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Sport

Und jetzt seid ihr wieder Freunde…

Die DFB-Spitze und das Leitungsteam der Nationalmannschaft haben das Ende ihres Streits verkündet. Ein Burgfrieden, mehr nicht, meint Deutsche Welle-Sportredakteur Stefan Nestler.

Themenbild Kommentar Grafik: DW

Das erinnerte mich doch sehr an die Zeit im Kindergarten. Wenn wir aneinander geraten und die Erzieherin eingeschritten war, forderte sie uns auf: "So, jetzt gebt ihr euch die Hand und seid wieder Freunde!" Und wir schüttelten uns dann auch tatsächlich die Hände. Mit zerknirschtem Gesichtsausdruck und nur, um die lästige Streitschlichterin loszuwerden. Freunde waren wir danach nicht.

Warnung an Bierhoff

Portrait Stefan Nestler. Foto: DW

Stefan Nestler

Teammanager Oliver Bierhoff hat sich bei DFB-Präsident Theo Zwanziger entschuldigt, dass er seine Gefühle verletzt habe, nur um direkt hinterher zu schieben, dass seine Intention eigentlich eine gute gewesen sei. Zwanziger sagt, das Tischtuch sei nicht zerschnitten. Um kurz darauf klarzustellen, dass alle, die am Tisch sitzen, so wörtlich, "irgendwie auswechselbar" seien. Bis auf Bundestrainer Joachim Löw, der für das Projekt WM in Südafrika unbedingt gebraucht werde. Eine klare Warnung an Bierhoff, sich bloß nicht zu sicher zu fühlen.

Gräben nur notdürftig zugeschüttet

Viel mehr noch als ihre Worte verriet die Körpersprache der Beteiligten vor und nach ihrem Auftritt: Sie gingen hintereinander her, als gehörten sie nicht zusammen. Ihre Mienen wirkten versteinert, keine sichtbare Spur von Erleichterung darüber, dass der Streit nun wirklich ausdiskutiert wäre und das Kriegsbeil begraben. Ob Löw, Bierhoff oder Zwanziger – alle vermittelten den Eindruck, dass die Gräben zwischen ihnen nur notdürftig zugeschüttet wurden.

Vertrauensverhältnis beschädigt

Sie haben einen Burgfrieden geschlossen: Die zerstrittenen Parteien erklären sich lediglich bereit, ihren Zwist nicht weiter in der Öffentlichkeit auszutragen. Der Groll aufeinander dauert wahrscheinlich fort, denn an den Fakten hat sich nichts geändert. Löw fühlt sich von Zwanziger verraten. Zwanziger ist sauer auf Bierhoff. Und der wähnt sich im Recht, in der exponierten Position eines Teammanagers auch exponierte Forderungen stellen zu dürfen. Das Vertrauensverhältnis ist schwer beschädigt. "So jetzt gebt ihr euch die Hand und seid wieder Freunde?" Das kann wohl nur funktionieren, wenn der Gewinn des WM-Pokals alles andere in den Schatten stellt.

Autor: Stefan Nestler
Redaktion: Olivia Fritz

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