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Sport

Und die Welt ist eben doch eine Scheibe

Robert Harting gewann mit persönlicher Bestleistung Gold im Diskuswettbewerb. Die wohl eleganteste Art, von seine unbedachten Sprüchen der letzten Tage abzulenken.

Der Medaillensatz bei der Leichtathletik-WM in Berlin (Bild: dpa)

Die mittlere ist seine: Gold für Robert Harting. Für einen Diskuswerfer hätte die Medaille ruhig rund sein dürfen!

Robert Harting bei einem seiner Versuche im Diskus-Finale der WM in Berlin (Foto: AP/Matt Dunham)

Robert Harting haute einen raus - nicht nur verbal

Und am Ende hatten ihn alle wieder lieb. Robert Harting hatte Mist gebaut in den vergangenen Tagen. Die Funktionäre des Deutschen Leichtathletik-Verbandes hatte er beschimpft, die Dopingbekämpfung als zu lasch abgekanzelt, die Dopingopfer der DDR beleidigt. Einige forderten sogar den Rausschmiss des Diskuswerfers aus der Nationalmannschaft, was einem WM-Ausschluss gleichgekommen wäre. Wohl erst im letzten Moment machte Harting einen Rückzieher, durfte damit auch starten. Vielleicht hätte sich der DLV bei einem weniger aussichtsreichen Kandidaten schwerer getan mit dem Verzeihen.

Der Pole Piotr Malachowski bei einem seiner Diskuswürfe in Berlin (Foto: AP/Matt Dunham)

Trotz Landesrekord nur Zweiter: Der Pole Piotr Malachowski

Und auch das Publikum im Berliner Olympiastadion zeigte kaum Reaktionen. "Ein paar Buh-Rufe hätte ich schon erwartet", gestand Harting nach dem Wettkampf. Aber das Volk braucht seine Helden, Siegertypen sind rar in der deutschen Leichtathletik. So feuerten sie den Berliner bis zu seinem letzten Versuch frenetisch an. Und das half offenbar. Denn der letzte war der beste Wurf des Hünen. 69,43 Meter weit flog der Diskus, 28 Zentimeter weiter als beim Polen Piotr Malachowski. Das zweite Gold für Deutschland fiel quasi im letzten Durchgang vom Himmel. In seinen Interviews nach dem Sieg entschuldigte sich Harting ausdrücklich bei den DDR-Dopingofpern.

Männlein oder Weiblein?

Fast zeitgleich mit Hartings Goldwurf gewann ein seltsam androgynes Wesen das Rennen über 800 Meter. Caster Semenya aus Südafrika lief unbeeindruckt von medizinischen Tests, mit denen ihr Geschlecht derzeit untersucht wird, zur Jahresweltbestzeit von 1:55,45 Minuten. Damit gewann sie deutlich vor Kenias Titelverteidigerin Janeth Jepkosgei (1:57,90) und der Britin Jennifer Meadows (1:57,93). Allerdings könnte es passieren, dass Semenya ihr Gold wieder abgegeben muss, denn medizinische Experten untersuchen derzeit, ob sie unwissend eine männliche Chromosomen-Kombination hat. "Dies ist ein sehr sensibles Thema. Wir haben keine abschließenden Beweise und es gab deshalb keinen Grund, ihren Start zu verbieten", sagte IAAF-Sprecher Nick Davies. Davies betonte, dass dies nicht mit einem Dopingvergehen vergleichbar sei: "Es gibt da keine vorgeplanten Schritte. Wir gehen diskret und sensibel mit dem Fall um. Es handelt sich um ein medizinisches Thema." Die 18-jährige Semenya war Ende Juli in 1:56,72 aus dem Nichts in die Weltspitze vorgestoßen.

Kenia auf eins und drei - aber ohne Medaille über 1500 Meter

Yusuf Saad Kamel, für Bahrain startend (re.) und Bernard Lagat mit dem US-Banner feiern ihre Medaillen nach dem 1500-Meter-Lauf. (Foto: AP/David J. Phillip)

Kenianer unter sich: Yusuf Saad Kamel, für Bahrain startend (re.) und Bernard Lagat mit dem US-Banner

Bei Yusuf Saad Kamel gibt es zwar keinen Zweifel an seinem Geschlecht. Aber wie moralisch ist es, wenn man sich von einem fremden Land einkaufen lässt? Gebürtig ist er in Kenia, sein Geld als 1500-Meter-Läufer verdient er aber nach seinem Nationalitätenwechsel im Königreich Bahrain. Das darf nun dank Kamel sein WM-Gold feiern, weil der den besseren Endspurt hatte als Titelverteidiger Bernard Lagat aus den USA - der übrigens ebenfalls gebürtiger Kenianer ist. Zwischen die beiden schob sich noch der Äthiopier Deresse Mekonnen.

Keiner sprintet so schnell wie Jamaika

Brigitte Foster-Hylton, rechts, überquert die Ziellinie im 100-Meter-Hürdenfinale vor Priscilla Lopes-Schliep, aus Kanada und Delloreen Ennis-London, ebenfalls Jamaika (Foto: AP/David J. Phillip)

Brigitte Foster-Hylton (re.) sprintet zu Hürdengold über 100 Meter.

Im 100-Meter-Hürdenlauf der Frauen unterstrich Jamaika seine Vormachtstellung in den Sprintwettbewerben. Brigitte Foster-Hylton holte schon die dritte Goldmedaille für den Karibik-Staat. Die 34-Jährige sicherte sich ihren ersten WM-Titel in 12,51 Sekunden vor der Kanadierin Priscilla Lopes-Schliep, die drei Hundertstelsekunden langsamer war. Bronze ging in 12,55 Sekunden an Delloreen Ennis-London aus Jamaika. Den Einzug ins Finale hatte Carolin Nytra verpasst. In 12,94 Sekunden belegte die Bremerin in ihrem Halbfinale nur den fünften Platz.

Gute Nachrichten gab es übrigens aus den Doping-Kontrolllabors: Die Gerüchte, wonach es einen Dopingfall im 100-Meter-Finale der Männer gegeben habe, bestätigten sich nicht.

Bericht: Tobias Oelmaier (sid/dpa)

Redaktion: Stefan Nestler

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