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Porträts Lehrerverbände

Ungarischer Deutschlehrerverband (UDV)

Der Ungarische Deutschlehrerverband legt großen Wert auf die Nachwuchsförderung. Dafür veranstaltet er jedes Jahr das „Forum junger Deutschlehrer“. Die Strategie des engagierten Verbands scheint aufzugehen.

János Heltai ist der Vizepräsident des Ungarischen Deutschlehrerverbands (UDV). Schon seit sechs Jahren engagiert er sich aktiv im Vorstand. Rund 15 Jahre arbeitete er als Deutschlehrer an einem Gymnasium, nun ist er an die Universität gewechselt. Damit er den Unterricht nicht so bald vermisst, gibt er jetzt ehrenamtlich Deutschstunden.

Deutsche Welle: Herr Heltai, Sie haben lange Zeit an einem Gymnasium gearbeitet, nun geben Sie nachmittags noch ehrenamtlich Deutschunterricht für Kinder, die die Schule nachholen wollen. Wie unterscheidet sich Ihre neue Arbeit von der im Gymnasium?

János Heltai: Ich unterrichte jetzt Kinder, die sozial benachteiligt sind, sehr oft Roma-Kindern, die zweisprachig sind, Romani-Ungarisch. Das ist eine ganz neue Herausforderung für mich. Ich habe zuvor in einem relativ starken Gymnasium gearbeitet, und jetzt ist es ein Umfeld, in dem ich ganz anders mit den Schülern umgehen muss. Ich muss viel mehr mündlich machen. Ich muss mich sehr bemühen, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten. Das ist jetzt eine neue Herausforderung, und es macht mir viel Spaß.

Insgesamt steigt die Zahl der Deutschlernerinnen und Deutschlerner in Ungarn ja auch an. Ein Drittel aller Schüler lernen Deutsch, und es gibt Grundschulklassen, in denen Deutsch als erste Fremdsprache unterrichtet wird. Das klingt, als hätten Sie als Verband schon gute Lobbyarbeit geleistet ...

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Hören Sie rein: János Heltai erzählt, was ihm an seinem Unterricht gefällt

Es wäre schön, wenn das so wäre. Natürlich geben wir uns im Verband viel Mühe, aber die deutsche Sprache hat in Ungarn einfach historisch gesehen eine sehr gute Position. Während des Kommunismus, also vor der Wende, war es die zweite Sprache nach Russisch. In der Generation, die jetzt um die 60 ist, sprechen viel mehr Menschen Deutsch als Englisch. Nach der Wende rückte Englisch wieder in den Vordergrund.

Außerdem haben wir auch sehr, sehr enge Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland. Es gibt in Budapest und in ganz Ungarn viele deutsche Firmen und Arbeitgeber, bei denen Deutschkenntnisse neben Englisch von großem Vorteil sind. Außerdem spielt die Nachbarschaft zu Österreich und Deutschland eine große Rolle bei uns.

Bei so vielen Deutschlernern benötigt man auch viele Deutschlehrer. Und für die braucht es einen gut funktionierenden Verband. Was sind Ihre wichtigsten Aktivitäten?

Unsere jährliche Generalversammlung natürlich. Dann veranstalten wir zweimal im Jahr Fachtagungen. Außerdem organisieren wir jedes Jahr ein sogenanntes „Forum junger Deutschlehrer“. Das findet meistens in Schulen statt. Damit versuchen wir die ganz junge Generation zu erreichen, auch die Studenten. Das ist vor allem unserer Vorsitzenden Frau Feld-Knapp ein wichtiges Anliegen.

Warum ist ihnen das so wichtig im Verband?

Deutschland Ungarn Deutschlehrerverband

Die Vorstandsmitglieder des ungarischen Deutschlehrerverbands

Die Nachwuchsförderung hat eine lange Tradition bei uns. Beim „Forum junger Deutschlehrer“ besuchen angehende Deutschlehrer, Studenten oder bereits promovierte Deutschlehrer eine Schule und hören sich dort ein paar Stunden den Unterricht an. Danach tauschen wir uns fachlich über die Stunde aus. Ein paar unserer Vorstandsmitglieder nehmen dann auch daran teil.

Besonders wichtig ist uns dabei, dass wir diese Veranstaltungen nicht nur in Budapest machen, sondern auch in anderen größeren Städten. Budapest ist riesengroß, und da werden andere Städte oft vernachlässigt.

Die Generalversammlung, das Forum, die Fachtagungen und dazu noch die regelmäßigen Vorstandssitzungen, das klingt nach einer Menge Arbeit und viel persönlichem Einsatz. Warum ist Ihnen die Verbandsarbeit so wichtig?

Ich halte es für wichtig, dass Deutschlehrer ihre Stärke zeigen, dass wir einheitlich auftreten können, eine gemeinsame Meinung haben, dass wir bildungspolitische Entwicklungen dadurch mitentscheiden können. Auch denke ich, dass es für viele Lehrer ein gute Sache ist, dass sie an einer Konferenz teilnehmen können, auf der sie Neues aus der Didaktik lernen und sich mit innovativen Ansätzen beschäftigen. Ja, und einfach mal raus aus dem Alltag kommen.

Raus aus dem Alltag, heißt das, es gibt auch mal eine Feier am Abend, oder wie stelle ich mir das dann vor?

Damit auch die Lehrer, die nicht in Budapest leben, kommen können, verlegen wir die Geselligkeit auf gemeinsame lange Mittagessen und eine lange Mittagspause. Da haben wir viel Platz für freien Austausch.


Die wichtigsten Infos in Kürze:
Der Ungarische Deutschlehrerverband (UDV) wurde 1990 gegründet und hat rund 150 zahlende Mitglieder. Jedes Jahr erreicht der Verband mit seinen Veranstaltungen aber bis zu 500 Lehrer im ganzen Land.

Vorstandsgremium:
• Dr. Ilona Feld-Knapp (Präsidentin)
• Gabriella Perge (Generalsekretärin)
• Dr. Katalin Boócz-Barna (Vizepräsidentin)
• Dr. János Heltai (Vizepräsident)
• Dr. Ida Dringó-Horváth
• Enikő Jakus
• Dr. Mónika Jászné Kajmádi
• Dr. Patrícia Kertes
• Dr. Anna Reder
• Tünde Sárvári Erzsébet
• Éva Szabó

IDV-Kontaktperson: Ilona Feld-Knapp; knappilona [at] t-online.hu

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