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Kultur

Und ewig lockt die Hexe

Ob alt und bucklig oder jung und wollüstig - lange vor Harry Potter genoss die Hexe Berühmtheit. Wer waren die Frauen, die ihre Mitmenschen einst in Panik versetzten? Ein Thema, das aktuell eine Korrektur erfährt.

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Sie glänzt durch übernatürliche Kräfte

In zartem Alter werden noch heute - weit über 200 Jahre nach dem Tod der Gebrüder Grimm - Kinder mit Hexen bekannt. Mit Hänsel und Gretel lassen sie sich ins Knusperhäuschen locken. In der grausamen Mär verendet die boshafte Alte durch den Stoß des Kindes in ihrem eigenen Ofen. Mit dieser Szene untermauerte der prominente Psychologe und Schriftsteller Bruno Bettelheim 1975 seine These: "Kinder brauchen Märchen". Von einer Hexe, die man einfach in ihren Ofen stoßen kann, dürfe sich das Kind befreit glauben.

Im Pakt mit dem Teufel

Die Hexe ist die älteste und berühmteste angsterregende Gestalt des Volksglaubens. Bereits im 14. Jahrhundert glaubte man an die zerstörerischen Kräfte zauberkundiger Frauen, die angeblich im Dienste von Dämonen und Teufeln standen. Und natürlich fehlte es dem Volksglauben nicht an buntem Dekor: der Ritt auf dem Ziegenbock, der Flug auf dem Besen, die Katze auf der Schulter, das Orgiastische der angeblichen Zusammenkünfte zum Hexensabbat.

Neues über den Hexenwahn

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F. Goya: Linda maestra

Märchen, Sagen und bildende Kunst haben das Bild der Hexe typisiert. Die Geschichtsschreibung tat das ihrige. Eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin räumt nun mit einigen Vorurteilen auf. Unter dem Titel "Hexenwahn - Ängste der Neuzeit" will die Schau vor allem eines deutlich machen: Nicht im "finsteren Mittelalter" erreichte der Hexenwahn seinen Höhepunkt.

Erst mit Beginn der Neuzeit artete die Angst vor den nachtfahrenden weiblichen Dämonen und ihren männlichen Pendants in einen regelrechten Wahn aus. Zwischen 1430 und 1780 fanden europaweit die berüchtigten Hexenprozesse statt. Europaweit soll es 40.000 bis 60.000 Opfer gegeben haben.

Jede vierte Hexe war ein Mann

Und noch was: rund ein Viertel der Verurteilten waren Männer.

Hexenhemd (Folterkittel)

Dieses geweihte Hemd musste eine Frau, die in Veringenstadt 1680 der Hexerei angeklagt war, während ihres Verhörs tragen.

Dass Frauen dennoch weitaus häufiger in den Verdacht gerieten, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben, wurde in starkem Maße durch ein Buch befördert. Im so genannten "Hexenhammer" spitzten zwei dominikanische Inquisitoren - Jakob Sprenger und Heinrich Kramer - das Delikt der Hexerei auf Frauen zu. Verderbtheit und maßlose Triebhaftigkeit der weiblichen Natur sahen sie als Ursprung der größeren Neigung von Frauen zur Hexerei. Mit rund 30 Auflagen bis zum Jahr 1669 gehörte der "Hexenhammer" zu den meistgedruckten Werken der Zeit.

Unterstützung von unten

Auch wenn die Anleitung zur Hexenjagd den Fantastereien zweier Mönche entsprungen war: Das Morden blieb nicht allein Sache der Kirche. Machtpolitische Interessen waren es insbesondere, die hinter dem, in einzelnen Regionen besonders großen Verfolgungswillen standen. Hexenprozesse - ausgeführt mit weltlicher Jurisprudenz - dienten letztlich der Demonstration der Unabhängigkeit und Selbstständigkeit vor allem kleinerer Regionen: Schaut her, so verfahren wir mit Leuten, die die soziale Ordnung stören.

Entscheidende Unterstützung erhielten die Gerichte "von unten": üble Nachrede, Gerüchteküche, ein schnell geäußerter Verdacht von den Nachbarn - die Dorfgemeinschaft war die Keimzelle der Verfolgung.

Exakt dies kann in der Berliner Ausstellung am ehesten über "die Hexe" erfahren werden: Sie war ein Mensch, der aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden sollte, eine Projektionsfläche für Ängste und Obsessionen.



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