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Kultur

Unendlich viel Mühe

Sechs Jahre lang hat Übersetzer Ulrich Blumenbach an der deutschen Fassung des Kultbuches "Infinite Jest" von David Foster Wallace gearbeitet: "Unendlicher Spaß" heißt die unendliche Arbeit nun auf Deutsch.

Porträt des Übersetzers Ulrich Blumenbach (Bild: Nicole Stoll)

Ausdauernd: Ulrich Blumenbach

Als "Infinite Jest" 1996 erschien, wurde sein Autor David Foster Wallace in den USA in kürzester Zeit zum Kultautor. Später tauchte Ulrich Blumenbach in die Romanwelt von Wallace ab, wühlte sich durch endlos verschachtelte Sätze, durch Fußnoten und Unterfußnoten. Am Ende der langen Reise in unbekannte Wortfelder folgte die Auszeichung: Im Juni bekam Blumenbach den renommierten Ledig-Rowohlt-Preis. Blumenbach selbst ehrte in seiner anschließenden Dankesrede vor allem den Roman: "Man wird immer wieder mit Neuem konfrontiert, mit neuen Figuren mit neuen Stimmen – es macht großen Spaß, es ist sehr abwechslungsreich."

Riesenwerk als Schatzkiste

Zahllose Kalenderblätter neben- und übereinandergeschichtet

Sechs Jahre, fast 1600 Seiten...

Spaß hatte Ulrich Blumenbach allemal beim Übersetzen - es war aber auch harte Arbeit. Ulrich Blumenbach, 1964 in Hannover geboren, studierte Anglistik, Germanistik und Geschichte. 1993 begann er mit dem Übersetzen. Literarische Größen wie James Joyce, Arthur Miller und Agatha Christie hat er bereits ins Deutsche übertragen. Und nun das Riesenwerk von David Foster Wallace, das er gern als "Schatzkiste" bezeichnet, in der er immer wieder Wörter gefunden habe, die er wohl in seinem Leben nicht noch einmal lesen werde. So wurde das Unternehmen ein immer größeres Abenteuer, je länger er daran saß. Und es wuchs im Deutschen auf mehr als 1500 Seiten an. "Ich bin sogar von Kollegen oft gefragt worden, wie man das aushält, sechs Jahre lang ein Buch zu übersetzen, ohne wahnsinnig zu werden – aber ich habe es immer lieber gewonnen, je länger ich daran saß.“

Cover David Foster Wallace: Unendlicher Spaß

Irisch und Schweizerdeutsch

Ulrich Blumenbach lebt mit seiner Familie im Schweizer Teil von Basel. Hier arbeitete er sich durch den Roman und begegnete dabei einer Figur, die im Original ein nahezu unverständliches irisches Englisch spricht. "Das sollte natürlich in der deutschen Übersetzung genauso unverständlich werden, sonst hätte es ja nicht dem Original entsprochen." Weil er selbst aus Norddeutschland stammt, entschied er sich für eine Übersetzung ins Norddeutsche: "Aber dann fand ich, dass das noch nicht fremd genug ist für den späteren deutschen Leser und habe das gemeinsam mit einem Freund aus Basel ins Schweizerdeutsche übersetzt. Ich wollte den Roman zwar nicht noch unverständlicher machen als er ist, aber ich wollte ihn mindestens genauso unverständlich bleiben lassen, wie er ist.“

Ein besserer Mensch geworden?

Unverständlich scheint der Roman an vielen Stellen. So spricht eine Figur nur in mathematischen Formeln, eine andere benutzt nur Wörter, die längst nicht mehr dem aktuellen Sprachgebrauch entsprechen. Doch Blumenbach betrachtet es als Privileg, die Genauigkeit, die Vielfalt und Sinnlichkeit von David Foster Wallace’ Stil übersetzen zu dürfen: "Es ist eine sprachliche, aber auch eine moralische Bereicherung. Ein amerikanischer Kollege von David Foster Wallace hat mal gesagt: Wenn man aus diesem Buch herausträte, sei man ein besserer Mensch. Das halte ich zwar für übertrieben. Aber man beendet die Lektüre dieses Buches definitiv mit dem Wunsch, ein besserer Mensch zu werden."

David Foster Wallace, Unendlicher Spaß, Roman. Titel der Originalausgabe: Infinite Jest. Aus dem amerikanischen Englisch von Ulrich Blumenbach. Kiepenheuer & Witsch, August 2009, 1552 Seiten

Autorinnen: Sophie Wenkel, Gabriela Schaaf

Redaktion: Aya Bach

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