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Sport

Und wer hat’s gewusst … die Schweizer

Italien wird wahrscheinlich Weltmeister. Das prognostizierten die Ökonomen der Schweizer Großbank Union Banque Suisse (UBS) bereits zwei Monate vor der WM. Was hat sie dazu bewogen? DW-WORLD.DE hat nachgefragt.

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Vorhersagbar? Italien im Finale

DW-WORLD.DE: Laut der Prognose Ihrer Analysten hieß der Gewinner der WM schon im April 2006 Italien. Worauf stützt sich diese Vorhersage?

Andreas Höfert: Wir Analysten arbeiten mit Wahrscheinlichkeitsmodellen. Diese Modelle stützen sich auf statistische Werte. Üblicher Weise wenden wir diese Modelle an, um ökonomische Themen zu analysieren - zum Beispiel um Konjunkturen oder Börsenkurse vorherzubestimmen. Bei der WM-Prognose sind wir spielerisch an ein gesellschaftlich aktuelles Thema herangegangen und haben unser "Werkzeug", also unsere Schätzverfahren und Modelle daran getestet.

Was waren die Kriterien der angewandten Simulation?

Die Simulation setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen. Im Vorfeld werden Fragen gesammelt.Zum Beispiel handelt es sich bei dem Teilnehmerland um eine Nation mit hoher oder niedriger Arbeitslosigkeit. Wie groß ist die Bevölkerung des Teilnehmerlandes? Wie oft hat das Land schon bei Fußballweltmeisterschaften teilgenommen und mit welchem Ergebnis? Wie ist das Ranking des Teams im Vorfeld der WM? Anschließend werden von allen gestellten Fragen die für den Fußball signifikanten statistisch ausgewertet. Mit diesen signifikanten Statistiken wurde dann ein sequenzielles Modell erstellt. Daran kann man für jede teilnehmende Mannschaft eine Ergebnisprognose berechnen. Wir haben festgestellt, dass sozioökonomische Faktoren die Chancen einer Mannschaft das Turnier zu gewinnen nicht beeinflusst.

Weshalb ging Italien als vermeintlicher Gewinner daraus hervor?

Das hat vor allem mit der WM-Historie Italiens zu tun. Nur eine kleine Elite nämlich Brasilien, Deutschland und Italien vereinen bei dieser achtzehnten Fußballweltmeisterschaft zwei Drittel aller Weltmeisterschaftstitel auf sich. In die Wahrscheinlichkeitsrechnung fließen außerdem Faktoren wie die Bewertungen und Spielergebnisse der Teams vor dem Turnier mit hinein.

Welchen Nutzen haben ihre Kunden von dieser Art der Vorab-Analyse?

Da stellt sich eher die Frage, warum haben wir das gemacht? Zum einen verfolgten wir einen spielerischern und intellektuellen Trieb, unseren statistischen und ökonomischen Werkzeugkasten mal an einer "trivialeren" Fragestellung anzuwenden. Dies hat aber auch dazu geführt, das wir wieder die eine oder andere Verbesserung an unserem allgemeinen Prognoseprozess und-verfahren vornehmen konnten, was natürlich auch für andere "seriösere" Prognosen wichtig ist.

Haben sich viele Anleger von der WM-Prognose beeinflussen lassen?

Ich glaube nicht, dass so viele Leute im Vorfeld der WM auf Italien getippt haben.

Lässt sich die Simulation auch auf die WM 2010 in Südafrika anwenden?

Ja durchaus. Das sind dann im Prinzip die gleichen Modelle, wobei ich davon ausgehe, dass sich bis dahin unsere Modelle noch mal verbessern werden, denn wir versuchen, unsere Modelle und die darin angewandten Variablen ständig zu optimieren.

Können sie voraussagen, wer dort Weltmeister wird?

Für eine solche Prognose wäre es noch zu früh. In vier Jahren kann gerade im Fußball viel passieren. Auch die Ergebnisse bei weiteren Turnieren vor 2010 werden Einfluss auf künftige Prognosen nehmen. Eine jetzt getroffene Prognose wäre sicherlich "falscher" als eine Prognose im April 2010.

Andreas Höfert ist Chef-Volkswirt bei der UBS.