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Politik & Gesellschaft

Und ewig strahlt das Cäsium

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima geht auch in Deutschland die Angst vor radioaktiv verseuchter Nahrung um. Doch schon seit Jahren werden Lebensmittel intensiv untersucht. Gefahr schlummert im Waldboden.

Ein Mann mit Atemmaske hält einen Apfel. (Foto: fotolia)

Einen Geigerzähler für ein paar hundert Euro im Elektrogeschäft kaufen und die eigenen Lebensmittel auf radioaktive Strahlung untersuchen – so einfach, wie sich das manch einer vorstellt, ist es nicht: Denn Geigerzähler messen lediglich die Umgebungsstrahlung. Für die korrekte Messung der Radioaktivität in Lebensmitteln müssen die Proben speziell aufbereitet und gezielt vor anderen Einflüssen abgeschirmt werden.

Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es fünf amtliche Messstellen zur Überwachung der Umweltradioaktivität. Hier wird alles untersucht: Schweinefleisch aus dem Supermarkt, Milch vom Bauern oder Babynahrung. Manchmal werden auch Wiesen gemäht, Blätter gesammelt und Bodenproben genommen - alles mit System. "Es gibt – abgestimmt mit dem Bundes- und Landesumweltministerium - eine Art Proben-Abnahmeplan, in dem vorgegeben ist, wie viele Proben genommen werden müssen und wie viele davon Lebensmittel, Bodenproben und Grasproben sind", erklärt Winfried Liebertz vom Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit in Düsseldorf, das eine der Messstellen unterhält.

Japaner nehmen Bodenproben. (Foto: ap)

Japaner nehmen Bodenproben


Mit sogenannten Gammaspektrometern, die aussehen wie große, blaue Kochtöpfe, untersuchen die Experten regelmäßig Lebensmittel. Etwa 1800 Untersuchungen gibt es pro Jahr in Nordrhein-Westfalen. Die Untersuchungen können von wenigen Stunden bis hin zu mehreren Tagen dauern – und kosten, je nach Aufwand zwischen 100 Euro und 1000 Euro.

Bisher keine Grenzüberschreitungen

Grenzwertüberschreitungen wurden dabei bislang nicht festgestellt. Durch die Ereignisse in Japan werden nun alle Lebensmittel-Einfuhren aus Japan an den Grenzen genau geprüft und zur speziellen Untersuchung an die Messstellen weitergeleitet. Die Ankunft der Waren muss zudem zwei Tage zuvor angemeldet werden. Generell kommen aber nur wenige Lebensmittelimporte aus Japan.

Ihren Ursprung haben die Messstellen im Reaktorunfall von Tschernobyl von 1986. Die Bundesregierung in der Folge ein Überwachungsnetz auf, um die radioaktive Belastung der Umwelt messen zu können. Hervorgerufen durch die atomare Wolke, die damals über Teile Deutschlands hinweg ging, finden sich auch heute noch radioaktive Spuren im deutschen Boden. Süd- und Ostbayern waren besonders betroffen.

Ein Wildschwein döst in der Sonne. (Foto: dpa)

Wildschweine können Strahlung aufweisen

Verseuchter Boden

Mit den kontaminierten Böden hat man bis heute zu tun. Der mineralische Waldboden mit seiner Humusschicht erwies sich als idealer Speicher für Cäsium, das extrem langsam zerfällt. Waldpilze wiederum saugen das Cäsium auf. Die Cäsium-gesättigten Pilze werden dann insbesondere von Wildschweinen verspeist, die die am stärksten belastete Bodenschicht durchwühlen. "Es gibt festgelegte Risikogebiete, in denen erlegte Wildschweine überprüft werden", sagt Torsten Reinwald, Sprecher des deutschen Jagdschutzverbandes. "Ihnen wird Muskelgewebe entnommen, das dann auf Radioaktivität hin untersucht wird."

Im vergangenen Jahr überschritten nur noch gut 1000 von 440.000 erlegten Wildschweine den Grenzwert. Mit dem langsamen Absinken von Cäsium in tiefere Bodenschichten wird auch die Belastung von Pilzen und Wildschweinen weiter zurückgehen. "Experten schätzen, dass wir diese Probleme in 15 bis 20 Jahren nicht mehr haben werden", erklärt Reinwald.

Die Strahlenbelastung durch eine ordentliche Portion Wildschweinbraten ist in jedem Fall aber geringer, als auf einem Flug von Frankfurt auf die Kanarischen Inseln. Das hat das Bundesamt für Strahlenschutz errechnet.

Autor: Arne Lichtenberg
Redaktion: Dеnnis Stutе

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