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Ostmitteleuropa

Ungarn erhält zum 50. Jahrestag der Revolution von 1956 eine Gedenkstätte

Diesjährige Veranstaltungen zum Nationalfeiertag erneut von Skandalen überschattet

Budapest, 23.10.2002, 1932 GMT, RADIO BUDAPEST, deutsch

Am Nationalfeiertag heute (23.10.) in Budapest wurde der Parlamentsabgeordnete Mecs, der nach der Revolution von 1956 zum Tode verurteilt worden war, am Grab 301 auf dem Friedhof Rakoskeresztur von einer 20 bis 30 Mann starken Gruppe durch Pfiffe und Buhrufe daran gehindert, seine Gedenkrede zu halten. Nach Ansicht von Mecs seien für das Geschehene politische Kräfte verantwortlich, die Hass schüren. Kurz zuvor wurde der in Vertretung der Ungarischen Sozialistischen Partei niedergelegte Kranz vom Grab von unbekannten Tätern entfernt und zerrissen.

Der Vorsitzende der an der Regierungskoalition beteiligten Freidemokratischen Partei (Gabor – MD) Kuncze vertrat die Auffassung, dass die Politik dafür verantwortlich sei, dass Leidenschaften und Emotionen auf der Oberfläche gehalten werden. Auf die Ereignisse am Grab 301 reagierend sagte der Politiker, er habe Verständnis für die Helden von 1956, weil das einmal genommene Leben nicht wiedergegeben werden könne. Die Jugendlichen, die mit Pfiffen und Buhrufen die Gedenkveranstaltung gestört haben, seien jedoch irregeführt worden. Nach den Worten von Kuncze könne man erst gemeinsam und in Würde feiern, wenn die Politik dazu fähig sein werde. Derzeit seien aber manche Politiker und Parteien darauf noch nicht vorbereitet.

Am Grab 301 gedachten auch Vertreter der Oppositionspartei Ungarisches Demokratenforum der Ereignisse von 1956 und der nach der Niederschlagung der Revolution Hingerichteten. Der ehemalige Regierungschef Peter Boross unterstrich in seiner Rede, die ungarische Nation habe die Stürme der vergangenen Jahrhunderte überlebt, weil es immer Tapfere und Mutige gegeben habe, die die Unterdrückung nicht erdulden wollten. Am Grab legten die ehemaligen Minister und Staatssekretäre des Demokratenforums sowie des Antall- und Boross-Kabinetts Kränze nieder.

Am Jahrestag des Ausbruchs der Revolution von 1956 fand in Budapest eine feierliche Parlamentssitzung statt. Die Parlamentspräsidentin, Frau Szeli, betonte in ihrer Ansprache, die Ungarn dürfen darauf stolz sein, dass aus den vielfältigen Hoffnungen von 1956 die demokratische Republik Realität geworden sei. Gleichzeitig kam sie auch darauf zu sprechen, dass der Nationalfeiertag von Jahr zu Jahr von Skandalen begleitet werde. Das Symbol der Revolution, die Nationalfahne mit dem Loch in der Mitte, sei nunmehr ein von den Parteien zerrissenes Symbol geworden.

Der Ministerpräsident im Ungarn der Revolution von 1956 Imre Nagy habe nach den Worten von Regierungschef (Peter – MD) Medgyessy vom ruhigen, demokratischen Ungarn mit sozialer Gerechtigkeit geträumt. Bei der Überreichung des Imre-Nagy-Verdienstordens im Parlamentsgebäude in Budapest betonte Medgyessy, er wünschte sich einen Nationalfeiertag, an dem die Gegensätze beiseite geschoben würden. Nach seinen Angaben sei eine nationale Gedenkstätte geplant, die zum 50. Jahrestag der Revolution im Jahre 2006 fertiggestellt sein soll, damit man der Helden und Opfer von 1956 würdig gedenken könne. (...)

Am ungarischen Nationalfeiertag fanden Gedenkveranstaltungen auch in mehreren von der ungarischen Minderheit bewohnten Gemeinden in Rumänien statt. Der Botschafter Ungarns in Bukarest legte am Imre-Nagy-Denkmal in Snagov einen Kranz nieder. Nach der Niederschlagung der Revolution von 1956 waren der später hingerichtete Ministerpräsident Imre Nagy und dessen Kampfgenossen unter falschem Vorwand nach Rumänien gelockt und in Snagov, unweit von Bukarest, gefangen gehalten worden. Später wurden sie an das Kadar-Regime ausgeliefert.

Am heutigen Nationalfeiertag fanden Veranstaltungen aber auch in anderen von ungarischen Minderheiten bewohnten Regionen der Nachbarländer statt. So gedachte man des Jahrestages der Revolution in mehreren Städten der jugoslawischen Provinz Vojvodina und der Karpato-Ukraine. (...) (me)

  • Datum 24.10.2002
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