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Wirtschaft

Unfallverhütung per Funk

Das Unternehmen Comnovo findet mit seinem Warnsystem zur Unfallverhütung eine Marktlücke. Ursprünglich geplant zur Sicherung von Schulwegen, sorgt "D2Sense" nun für mehr Sicherheit im Baubereich.

Die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) zählt nach Einstufung des Bundeswirtschaftsministeriums zu den größten Wirtschaftssektoren Deutschlands. Immerhin erzielen bundesdeutsche Unternehmen aus dieser Branche weltweit einen Umsatz von rund 220 Milliarden Euro. Und jedes Jahr erkennen Jungunternehmer mit innovativen Ideen die Chancen, die dieser prosperierende Markt bietet. So wie das Start-Up-Unternehmen "Comnovo" aus Dortmund, das zur Verhütung von Unfällen ein funkgesteuertes Warnsystem für Baumaschinen entwickelt hat. Das junge Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, ein Prozent aller Baumaschinen mit dem System auszurüsten. Auf den ersten Blick mag das bescheiden anmuten, doch das Geschäft könnte ertragreich ausfallen. Schließlich gibt es allein in Deutschland nicht weniger als 675.000 solcher Maschinen.

Da Baumaschinen wie Bagger oder Kipplader meist groß und unübersichtlich sind, können sich nach den Worten von Firmengründer Andreas Lewandowski immer wieder folgenschwere Unfälle mit Personenschäden ereignen. Unter diesem Aspekt hat Comnovo ein Assistenzsystem zur Marktreife entwickelt, das sowohl Fahrer von großen Baumaschinen als auch Fußgänger rechtzeitig auf eine drohende Kollision aufmerksam macht. Und da es ein solches Gerät bislang noch nicht gab, hat sich der promovierte Elektrotechnik-Ingenieur Lewandowski die Idee für das System zur Erkennung von Personen im Gefahrenbereich "D2Sense" folgerichtig patentieren lassen.

Was das Auge nicht sieht

Kind am Zebrastreifen Schulweg Auto

"Eine schöne Idee": Kinder und Autos vernetzen

Dieses Warnsystem in Form einer stabilen Box besitzt die Ausmaße einer Zigarettenschachtel und besteht aus zwei Teilen. Aus dem sogenannten Keeper, der sich in dem Baufahrzeug befindet und per Antenne Signale aussendet, und dem Beeper, der die Signale empfängt und von Baumitarbeitern mit einem Clip an der Kleidung befestigt wird. Wenn sich Mensch und Maschine gefährlich nahe kommen, reagieren Keeper und Beeper mit akustischen Warnmeldungen, die nicht zu überhören sind. Der Messradius beginnt bei 80 Metern, wobei der rote Warnbereich bei 15 Metern liegt.

"D2Sense" basiert auf einem Vorgängermodell, das Lewandowski noch zu seiner Zeit an der Technischen Universität Dortmund entwickelt hatte. Allerdings für einen ganz anderen Einsatzzweck: zur Sicherung des Schulwegs von Kindern. Lewandowskis Überlegung bestand darin, Schüler mit einem kleinen Empfangsgerät auszurüsten, das sie stets dann mit einem akustischen Signal warnt, wenn sich ein Auto auf sie zubewegt. Ein in den Fahrzeugen eingebauter Sender könnte außerdem die Fahrer vor Situationen warnen, in denen sie Kinder hinter Hindernissen nicht sehen können. Doch daraus wurde nichts. "Eine schöne Idee", erinnert sich der Comnovo-Chef, "aber ohne die Autohersteller leider nicht umsetzbar."

Das System kennt keine Hindernisse

Und so suchte das junge Unternehmen nach alternativen Einsatzmöglichkeiten für das Warnsystem. Als Kooperationspartner stiegen schließlich die Bayerischen Asphalt-Mischwerke ein. Trotz umfangreicher Sicherheitsvorkehrungen im Betriebsablauf bestand für den leitenden Sicherheitsingenieur Michael Buchberger Optimierungsbedarf. "Wir haben alle unsere Radlader mit einem Rückfahrwarnsystem ausgestattet und festgestellt, dass es nicht ausreicht." Denn die Unfälle, zu denen es trotzdem kam, ereigneten sich bei Vorwärtsfahrten. Eine Lücke, die das von den Comnovo IKT-Experten entwickelte funkgestützte Assistenzsystem schließen konnte.

Comnovo-Chef Andreas Lewandowski mit Mitarbeitern Foto: Philipp-Haas.com

Comnovo-Chef Lewandowski (2. von links) mit Mitarbeitern

Gemeinsam stimmte man nachfolgend das Warnsystem auf die Anforderungen eines Unternehmens für Baustoffe mit vielen Fahrzeugbewegungen ab. Der Vorteil von "D2Sense" gegenüber anderen Systemen bestehe für die Fahrer der Maschinen darin, "dass Funk unabhängig von Schmutz und Sichtbeeinträchtigungen funktioniert und den gesamten Bereich der Baumaschine erfassen kann", so Andreas Lewandowski. "Außerdem kann man mit Funk in bestimmten Situationen um die Ecke gucken und Personen hinter Hindernissen erkennen."

Berufsgenossenschaft fördert Anschaffung

Was für Schulkinder hinter geparkten Autos gilt, trifft letztlich auch auf Bauarbeiter hinter Kieshalden zu, auf die ein Bagger oder Radlader zusteuert. Überzeugt hat dieses Systems inzwischen auch die für Unfälle zuständige Berufsgenossenschaft. Sie erstattet darum Unternehmen, die "D2Sense" in ihre Fahrzeuge einbauen, 20 Prozent der Anschaffungskosten. Eine Investition, die sich nüchtern berechnet auszahlen kann. Immerhin belaufen sich die durchschnittlichen Folgekosten eines Unfalls mit einer Baumaschine, bei der Personen zu Schaden kommen, auf rund 85.000 Euro.

Das von dem Dortmunder Jungunternehmen entwickelte System eignet sich außerdem zum Einsatz im Güterverkehr, also bei Gleisbauarbeiten der Bahn, aber auch in der Landwirtschaft und der Logistikbranche. Hier insbesondere bei Lagerarbeiten, bei denen Fahrer von Stapelfahrzeugen keinen direkten Sichtkontakt zu Mitarbeitern haben. Der Markt für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz ist in einigen Branchen zweifelsfrei vorhanden. Nicht nur in Deutschland.

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