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Ostmitteleuropa

Ungarn: Wirtschaftsdaten für 2001

- Trotz schwächeren Wirtschaftswachstums optimistische Prognosen

Budapest, 27.3.2002, BUDAPESTER ZEITUNG, deutsch, Siegfried Breuer

Das Wachstum der ungarischen Wirtschaft hat sich abgeschwächt, nach 5,2 Prozent im Jahr 2000 registrierte die zentrale Statistikbehörde KSH für 2001 nach ersten Schätzungen nur noch 3,8 Prozent. Während die Regierung bei ihrer Prognose von 3,5 bis vier Prozent für 2002 festhält, haben private Wirtschaftsinstitute ihre Zahlen nach unten revidiert. Sie gehen nur noch von 3,2 bis 3,5 Prozent aus.

Einig sind sich alle Beobachter, dass im zweiten Halbjahr 2002 die Konjunkturschwäche überwunden wird. Die jüngsten positiven Prognosen aus Deutschland, dem wichtigsten Exportmarkt Ungarns, haben sogar Hoffnung aufkommen lassen, dass bereits im ersten Quartal 2002 mit einer Wachstumsrate von leicht unter drei Prozent der Wendepunkt erreicht wird.

Nach den Zahlen der KSH ist während des Jahres 2001 das Wachstum kontinuierlich zurückgegangen, von 4,4 Prozent im ersten Quartal auf 3,3 Prozent im letzten Quartal. Die Wachstumsschwäche ist wesentlich auf die Zurückhaltung der Privatwirtschaft bei den Investitionen zurückzuführen. Nachdem der Volumenindex der Investitionen für das Jahr 2000 noch 7,4 Prozent Wachstum ausgewiesen hatte, ist er 2001 lediglich um 3,5 Prozent gestiegen - ein Warnzeichen für die mittelfristigen Wachstumsaussichten.

Stark betroffen von der Konjunkturschwäche ist die verarbeitende Industrie, deren Bruttoproduktionswert 2001 nur noch um 4,1 Prozent gestiegen ist, gegenüber 18 Prozent im Vorjahr. Die Wertschöpfung im Industriesektor konnte nach Angaben der KSH im Gesamtjahr 2001 nur um 1,1 Prozent zulegen. Auch die Investitionen in der verarbeitenden Industrie sind 2001 zurückgegangen, sie lagen um 1,2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Hier scheint sich jedoch bereits im vierten Quartal mit einem Plus von 0,4 Prozent wieder eine Erholung anzudeuten, die auf die Stützungsmaßnahmen der Regierung zurückzuführen sein dürfte.

Der während der letzten Jahre kontinuierlich rückläufige Agrarsektor ist 2001 um 8,7 Prozent gewachsen, allein für das vierte Quartal wird eine reale Steigerung von 15,4 Prozent ausgewiesen. Zurückzuführen ist diese Entwicklung vor allem auf eine um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr verbesserte Getreideernte. Die Landwirtschaft hat allerdings an der Erzeugung des Bruttoinlandproduktes nur noch einen Anteil von etwa fünf Prozent und es ist nicht wahrscheinlich, dass in den Folgejahren ähnliche Wachstumsraten zu vermelden sind. Allerdings wird der Beitritt zur EU dem Landwirtschaftssektor neuen Auftrieb geben.

Weit über dem Durchschnitt entwickelt hat sich auch die Bauwirtschaft. Sie ist nach den Zahlen der KSH im Gesamtjahr 2001 um 7,9 Prozent und im letzten Quartal um 7,1 Prozent gewachsen. Der Grund für das gute Abschneiden liegt in den Straßen- und Wohnungsbauprogrammen der Regierung. Auch die Investitionsstatistik belegt den Bauboom: Von Gesamtinvestitionen in Höhe von 3,109 Mrd. Forint sind 60 Prozent in den Bausektor geflossen, real 4,3 Prozent mehr als im Vorjahr, während nur 39 Prozent in Maschinen und Ausrüstung investiert wurden. Die Aussichten für den Bausektor sind auch 2002 sehr gut, denn die öffentlichen Gelder werden zunächst weiter fließen. Von der im zweiten Halbjahr zu erwartenden Konsolidierung der Haushalte dürften erst 2003 negative Impulse auf die Bauwirtschaft ausgehen. Bis dahin könnte die private Nachfrage sich erholt haben.

Auch der Dienstleistungssektor hat 2001 relativ gut abgeschnitten, das Realwachstum für das Gesamtjahr wird mit 3,7 Prozent angegeben, im letzten Quartal waren es 3,4 Prozent. Triebfeder waren die Finanzdienstleister, vor allem der Bankensektor, weniger die Versicherungen. Aber auch der Handel konnte mit 3,9 Prozent Wachstum ein gutes Ergebnis ausweisen. Für 2002 ist abermals mit einer überdurchschnittlich guten Entwicklung des Dienstleistungsbereichs zu rechnen. Hier spielt die Inlandsnachfrage eine wesentlich größere Rolle als bei der verarbeitenden Industrie, die von der Exportnachfrage bestimmt wird.

An der Preisfront hat Ungarn ebenfalls Erfolge erzielen können, auch wenn es mit einer Inflation von 9,2 Prozent im Vergleich der OECD-Länder noch immer den zweitletzten Platz vor der Türkei einnimmt. In der zweiten Jahreshälfte sind die Konsumgüterpreise deutlich gesunken, für den Dezember wird nur noch eine Inflationsrate von 6,8 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat ausgewiesen. Der Preisdruck dürfte weiter nachlassen, die Zentralbank prognostiziert für Dezember 2002 einen Rückgang der Inflationsrate auf 4,8 Prozent - die Zielvorgabe war 4,5 Prozent. Bis Ende 2003 könnte sie auf 3,3 Prozent fallen. (ykk)

  • Datum 28.03.2002
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