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Kultur

Und es ging doch um Musik

Schönheitsoperationen, gebleichte Haut, Prozesse wegen Kindesmissbrauchs, finanzieller Ruin. Der "King of Pop" produzierte am Ende nur noch Skandale. Matthias Klaus über seine Songs und seine legendären Auftritte.

Kerzen für Michael Jackson (Quelle:ap)

Fans bekunden ihre Trauer

Wer sich in den 70er Jahren für einen aufgeklärten Musikkonsumenten hielt, für den war Disco ein Schimpfwort. Und Popper, das waren die gelackten Schnösel, die nichts im Kopf hatten, außer gut auszusehen. Popmusik galt als oberflächlich, nur aufs schnelle Geld aus und wurde von jenen Musikkonsumenten, zu denen ich mich hier auch mal zähle, aufs Schärfste verachtet. Und so kam es, dass das erste Meisterwerk von Michael Jackson, das Album "Off the Wall" aus dem Jahre 1979 bei uns kaum Beachtung fand.

Als 1982 "Thriller" erschien und weltweite Erfolge feierte, mussten selbst wir kritischen und aufgeklärten Musikliebhaber erkennen, dass da ein großes Werk die Studios des Produzenten Quincy Jones verlassen hatte.

Das meist verkaufte Album der Popgeschichte

"Thriller", das Album, das sich weltweit laut Guinness-Buch der Rekorde 104 Millionen Mal verkauft hat, war gleichzeitig absolut massenkompatibel und popmusikalische Kunst in höchster Vollendung. Es vereinte alle damals gängigen Genres der Popmusik: Funk, Rock, Soul und vieles mehr zu einem Musikstil, der nicht nur bei schwarzen und weißen Fans in den USA gleichermaßen ankam, sondern der auch weltweit von China bis Guatemala verstanden wurde.

Michael Jackson auf der Bühne (Quelle: picture-alliance)

Und für die, die es immer noch nicht glauben wollten, gab es das 12 Minuten lange Video zum Titelsong "Thriller", das für das Genre Videoclip ebenso bedeutend war wie das Album für die Geschichte der Popmusik. "Beat it", "Billy Jean", "Human Nature" hießen drei der neun Megahits auf dem Album "Thriller“. Alle hatten sie Ohrwurm-Melodien, einen Groove, dem man sich nicht entziehen konnte und ein perfektes Sound-Design, das absolut neu war. Michael Jackson hatte ein Album geschaffen, das den Vergleich mit "Sergeant Peppers" von den Beatles nicht zu scheuen brauchte und er wurde zum King of Pop. Selbst die zahlreichen Michael Jackson-Parodisten gaben zu, dass ihre Imitationen seines merkwürdigen, aber an rhythmischer Präzision nicht zu überbietenden Gesangs- und Tanzstils inklusive Moonwalk eigentlich nur von großem Respekt motiviert waren.

König für ein Jahrzehnt

Selbst die hart gesottensten Jackson-Hasser kapitulierten spätestens, wenn sie eine seiner Live-Shows besucht oder im Fernsehen gesehen hatten. So kam es, dass wir aufgeklärte Musikkonsumenten und Verächter alles Kommerziellen uns plötzlich ernsthaft Sorgen machten, ob denn "Bad" das Nachfolgealbum zu "Thriller" auch noch einmal so ein Wurf werden würde, ob denn dieser Typ, der ja inzwischen auch einige freakhafte Züge hatte, es noch einmal schaffen würde.

Einmal schaffte er es noch, und dann noch einmal so halb. Anfang der 90er Jahre aber war die Zeit des genialen Jackson vorbei und sein langsamer aber stetiger Fall begann. Sein plötzlicher Tod zwei Wochen vor einem geplanten Bühnen-Comeback hat jetzt unumkehrbar klargemacht, dass seine Zeit die 80er und nur die 80er Jahre waren.

Autor: Matthias Klaus

Redaktion: Sabine Oelze

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