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Staunen und Wundern

Ungewöhnliches Mietverhältnis

Zum Schlafen geht es in die fleischfressende Pflanze! Die nachtaktive Hardwicke-Wollfledermaus macht es sich ausgerechnet in zwei Arten von fleischfressenden Kannenpflanzen bequem.

Eine Wollfledermaus im Regenwald in Borneo in ihrem Schlafquartier, der Kannenpflanze. (Foto: Michael Schöner/Univerität Würzburg dpa/lby)

Fledermaus in Kannenpflanze

Die Fledermäuse im Dschungel von Borneo sind bei der Wahl ihres Schlafplatzes durchaus anspruchsvoll: Zum einen soll ihr Schlafgemach nicht inmitten der Sonne liegen und nicht zu heiß sein. Zum anderen ist ihnen vor allem ein sicherer Unterschlupf wichtig, der ihnen auch am Tag Schutz vor Parasiten und Räubern bietet.

Umso verwunderlicher ist es, dass es die Hardwicke-Wollfledermaus gerade in fleischfressenden Pflanzen ganz besonders gemütlich findet. Zwei Arten der Kannenpflanze Nepenthes sind es, die sich die Fledermaus als Plätzchen für ihren Tagesschlaf ausgeguckt hat.

Vorteile für beide Parteien

Nepenthes hemsleyana ist eine Art der beiden Pflanzen, in der die Fledertiere tagsüber gerne ihr Nickerchen machen. In der Regel nutzt diese fleischfressende Kannenpflanze ihre trichterförmigen Ausstülpungen für die Nahrungsbeschaffung: Sobald Insekten hineinrutschen, löst der Verdauungssaft in der Kanne sie auf.  So gewinnt Nepenthes hemsleyana wichtige Nährstoffe.

Es scheint aber, als wäre die Fledermaus der Pflanze als Untermieter nicht ganz unlieb. Denn der Kot, den die Wollfledermäuse in der Kannenflüssigkeit hinterlassen, hat etwa denselben Effekt wie die Nährstoffe durch hineinfallende Insekten: Auch durch ihn gewinnt die Pflanze Stickstoff - ein lebenswichtiger Baustein.

Somit ist es eine ganz spezielle Art Miete, die die Fledermaus für den sicheren Schlafplatz zahlt. Dieses Zusammenleben - bei dem beide Parteien Vorteile daraus ziehen - wird in der Biologie als Symbiose bezeichnet.

Neue Studie: Herbergen zweiter Wahl

Der Blick in den Trichter der Kannenpflanze zeigt eine ertrunkene Fliege. Foto: picture alliance/WILDLIFE

Die fleischfressende Pflanze Nepenthes fängt mit ihren Kannen normalerweise Insekten

Das einvernehmliche Mietverhältnis speziell bei Nepenthes hemsleyana hatten Wissenschaftler der Universität Greifswald, der Universität Würzburg und der Universität Brunei Darussalam auf Borneo vor einiger Zeit entdeckt. Jetzt fanden die Forscher heraus, dass es noch eine weitere Kannenpflanzenart gibt, die die Fledermäuse als Tageslager nutzen: Nepenthes bicalacarta.

In ihr können die kleinen Tiere jedoch nur schlafen, wenn die Kanne entweder abgestorben oder beschädigt ist, da sie ansonsten fast ganz mit Verdauungsflüssigkeit gefüllt ist. 

Insgesamt scheint die Pflanze mit den defekten oder abgestorbenen Kannen aber auch die Herberge zweiter Wahl zu sein. "Die Unterkunft in diesen Kannen ist für die Fledermäuse nicht mehr so vorteilhaft", fasst Gerald Kerth vom Greifswalder Forscherteam die neusten Erkenntnisse zusammen.

Keine Miete, weniger Komfort

Im Vergleich zu Nepenthes hemsleyana biete Nepenthes bicalacarta den Fledertieren das schlechtere Klima, ergänzt Michael Schöner, auch einer der Greifswalder Wissenschaftler. Die Tiere, die in den abgestorbenen Kannen gefunden wurden, seien in einer merklich schlechteren körperlichen Verfassung gewesen als ihre Artgenossen in  Nepenthes hemsleyana.

Auf der einen Seite unkomfortabler, ist die Nepenthes bicalacarta so gesehen aber auch die günstigere  Alternative: Denn diese Kannenpflanze kann mit der speziellen Mietzahlung - dem Kot der Fledermäuse - ohnehin nichts mehr anfangen, da sie durch die fehlende Verdauungsflüssigkeit keine Nährstoffe daraus ziehen kann. Hier ist es also ein eher ein eher einseitiges Mietverhältnis: Nur die Fledermaus hat den Nutzen.

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