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Politik

Ungeliebte Hauptstadt

Armes Berlin: Deutschlands Metropole bekam nicht nur gerade bestätigt, dass sie eine der unattraktivsten deutschen Städte ist. Auch die Techno-Jünger wollen ihre Love Parade künftig nicht mehr in Berlin abhalten.

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Wir haben´s ja gewusst: Ein Unglück kommt selten allein. Aber dass es uns in Berlin gleich so hart treffen muss... Da blieb uns doch beim morgendlichen Blick in die Zeitung die Schrippe im Hals stecken: "Die Love-Parade" ist abgesagt" und: "Berlin belegt den drittletzten Platz in Sachen Lebensqualität und Wirtschaftskraft" mussten wir lesen. Auweia.

15 Jahre lang hatte Berlin wenigstens eine stabilisierende Konstante: Die "Love Parade". Jedes zweite Juli-Wochenende war es soweit: Da zogen die Techno-Liebhaber durch die Straßen, beglückten rücksichtsvoller Weise auch Techno-Nichtliebhaber mit ihren ohren-betäubenden Beats und ließen ihren Trieben freien Lauf... Die Krönung der Spaßgesellschaft eben. Juhu! Wie es sich für eine echte Love-Parade, also Liebes-Parade, gehört stand der erste Umzug unter dem Motto "Friede, Freude, Eierkuchen". Und weil das eine hoch- politische Aussage ist, erklärten die Techno-Jünger ihre Party auch gleich als zur politischen Demonstration. Donnerwetter, da sollte noch mal jemand behaupten, die Jugend in Deutschland sei politik-verdrossen.

Urinschaden am Baum

Für die Veranstalter hatte der Demo-Status den enormen wirtschaftlichen Vorteil, dass die Stadt die Reinigung am Tag danach bezahlt hat. Einer muss ja schließlich die unzähliger Tonnen Schmutz beseitigen und die urin-geschädigten Bäume im Tiergarten wiederbeleben. Da kommt schon einiges zusammen, wenn über eine Million Liebesjünger total gut-gelaunt die größte Techno-Party der Welt feiern.

Vor drei Jahren fiel es dann auch Berlins Senat wie Schuppen von den Augen: Die politische Botschaft der Love-Parade ist gleich null - folgerichtig die Veranstaltung keine Demonstration. Also müssen die Veranstalter die Entsorgung ihres Mülls nun selbst zahlen und genau das habe sie nun finanziell ruiniert. Also aus die Maus mit freier Liebe unter freiem Himmel in der Hauptstadt. Was für ein Verlust!

Hässliche Hauptstadt

Und dann kommt gleich der nächste Schlag: Berlin ist von 50 deutschen Städten fast die unattraktivste. Nur Leipzig und Halle sind noch hässlicher, hat eine Umfrage ergeben. Das trifft unser Ego tief: Berlin ist hochverschuldet und auch noch wirtschaftsunfreundlich. Die Verwaltung hat einen außerordentlich schlechten Ruf bei Unternehmern. Und von der Lebensqualität wollen wir erst gar nicht sprechen. In jedem Keller ist die größer. Aha.

Ein Glück nur, dass in der Umfrage Schlag Eins, also das Ende der "Love-Parade" gar nicht berücksichtigt wurde. Noch weniger Dynamik, noch weniger Lebensfreude, noch weniger neu gepflanzte Bäume – Berlin wäre garantiert ganz aus der Wertung gefallen.

Mir san mir!

Die attraktivste Stadt ist übrigens München, lehrt besagte Umfrage. Was also liegt näher als die Love-Parade in die bayrische Metropole zu verlegen? Die Berliner könnten damit leben, und zwar sehr gut. Denen ist das Gezerre um Techno-Partys und Umfragen nämlich egal. Sie leben einfach gerne in der Stadt.