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Aktuell Deutschland

Unfallursache Smartphone

Verkehrsforscher haben Autofahrer vor gefährlicher Ablenkung durch das Tippen auf ihren Mobiltelefonen während der Fahrt gewarnt. Eine neue Studie zeigt das alarmierende Ausmaß des Problems.

Erschreckend viele Autofahrer sind einer neuen Studie zufolge ein ernsthaftes Verkehrsrisiko, weil sie während der Fahrt auf dem Smartphone lesen und tippen. Verkehrspsychologen stellten bei der Beobachtung von rund 12.000 vorbeifahrenden Autos fest, dass 4,5 Prozent der Fahrer mit dem Mobiltelefon hantierten, wie eine den Radioprogrammen NDR Info und N-Joy vorliegende unveröffentlichte Studie der Technischen Universität Braunschweig ergab. Das Team um den Studienleiter und Verkehrspsychologen Mark Vollrath sieht darin eine erhöhte Unfallgefahr. Das Tippen erhöhe das Unfallrisiko um das Sechs- bis Zwölffache.

Für die Untersuchung hatten drei Studentinnen für ihre Bachelor-Arbeiten in Hannover, Berlin und Braunschweig 12.000 Autofahrer an etwa 30 verschiedenen Standorten beobachtet und ihr Verhalten in diesem Moment registriert. Insgesamt waren von den Fahrern rund 13 Prozent abgelenkt, die meisten davon durch Tippen auf ihrem Handy. Weitaus weniger Verkehrsteilnehmer waren jeweils mit Telefonieren, Essen, Trinken oder Rauchen beschäftigt.

Auffällig war auch, dass vor allem jüngere Menschen oft während der Fahrt und bei stehendem Auto etwa an Kreuzungen tippten. Einen deutlichen Unterschied zwischen Frauen und Männern konnte das Team hingegen nicht ausmachen.

In Deutschland gibt es kaum Daten zur Nutzung von Smartphones am Steuer. Als Unfallursache könne dies in weniger als 0,1 Prozent der Fälle nachgewiesen werden, heißt es in der Studie. Vollrath hält die Polizei-Erfassung allerdings für lückenhaft.

Mangelndes Problembewusstsein

Gründe für die unzulässige Handy-Nutzung seien die stark gestiegene Zahl von Smartphones sowie mangelndes Problembewusstsein, urteilte der Leiter der Studie: "Den Leuten scheint nicht klar zu sein, wie gefährlich gerade das Tippen auf dem Handy ist." Die Gefahr ist jedoch auf politischer Ebene bekannt. Bereits vor zwei Jahren wurde in Niedersachsen die Kampagne "Tippen tötet" gestartet. Entsprechende Fotos und der Kampagnen-Name hängen auf großen Bannern an Autobahnen und Bundesstraßen, es gibt Handyhüllen und Postkarten mit der Aufschrift sowie ein Video im Internet. Eine Auswertung, ob die Aktion positive Auswirkungen hat, gibt es bisher nicht.

Der Verkehrsexperte der Unionsfraktion im Bundestag, Ulrich Lange (CSU), forderte im Sender NDR Info härtere Strafen bei Verstößen. Bisher sei die Abschreckungswirkung zu gering. "Wenn man sieht, dass auf dem Lenkrad das Handy oder das Tablet liegen, dann macht man sich schon große Sorgen", sagte Lange. "Die Gefahr wird oft unterschätzt, und 60 Euro nehmen viele Menschen in Kauf- hier muss dringend nachgebessert werden."

Doch nicht nur Autofahrer sind abgelenkt: Untersuchungen in sechs europäischen Hauptstädten ergaben, dass rund 17 Prozent der Fußgänger beim Überqueren der Straße auf unterschiedlichste Weise ein Handy nutzen, wie die Dekra Unfallforschung in Stuttgart unlängst mitteilte.

stu/mak (afp, dpa)

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