1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Unerwarteter Führungswechsel in Australien

Nach einer Revolte in seiner Labor-Partei hat Premierminister Kevin Rudd seinen Rücktritt erklärt. Die Nachfolge tritt eine Frau an: Julia Gillard, die damit erste Regierungschefin Australiens wird.

Kevin Rudd (Foto: AP)

Gescheitert: Kevin Rudd

Julia Gillard, bisher australische Vize-Ministerpräsidentin, wollte Premier Kevin Rudd zu einer Kampfabstimmung über die Parteiführung herausfordern. Als sich abzeichnete, dass Rudd keine Sieg-Chancen hatte, gab er auf. Gillard wurde kurz darauf zur neuen Chefin der Labor-Partei gewählt - ohne Gegenstimmen. Die 48-Jährige übernimmt damit automatisch auch das Amt an der Spitze der Regierung.

Gebürtige Britin

Die ledige Juristin kommt vom linken Flügel der Partei und war lange in der Gewerkschaftsbewegung aktiv. Sie war in der Rudd- Regierung unter anderem für Bildung und Arbeit zuständig und hat sich erfolgreich für eine Bildungsreform und faire Löhne eingesetzt. Gillard wurde in Großbritannien geboren. Ihre Familie wanderte allerdings nach Australien aus, bevor sie in die Schule kam.

Julia Gillard und Wayne Swan (Foto: AP)

Neues Führungsduo: Julia Gillard in Begleitung des künftigen Vizepremiers Wayne Swan

Sie fühle sich "sehr geehrt", sagte Gillard nach ihrer Wahl am Donnerstag (24.06.2010) in Canberra. Rudd hatte zuvor eingestanden, den Rückhalt in seiner Partei verloren zu haben. Noch am Mittwoch hatte der Ministerpräsident erklärt, er nehme die Herausforderung Gillards an und wolle um sein Amt kämpfen. "Ich wurde gewählt, um meine Arbeit zu machen. Ich habe vor, diese Arbeit fortzusetzen", sagte Rudd. Bis Donnerstag hatte er aber offenbar gespürt, dass seine Machtbasis zusammengebrochen war.

Popularität eingebüßt

In den vergangenen Wochen hatte der einst äußerst populäre Rudd, der 2007 die Ära des konservativen Premiers John Howard beendete, einen steilen Absturz in der Wählergunst erfahren. Unbeliebt gemacht hatte er sich unter anderem mit einer umstrittenen Gewinnsteuer für die Bergbau-Branche. Außerdem wurde dem 52-Jährigen vorgeworfen, dass er sein Wahlversprechen nicht einlöste, zum Klimaschutz einen Handel mit CO2-Zertifikaten einzuführen. Die Labor-Partei fürchtete eine schwere Schlappe bei der nächsten Parlamentswahl, die noch in diesem Jahr - voraussichtlich im Oktober - stattfinden wird.

Autor: Christian Walz (dpa, apn, rtr, afp)
Redaktion: Walter Lausch