitsplätze bedroht waren, Experten zu Rate gezogen und der Regierung vorgeschlagen, die staatliche Werft in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Die Mitarbeiter würden die Aktien erwerben und auch das Unternehmen leiten. Allerdings sollte bei diesem Modell der Staat in den kommenden fünf Jahren die Bürgschaft übernehmen, was aber gegen EU-Vorgaben verstößt.

Die Beschäftigten bei den Werften und der Zulieferindustrie haben unterdessen angekündigt, notfalls mit Gewalt um ihre Arbeitsplätze zu kämpfen. Von ihrem Fortbestand hängen in Kroatien Schätzungen zufolge etwa 50.000 Mitarbeiter und ihre Familien ab. Alle kroatischen Regierungen haben den Schiffbau finanziell unterstützt. Es ist aber den meisten Werften dennoch nicht gelungen, sich auf eigene Füße zu stellen. Die Beschäftigten erwarten jedoch, dass auch bei einer Privatisierung fast alle Arbeitsplätze erhalten bleiben und bieten auch eigene Rettungspläne wie die der Werft „3. Mai“ an. Allerdings wird in allen Modellen der Staat zur Kasse gebeten.

Autorinnen: Gordana Simonovic / Mirjana Dikic

Redaktion: Fabian Schmidt

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